Die extralangen Nattern

Auf Ibiza und Formentera eingeschleppte Schlangen werden immer größer – und zur Plage

25.01.2017 | 02:30
Ernste Bedrohung für einzigartige Eidechsen: Hufeisennatter auf einer Landstraße der Nachbarinsel.

Es ist erst 14 Jahre her, dass die ersten Hufeisen- und Treppennattern nach Ibiza und Formentera gelangten. Sie kamen aus Andalusien und der Region um Valencia vor allem in den besonders dicken Stämmen von alten Zier-Olivenbäumen, die Finca-Besitzer für ihre Gärten schätzen.

Seitdem haben sich die gottlob ungiftigen Reptilien nicht nur gehörig auf inzwischen geschätzt über 9.000 Hektar ausgebreitet (8.700 auf Ibiza und über 300 auf Formentera), sondern auch gehörig vergrößert. Eine im Jahr 2013 auf Ibiza gefangene Hufeisennatter (Hemorrhois hippocrepis) etwa maß 1,83 Meter und wog 1,4 Kilo. „So ein Exemplar hat man auf der ganzen Welt noch nicht gefunden", sagt der Biologe Jaume Estarellas vom ibizenkischen Inselrat. Normalerweise werden diese Tiere nicht länger als 1,66 Meter und nicht schwerer als 675 Gramm.

Die eingeschleppten Nattern werden auf Ibiza und Formentera so riesig, weil sie dort keine natürlichen Feinde haben. Im Wettstreit um die Beute setzen sich zudem die Stärkeren und Größeren durch. Dass sich dieser evolutionäre Prozess so schnell vollzieht, ist ein weiterer Fakt, der die Wissenschaftler in Erstaunen versetzt.

Die Beute besteht aus Tieren wie die nur bis zu neun Zentimeter lange und tagaktive Pityusen-Eidechse (Podarcis pityusensis), eine von nur drei Wirbeltier-Spezies, die es auf den Balearen schon vor der Ankunft des Menschen gab. Nun ist ihr Bestand von der Schlangenplage bedroht. Womöglich sogar auf kleinen unbewohnten Fels­inseln: Sowohl vor Mallorca als auch vor Ibiza sind schon Schlangen im Wasser entdeckt worden.

Das balearische Zentrum für Wildtiere (Cofib) reagiert mit eigens ausgetüftelten Fallen, in die eine Beutemaus gesetzt wird. Seit März 2016 wurden auf Ibiza und Formentera 400 davon aufgestellt und immerhin 800 Schlangen damit gefangen. Das ist viel oder wenig, je nachdem, wie man´s nimmt: „Wenn es insgesamt 1.500 Nattern gibt, ist das ein gutes Resultat, wenn es 20.000 sind, nicht", sagt Víctor Colomar von Cofib gegenüber der Zeitung „El Mundo". Im Übrigen sei das Problem nicht so sehr, die Schlangen mit eigens dafür abgerichteten Hunden aufzuspüren, sondern sie dann auch tatsächlich zu fassen zu kriegen: Oft verstecken sie sich tief im Inneren der alten Trockensteinmauern. Die beiden Nattern-Arten haben sich auch auf Mallorca schon verbreitet, werden aber hier laut Colomar vorerst nicht mit Fallen gejagt, da sie auf der größten Balearen-Insel nicht unmittelbar endemische Arten bedrohen.

Und was ist, wenn mal eine giftige Schlange eingeschleppt wird? Diese Befürchtung besteht durchaus, etwa im Fall der Stülpnasenotter (Vipera latastei). Die wird auf dem Festland zwar nur bis zu 70 Zentimeter lang, schätzt aber wie die Nattern trockenes Gelände. Und sie verspritzt, wenn sie zubeißt, ein Gift, das das Blut zum schnelleren Gerinnen bringt. Keine schöne Aussicht.

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