Angriff der Bienenfresser

Die Asiatische Hornisse ist eine ernste Bedrohung für Mallorcas Tier- und Pflanzenwelt. Mar Leza, Biologin an der Balearen-Universität, will die eingeschleppte Art nun mit Hightech bekämpfen

21.11.2015 | 07:50
Blick auf die Asiatische Hornisse

Als ein Olivenbauer Ende September bei Sóller beim Kontrollieren von Fliegenfallen eine Hornisse entdeckte, reagierte er schnell und richtig. Er setzte sich mit dem in dem Ort befindlichen balearischen Naturmuseum in Verbindung. Deren Mitarbeiter ließen das Exemplar einer Expertin zukommen: Mar Leza, Biologie-Dozentin an der Balearen-Uni (UIB). Leza war sofort klar, dass diese Hornisse nicht nach Mallorca gehört. Vor ihr lag eine Vespa velutina, eine asiatische Hornisse. Mar Leza schlug am 6.10. Alarm.

Jetzt galt es, nach etwaigen Nestern zu suchen. Mitarbeiter des balearischen Zentrums für Wildtiere und Artenschutz Cofib wurden schließlich am 30.10. an einem Ort namens Sa Figuera nahe dem Ses-Barques-Aussichtspunkt fündig: Dort hing in einer Kiefer in 14 Metern Höhe ein seltsam großes Gebilde – die erste auf Mallorca gefundene Brutstätte. Wie viele einzelne Exemplare der bis zu 3,6 Zentimeter langen fleischfressenden Hornisse es inzwischen auf der Insel gibt, weiß man nicht. Klar ist aber, dass jedes Nest samt angebauten Aggregaten 1.200 bis 1.800 Tiere beherbergen kann, darunter 150 besonders voluminöse Königinnen.

Die Hornisse macht gehörig Eindruck: Ihr Hinterleib ist schwarz und hellorange gestreift, sie ist zwei Zentimeter länger als herkömmliche Wespen und Bienen. „Ihr Stich ist allerdings nicht schmerzhafter", so Mar Leza zur MZ. Nur wer sich in unmittelbarer Nähe eines Nestes befinde, laufe Gefahr, attackiert zu werden. „Bei mehreren Stichen kann das auch dazu führen, dass man ins Krankenhaus gebracht werden muss – aber das ist bei Bienen- und Wespen­stichen nicht anders."

Der Grund, sich große Sorgen zu machen, sind nicht die Stiche, sondern die Bedrohung der Bienen: „Die Spezialität dieser aggressiven Hornissen ist es, Bienenstöcke zu belagern und die Tiere, wenn sie herausfliegen, im Flug zu töten." Die Vespas velutinas vertilgen zwar auch andere Insekten wie Fliegen, Schmetterlinge oder Spinnen, doch zu über drei Viertel müssen Bienen dran glauben.

Die in der Regel nur tagsüber aktiven asiatischen Hornissen bringen ihre Opfer dann zu ihren Nestern und päppeln damit ihren eigenen Nachwuchs auf. „Die Hornissen bedrohen ernsthaft die auf der Insel heimischen Bienen und müssen deswegen unbedingt ausgerottet werden", warnt Mar Leza. In Frankreich ist die Honigproduktion wegen der Hornissen mancherorts bereits zurückgegangen. Das hat Folgen für das gesamte Ökosystem: Dadurch, dass die auch von Pilzbefall und Pflanzengiften bedrohten Bienen nicht mehr genügend bestäuben, gerät das Gleich­gewicht der Pflanzenwelt durch­einander.

Das mehr als 60 Zentimeter hohe Nest bei Sóller ist inzwischen beseitigt worden. Ein weiteres ist inzwischen in Deià entdeckt worden, und man muss davon ausgehen, dass es noch andere gibt. Mar Leza hat trotzdem Hoffnung: „Da wir die Hornissen in einem Anfangsstadium ihrer Ausbreitung entdeckt haben, könnte es sein, dass wir sie auf der Insel wieder eliminieren können", sagt sie.

Die Zeit drängt. Im Frühling werden weitere Hornissen geboren. Die befruchteten Weibchen sind die einzigen Hornissen, die den Winter überleben. Sämtliche Arbeiterinnen und auch die Königinnen segnen das Zeitliche. In der kalten Jahreszeit halten sich die verbliebenen Hornissen hauptsächlich in den Nestern auf. Diese werden in der Regel in Höhen um die 15 Meter und auch – wie bereits im Baskenland festgestellt – weit oben an Gebäuden angebracht.

In Europa war die Vespa velutina erstmals 2004 in Frankreich entdeckt worden. „Wir vermuten, dass sie auf Schiffen in Containern mit landwirtschaftlichen Produkten aus China hierher gelangte", sagt Mar Leza.

Nach Spanien kam das Insekt um 2010. Die Hornisse machte sich zunächst im Baskenland breit, wo in den vergangenen drei Jahren nicht weniger als rund 1.500 Nester ausgemacht wurden, und breitete sich dann ab 2012 auch in Nord-Katalonien aus, von wo aus es nun möglicherweise auf die Balearen ging. Katalanische Experten sind bereits auf die Insel gereist, um Mar Leza bei der Ausmerzung der ungebetenen Gäste zur Seite zu stehen. Zusammen mit Einsatzkräften der Umweltschutzeinheit der Guardia Civil (Seprona),
Feuerwehrleuten und Mitgliedern des Zivilschutzes durchkämmen sie dieser Tage die Gegend um Sóller, Fornalutx und Deià.

Die Wissenschaftlerin ist derweil fieberhaft damit beschäftigt, den Kampf gegen die Eindringlinge technisch zu optimieren: Sie und ihre Mitarbeiter entwickeln derzeit Mini-Sensoren, die sie um die Hornissen schnallen wollen, auf dass diese sie mit Hilfe von Radiowellen zu anderen Nestern führen.

Wer ein verdächtiges Nest entdeckt, sollte das der Notrufnummer 112 melden und Mar Leza unter mar.leza@uib.es kontaktieren (auch Fotos einschicken).

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