Alle zusammen gegen die Raupe Nimmersatt

Bei „Forest 112" ist Mitarbeit gefragt. Mit der neuen App kann man Schädlinge und Pflanzenkrankheiten identifizieren. Die Daten werden von
Wissenschaftlern ausgewertet

29.04.2016 | 09:15
Prozessionsspinner: Wenn die Standorte der befallenen Kiefern an die Plattform weitergegeben werden, kann man die Bäume gezielter schützen.
Prozessionsspinner: Wenn die Standorte der befallenen Kiefern an die Plattform weitergegeben werden, kann man die Bäume gezielter schützen.

Damit man Schädlinge, Krankheiten und invasive Arten auf Mallorca bekämpfen kann, muss man erst einmal wissen, wo sie gerade Schaden anrichten. Und dafür ist es gut, wenn möglichst viele Menschen ihre Augen aufhalten. Oder genauer: ihre Handys zücken.

Das ist der Gedanke hinter einer neuen kostenlosen App namens „Forest 112". „Wir setzen auf die Unterstützung von Menschen, die sich für die Umwelt engagieren wollen", sagt Marta Cantón aus Madrid. Die Physikerin hat die auf Englisch und Spanisch verfügbare App gemeinsam mit zwei Kollegen entwickelt und engagiert sich außerdem in der Umweltorganisation Fundem, zu der auch ­Valencias Botanischer Garten l´Albarda gehört.

Doch mit einem einfachen Fotoklick, bei dem automatisch Datum und Koordinaten festgehalten werden, ist es nicht getan. Als Referenz für die Größe – beispielsweise eines Blattbefalls – muss eine Münze mit aufs Foto. Gewünscht wird auch die Bestimmung der erkrankten Pflanze sowie deren Verursacher. Diese Daten werden allesamt in der Abteilung „Mis reportes" (Meine Berichte) gesammelt.

Für die Identifizierung stehen dem Benutzer verschiedene Foto­sammlungen von Schädlingen (plagas), Erkrankungen (pató­genos) oder akuten Gefahren (alertas) zu Verfügung. Für eine Bestimmung vor Ort verbindet die Applikation außerdem mit einer Suchmaschine. Gibt man hier „deutschsprachige Ergebnisse" ein, so ist sogar der deutsche ­Name des betreffenden Schädlings zu erfahren.

Bleibt die Suche in den Nachschlagewerken erfolglos, steht ein Auswahlverfahren zur Verfügung, mit dem man entscheiden kann, ob sich die Erkrankung an den Wurzeln, am Stamm, an den Ästen, den jungen Trieben, Knospen oder Früchten eines Baums festgesetzt hat. Mit jeder Auswahl schließt sich der Kreis enger, bis am Ende die Bestimmung von Raupe Nimmersatt und Konsorten gelingt.

Dabei geht es nicht nur um heimische, sondern vor allem auch um eingeschleppte Arten. „Globale Transporte und Reisende verbreiten Viren, Pilze und Insekten rasant", sagt die Madrilenin. Gerade auf die invasiven Arten – sie treffen in ihren neuen Habitaten selten auf natürliche Feinde – müsse man besonders schnell reagieren. Deshalb steht mit „­Especies invasoras" ein eigenständiges und ausführliches Nachschlagewerk zur Verfügung.

Die Daten, die Umweltfreunde mit ihren Handys sammeln, ­werden an eine Plattform ­weitergeleitet, zu der Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen Zugriff haben, um die Daten auszuwerten.

Die Experten geben die Informationen an die Verwaltung – beispielsweise an die Forstämter – weiter. Durch die Handy-Ortungen verfügen sie dann über mehr Informationen als bisher. Dank der Mithilfe vieler Helfer können die Schädlinge gezielter bekämpft werden, was sich auch in einem geringeren Einsatz von Insektiziden ausdrücken kann.

So zumindest der Plan.

„Forest 112" ist ein von der EU finanziertes Pilotprojekt. Wenn alles klappt, soll das Netzwerk in Zukunft Bäume in ganz ­Europa schützen. Die Übersetzung in weitere Sprachen ist bereits in Vorbereitung.

www.forest112.com

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