Die Letzten ihrer Art

Umweltministerium will 215 noch verbliebene Exemplare der größten europäischen Muschelart in Forschungseinrichtungen behüten. Ein Parasit hat die Pinna Nobilis an Spaniens Mittelmeerküste hinweggerafft

24.10.2017 | 19:17
Vor Mallorca praktisch nicht mehr anzutreffen: die Edle Steckmuschel.

Vor etwas mehr als einem Jahr war sie in den Meergraswiesen rund um Mallorca noch relativ häufig anzutreffen: die Pinna Nobilis, die größte europäische Muschelart. Doch seither ist die "nacra", wie sie auf Spanisch heißt, in rasender Geschwindigkeit von einem Parasiten, der sich in ihrem Verdauungssystem einnistet, dahingerafft worden. Wie auch an einem Großteil der spanischen Mittelmeerküste ist die Population praktisch ausgelöscht worden. In einer vom Madrider Umweltministerium am Dienstag (24.10.) veröffentlichten Mitteilung ist von einer "Katastrophe" die Rede.

Nun sollen 215 noch nicht befallene Exemplare eingesammelt werden, um sie in Forschungseinrichtungen an der spanischen Mittelmeerküste vor einer Infektion zu schützen und zu vermehren. Wie mit den beteiligten Instituten – darunter das auch auf Mallorca vertretene Instituto Español de Oceanografía (IEO) – vereinbart, soll so versucht werden, den Genpool zu bewahren. Fernziel ist dann eine zukünftige Wiederansiedlung.

Das Muschelsterben wurde erstmals Anfang Oktober 2016 vor Almería in Andalusien beobachtet. Seither hat es sich rasant an der spanischen Mittelmeerküste und rund um die Balearen ausgebreitet. Mittlerweile ist der Parasit auch bis an die italienische Küste gelangt. Laut Umweltministerium "derzeit" noch gesunde Bestände gibt es in Spanien aus noch ungeklärten Gründen einzig nördlich des Ebro-Deltas an der katalanischen Küste. Dort sollen auch die 215 "Überlebenden" eingesammelt werden.

Die Edle Steckmuschel, wie sie auf Deutsch heißt, kann – oder konnte – 150 Zentimeter lang werden und über 30 Jahre alt werden. Sie siedelt oder siedelte sich bevorzugt auf Seegraswiesen (Posidonia oceanica) in bis zu 60 Metern Tiefe an. Die größte und gesündeste Population vor Mallorca befand sich in den Gewässern des Nationalparks Cabrera. Auch sie ist zu hundert Prozent hinweggerafft worden.

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