Delfine zum Sonnenaufgang vor Cala Ratjada

Dafür lohnt das frühe Aufstehen allemal: Die Meeressäuger gibt es am Morgen vor Mallorca zu sehen

29.09.2017 | 16:56
Gutes Gefühl für Timing: Zwei Große Tümmler begrüßen den neuen Tag.

Es ist noch stockdunkel, als wir aufs Meer hinausfahren. Delfine sehen und einen romantischen Sonnenaufgang erleben – das ist das Ziel dieses Ausflugs. Dafür sind die Teilnehmer alle früh aufgestanden. Der große Segel-Katamaran des Familienbetriebs Mayurca Yachting verlässt schon um 6 Uhr den Hafen von Cala Ratjada.

Vor der Fahrt gibt es noch ein paar Hinweise von Marianne Deladoey, der Seniorchefin: „Wenn Ihnen schlecht wird, trinken Sie etwas Cola, das hilft." Mit Motorantrieb geht es hinaus aufs Meer, auch um später leichter navigieren zu können, wenn man sich den Delfinen nähert. Bei der Rückfahrt werden dann, wenn die Windverhältnisse es erlauben, die Segel gesetzt.

Viele Gäste fläzen sich in den Netzen, die zwischen den beiden Katamaran-Flügeln gespannt sind. Das ist nicht ganz risikofrei: Von unten können die Wellen auch mal hochschwappen. Ein Paar, das offenbar nicht zum ersten Mal an Bord ist, hat vorsorglich eine Plastikplane mitgebracht und unter sich ausgebreitet. Andere Gäste verteilen sich auf Bänken oder sitzen am Rand des 23 Meter langen und 11 Meter breiten Boots. Sie trinken Kaffee oder ein Erfrischungsgetränk und knabbern ein wenig Gebäck. Maximal 100 Menschen fasst der Katamaran, heute sind wir an die 50.

In der Ferne wird es langsam hell, eine leichte Röte steigt auf. Nach etwa einer Stunde Fahrt steigt einer der jungen Bootsleute, Toni, auf einen Mast. Von unten sieht er aus wie eine Gallionsfigur. Wenig später ruft er: „Links voraus schwimmen sie!" Alle eilen wir auf die linke Seite. Und tatsächlich: Eine Gruppe von Delfinen zieht in den Wellen seine Bahnen, auch eine Mutter mit ihrem Kleinen ist dabei. „Mami, ist das ein Baby-Delfin?", fragt eines der vielen Kinder an Bord, die trotz der frühen Stunde ganz quirlig sind. Juniorchef Jean-Marc Serrano Deladoey bittet um Ruhe: „Die Tiere hören sehr gut, und Lärm schreckt sie ab", erklärt er.

Zudem haben Delfine offenbar ein gutes Timing für den Sonnenaufgang, denn just jetzt geht auch die Sonne am Horizont auf ?

Jean-Marc, Sohn eines mallor­quinischen Vaters und einer Schweizer Mutter, hat eigentlich Meereswissenschaften auf der Kanareninsel Gran Canaria studiert. „Delfine sind einzigartig, aber sie sind nicht der nette Flipper aus der Fernsehserie. Es sind Wildtiere, die etwa ihren Nachwuchs auch zu verteidigen wissen." Bei den Touren könne man zu 95 Prozent sicher sein, auf Delfine zu treffen. Hier in der Gegend gäbe es eine gesunde Population. Meist handelt es sich dabei um Große Tümmler (Tursiops truncatus). „Manchmal wartet sogar ein einzelner Delfin am Hafen auf das Boot und begleitet es hinaus, erzählt Jean-Marc. „Der hat Spaß daran."

Der Treffpunkt hier draußen auf dem Meer scheint nicht zufällig: Der Katamaran treibt in der Nähe von zwei Fischerbooten, die ihre Netze einfahren. Die Tiere hoffen auf Futter. Immer wieder kommt es vor, dass sie einen Teil des Fanges stibitzen – und sich mit den Thunfischen, die hier ebenfalls zu sehen sind, die Beute streitig machen. Für die Fischer ein Ärgernis; sie versuchen dann, die Tiere mit Lärm wieder zu vertreiben.

Heute jedoch bleibt alles friedlich, und die Delfine schwimmen weiterhin um den Katamaran herum. Nur hohe Sprünge vollführen sie nicht. „Dabei machen sie manchmal dreifache Pirouetten in der Luft, als ob sie wüssten, dass es Zuschauer gibt, die darauf warten."

Die Fahrt ist auch ohne derlei Kunststücke ein Erlebnis.

Mayurca Yachting bietet mit zwei Booten – dem Katamaran Tahiti 75 der Firma Fountaine Pajot und einem Segelboot Beneteau First 47.7 – drei verschiedene Touren an. Neben dem dreistündigen Delfintrip (Montag bis Freitag, 51 Euro) ist auch eine Katamaran-Fahrt aufs Meer und entlang der Küste mit Badestopp und Mittagessen (4,5 Stunden, 57 Euro) möglich sowie eine Tour mit dem Segelboot für maximal 12 Personen (6,5 Stunden, 118 Euro), ebenfalls mit Badestopp und Mittagessen. Wer will, kann die Boote auch komplett chartern.

Weil es im Herbst früh morgens schon empfindlich kalt werden kann, werden die Touren im September und Oktober nur bei gutem Wetter durchgeführt. Eine Jacke aber sollte man trotzdem immer dabei haben. Danach geht
Mayurca Yachting in die Winterpause. Ob eine Tour stattfindet, kann man telefonisch bei Marianne Deladoey erfragen. Sie spricht Deutsch, Englisch und Spanisch.

Mayurca Yachting, Marianne Deladoey Tel.: 607-82 28 37, www.mayurca-yachting.com

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