Die Milch macht´s einem schwer

Mallorcas Bauern sind wütend wegen der niedrigen Milchpreise – hinter der kürzlichen Absage einer Kuh-Misswahl in Campos steckt aber offenbar eher eine Polit-Posse

31.05.2016 | 16:11
Von wegen Landidylle: Auf den Milchviehhöfen der Insel liegt einiges im Argen.

Dass die Mai-Messe in Campos kürzlich erstmals nach 37 Jahren aus Verdruss über den niedrigen Milchpreis ohne die Kür der „Schönsten Holstein-Kuh Mallorcas" stattfinden musste, sei ein Vorwand, sagt Baltasar Martí, der Vorsitzende des balearischen Kleinbauernverbands. „Wir bekommen derzeit 31 Cent pro Liter, aber wir hatten auch schon Jahre, in denen es nur 28 Cent waren und es trotzdem eine Kuh-Misswahl gab." Sein Hof Son Suau bei Manacor hat schon mehrfach die Siegerin des tierischen Schönheitswettbewerbs hervorgebracht. Auf eine Absage der Kuh-Kür wirkte seiner Ansicht nach nicht die Mehrheit der teilnehmenden Landwirte, sondern vor allem das Rathaus von Campos hin – wo ein konservativer Bürgermeister mit einem einflussreichen Vater regiert, der dem ehemaligen PP-Landwirtschaftsminister Biel Company wesentlich näher stand als der nun amtierenden Linksregierung. „Das ist alles ein politisches Manöver, aber davon will ich gar nicht reden."

Wohl aber von den niedrigen Milchpreisen, denn besorgniserregend seien die allemal – und nach einem zwischenzeitlichen Anstieg nun wieder im Sinkflug. Bis August 2015 erhielten Mallorcas Bauern 35 Cent pro Liter, seit November sind es nur noch 31 Cent, und am 1. Mai ist auch noch die Mengenprämie weggefallen, die die Industrie den Landwirten je nach Umfang der Lieferungen zahlt. „Mir gehen dadurch noch einmal 1,5 Cent pro Liter verloren", klagt Martí, der mit rund 270 Kühen zu den größten Milchbauern der Insel zählt. Zusätzlich geschmälert würden seine Einnahmen durch die steigenden Produktionskosten – Futtermittel werden immer teurer, und infolge des trockenen Winters müssten die Wiesen nun auch noch besonders üppig gegossen werden. „Auf Menorca ist das etwas anderes, da regnet es mehr und die Weiden sind saftiger, fast wie im Norden Spaniens." Das Argument, dass Mallorca aus eben diesem Grund, anders als die Nachbarinsel, keine guten Vo­raussetzungen für die Milchviehwirtschaft bietet, will Martí nicht gelten lassen. „Ich bin jetzt 62 Jahre und hatte immer Kühe um mich rum. Ich denke, da kann man durchaus von Tradition sprechen."

Genauso sieht es sein Kollege Rafel Barceló vom Hof s´Hort de Can Mates in Campos, auf dem es seit jeher Milchvieh gib. „Mich macht es traurig, dass es von Jahr zu Jahr weniger Milchbauern werden." Während in den 70er-Jahren allein in der Gemeinde Campos noch auf
420 Höfen Kühe gehalten wurden, seien es jetzt nur noch ein Dutzend. Balearenweit gibt es derzeit noch etwa 230 Milchbauern, wobei der Großteil auf Menorca entfällt. Auf Mallorca ist ihre Zahl inzwischen auf 26 zusammengeschrumpft – und es werden bald noch weniger sein, wenn sich einige Kollegen in den Ruhestand verabschieden und die Nachkommen die schwere Arbeit nicht mehr machen wollen. „Wir fordern einzig und allein, von der Landwirtschaft in Würde leben zu können", sagt Rafel Barceló.

Nur acht bis zehn Prozent des Milchkonsums der Insel wird von Mallorcas Milchbauern abgedeckt. „Da muss etwas gewaltig schieflaufen, wenn auf dem Markt kein Absatzpotenzial vorhanden ist", sagt die Geschäftsführerin des Kleinbauernverbands, Joana Mascaró. Um die Bauern zu unterstützen und ihnen fairere Preise zu garantieren, wäre in ihren Augen in erster Linie die Tourismusbranche gefragt. „Warum servieren die Hotels keine frische Milch von der Insel?", fragt sie sich ebenso wie Landwirt Baltasar Martí – der eine ganz einfache Rechnung aufmacht. „Wenn jeder der zehn Millionen Urlauber einen café con leche mit unserer Milch trinken würde, könnten wir viel mehr verkaufen."

Für ihn selbst seien solche Produktionsmengen freilich derzeit trotz Abschaffung der europaweiten Milchquote im März 2015 unerreichbar. Die Rechnung ginge nicht auf. „Das bringt vielleicht den ganz großen Betrieben etwas, aber für uns kleine Milchbauern auf der Insel ist die Bilanz bisher negativ, weil die Preise weiter gesunken sind", sagt Martí. Um überleben zu können, sei die Hilfe der Politik gefragt – etwa durch schnell ausbezahlte Hilfsgelder nach dem trockenen Winter.

Aber wäre nicht gerade da ein publikumswirksames Event wie die Kuh-Misswahl förderlich gewesen, um auf die Missstände – und vor allem die Milchprodukte von der Insel – aufmerksam zu machen? Martí zögert und sagt dann. „Zumindest hätte der Wettbewerb die Sache auch nicht schlechter gemacht."

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