Rainer Nahrendorf: Von den Bullen und Bären zu den Geiern auf Mallorca

Ein früherer „Handelsblatt"-Chef überrascht mit einem multimedialen Greifvogel-Buch

24.12.2017 | 07:44
Ein junger Mönchsgeier.

Weiterschreiben, immer weiterschreiben. Das sei bei Journalisten, die aus dem Berufsleben ausscheiden „wie eine Alkoholsucht", sagt Rainer Nahrendorf. Er spricht aus Erfahrung: 34 Jahre lang arbeitete Nahrendorf beim „Handelsblatt", von 1989 bis 2001 als Chefredakteur und dann in einer Übergangsphase bis zum Eintritt in den Ruhestand 2006 als Chefkorrespondent. Danach schrieb der heute 74-Jährige weiter Bücher über seine Themen, Familienunternehmen oder Lüge und Wahrheit in der Politik, solche Sachen. Bis auch diese Phase vorbei war. Seit einiger Zeit beschäftigt er sich, auch von seiner Rolle als Großvater inspiriert, mit der Tierwelt: „Das wahre Leben der Maus Henriette" und „Kalle und die Nachtjäger der Eifel: Ein Buch für junge Fledermausfans" heißen seine bisher veröffentlichten Kinderbücher.

Nun also „Geier Georg auf der Flucht", ein Jugendbuch, das auch als E-Book erhältlich ist. Aus der Ich-Perspektive eines Geiers erzählt – ebenfalls eine bemerkenswerte Entscheidung für einen ehemaligen Chefredakteur der führenden deutschen Wirtschaftszeitung – geht es um „die Flucht eines Mönchgeiers aus einem Greifvogelpark in der Eifel und der tragisch endenden Liebe zu seiner Partnerin Lucia".

Lessen Sie hier: Geier Georg: "Die glücklichste Zeit hatte ich auf Mallorca"

Weiterschreiben, immer weiterschreiben heißt für einen Journalisten auch: weiterrecherchieren, immer weiterrecherchieren. Nahrendorf hat sich eingehend mit dem größten europäischen Greifvogel beschäftigt, dessen Population auf Mallorca wieder stabilisiert werden konnte, informierte sich über Schutzgebiete wie in der Extremadura oder Pflegestationen wie die Geier-Reha in Campanet hier auf der Insel und hat sich von Wissenschaftlern und Vogelschützern beraten lassen. Georg und Lucia sind, wie könnte es anders sein, erfundene Geier-Figuren, aber ihre Eigenschaften und Erlebnisse sind sehr nah an der harten Realität einer vom Aussterben bedrohten, überaus wundersamen Art.

Das Buch richtet sich an Leser zwischen 12 und 18 Jahren und ist zeitgemäß: Der Text ist gespickt mit Bildern, Weblinks und sogenannten QR-Codes, mit denen auf der Stelle Videos, Blogs, Studien und weiteres im Netz frei ­zugängliches Material aufgerufen werden kann. Der Journalist, der gerade noch vor dem Platzen der New-Economy-Blase im Jahr 2001 die Chefredaktion des „Handelsblatt" verließ, will damit die „Generation Bodenampel" ködern, wie er die nennt, die beim Gehen fortwährend aufs Handy starren und an Kreuzungen eigentlich derlei Vorrichtungen benötigten. „Wenn man es ihnen wie in dem Buch so einfach macht, an faszinierende Videos zu kommen, kann man sie vielleicht auch für den Schutz der Natur und bedrohter Arten interessieren", hofft er.

Fledermäuse, wie uncool ist das denn!", hat eine 15-Jährige mal über sein vorheriges Buchprojekt gestöhnt. Mit wesentlich größerer Spannweite ist „Geier Georg auf der Flucht" die coole Antwort darauf.

„Geier Georg auf der Flucht" kostet als E-Book 4,49 Euro. Das gedruckte Buch umfasst 112 Seiten mit vielen Fotos (Schwarz-weiß 11,99 Euro, farbig 18,99 Euro). Über Plattformen wie Amazon und den Buchhandel zu beziehen.

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