Border-Collies: Auch Hochbegabte brauchen mal eine Pause

Die Hunderasse gilt als besonders aktiv, clever und agil. So werden die Tiere trainiert

03.01.2017 | 02:30
Cookie rast durch den blau-gelben Tunnel, das Kommando von Trainerin Nathalie de Vries ist dabei entscheidend.

Der kleine braun-weiß gescheckte Welpe steht noch am Anfang.Einen Namen hat der zehn Wochen alte Border Collie aus einer Zucht in Zaragoza auch noch nicht. „Ich muss den Hund erst kennenlernen, um ihm einen Namen zu geben", erzählt die Hundetrainerin Nathalie de Vries. Die in Holland aufgewachsene Tochter eines deutschen Vaters und einer indonesischen Mutter lebt seit 24 Jahren aufMallorca. Seit zwei Jahren betreibt sie den Magic Agility Parcour kurz vor Calvià, wo sie Hunde auf Geschicklichkeit und Ausdauer trainiert. Die intelligenten Border Collies liegen ihr besonders. Sie selbst besitzt, neben Hunden anderer Rassen, fünf davon.

Das braun-weiße Wollknäuel rennt durch den Sand, einmal durch den blauen Tunnel und schnappt sich das Spielzeug am Ende. Aufgabe mit Bravour gemeistert. Nathalie de Vries nimmt ihren Schützling auf den Arm. „Das ist wichtig, um dem kleinen Hund nach einer Übung zu zeigen, dass er jetzt ausruhen kann und dass er immer zum Frauchen zurücksoll. Hunde sollen von klein an lernen, dass der Mensch das Sagen hat.

Die Hierarchie steht fest, auch bei der ursprünglichen Aufgabe der Border Collies, Schafe zu hüten. „Der Schäfer lenkt den Hund und der Hund lenkt die Herde", bestätigt der mallorquinische Schäfer Miguel Adrover, der ebenfalls fast ausschließlich mit Border Collies seine 700 Schafe in Felanitx hütet.

Cookie und Cosmo sind schon ein wenig weiter als der namenlose Welpe. Der schwarz-weiße Rüde und das grau gescheckte Weibchen treten sogar bei Agility-Wettbewerben an, bei denen die Geschicklichkeit bewertet wird. Border Collies sind aufmerksam und flink. Das Zusammentreiben und das blitzschnelle Reagieren auf jegliche Bewegung ist genetisch fest verankert. Sobald ein Schaf aus der Herde ausbricht, rennt der Hund hinterher und drängt es wieder zurück. So verhalten sich Border Collies auch ohne Herde. Springende Kinder, fahrende Autos, andere Hunde, all das kann bei nicht gut auf das menschliche Umfeld trainierten Collies ihre Instinkte durchbrennen lassen: Sie jagen Autos hinterher oder bellen spielende, oft fremde Kinder scheinbar grundlos an. „Wobei jedes Bellen einen Grund hat und kein Bellen wie das andere ist", sagt Nathalie de Vries.

Während die fünfjährige Cookie durch den Tunnel rennt, danach über mehrere Hindernisse springt und am Ende zur Belohnung einen Wurstzipfel erhält, liegt Cosmo auf dem Boden. Die Ohren des vierjährigen Rüden sind gespitzt, es hält ihn kaum im Sand. Er bellt ein kräftiges, durchdringendes Bellen. „Das sind Arbeitstiere – die müssen und wollen gefordert werden", sagt die 50-jährige Holländerin. „Sein Bellen sagt jetzt: Gib mir was zu tun!"

Hunde brauchen ganz klare Regeln, auch Border Collies. „Ein Nein heißt bei mir immer ein Nein", sagt De Vries. Auch vor Überforderung müsse man die cleveren Vierbeiner schützen. Ein auf Schafehüten gezüchteter Collie ist es gewohnt, während des Hütens körperlich und geistig hoch konzentriert zu sein. Sind die Schafe im Stall, haben die Hütehunde eine natürliche Ruhepause. Collies, die keine Herde hüten, müssen diese Pausen oft trainieren, denn viele von ihnen spüren nicht, wann es zu viel ist. „Viele Border Collies ackern sich sonst fast tot", sagt De Vries. Die erfahrene Trainerin erkennt, wann es Cookie und Cosmo reicht. „Wenn ihnen die Dynamik beim Springen fehlt, wenn sie sich von mir abwenden oder wenn sie mehr speicheln, das sind alles Anzeichen."

Cookie braucht noch keine Pause, sie nimmt Anlauf und rennt über die im Parcours aufgebaute Pyramide. Doch sie läuft nicht nur einfach darüber. Nathalie de Vries gibt ihr den Auftrag, maximal zwei Pfotenkontakte nach oben und maximal zwei Kontakte beim Runterrennen zu machen. Der Border Collie soll dabei die blau markierte Fläche treffen.
Neben Geschwindigkeit und Kraft sind Geschicklichkeit und Gleichgewicht wichtige Teile beim Agility-Training.

Zwischendurch trainiert De Vries die Eigenwahrnehmung der Tiere. „Sie sollen spüren, ich habe Hinterläufe, ich kann auch sanft laufen." Cosmo bekommt einen kleinen Plastik­eimer hingelegt, er weiß schon, was er tun soll. Schnell springt er mit den Hinterpfoten auf den Eimer. Übung bestanden, Leckerli zur Belohnung. Auch beim vorsichtigen Traben über die verschiedenen engen Stäbe auf dem Parcours lernen die Tiere, ihre Beine koordiniert zu bewegen. „Magic", ruft die Trainerin. Cosmo dreht sich links herum. „Trick", ruft De Vries als Nächstes – der schwarz-weiße Collie macht die Drehung diesmal nach rechts. Beim ersten Versuch hatte der Hund rechts und links verwechselt, das Leckerli blieb in der Tasche der Trainerin.

Agility ist eine von vielen Formen, mit denen die anspruchsvollen Hunde geistig und körperlich fit bleiben. Beim dog dancing „tanzen" Hund und Herrchen miteinander zu einstudierten Bewegungen: durch die Beine laufen, seitlich aneinander vorbeiziehen, und das alles im Rhythmus der Musik. Obedience legt hingegen den Schwerpunkt auf das perfekte Zusammenspiel von Herrchen und Hund. Sheepdogtrials, Frisbee oder Treibballspielen sind andere Varianten.

Folgsam sind auch die Collies in Calvià. „Wer ist deine amiga?", fragt De Vries den schwarz-weißen Rüden. Der legt treu seine Pfoten um Cookies Hals. „Namenlos" wird all das noch lernen. Nathalie de Vries setzt ihn auf den Boden. Entspannt rollt sich der Kleine auf den Rücken und lässt sich erst mal kraulen.

www.magic-agility.com
; Telefon Nathalie de Vries: 619-97 49 33.

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