Tierquälerei-Skandal: Mallorcas Anwälte mischen sich ein

Die schrecklichen Video-Aufnahmen, die ein TV-Sender in einem spanischen Schweinezuchtbetrieb aufgezeichnet hat, sorgen nicht nur bei Tierschützern für Entsetzen. Auch die Anwaltskammer der Balearen bezog jetzt klar Stellung

14.02.2018 | 16:43
Schreckliche Verhältnisse: Ferkel mit fußballgroßen Abszessen in einem Zuchtbetrieb in Murcia

Vor Schmerz quiekende Säue, Ferkel mit fußballgroßen Abszessen, halbtote Schweine, die von ihren Artgenossen angenagt werden – das Filmmaterial, das der bekannte spanische Journalist Jordi Évole in einem Schweinezuchtbetrieb auf dem spanischen Festland aufnahm und Anfang Februar in seiner Sendung "Salvados" im Fernsehen ausstrahlte, hat einen Aufschrei in der spanischen Gesellschaft erzeugt. Nicht nur Tierschützer sind von den Zuständen entsetzt. Jetzt hat sich auch die balearische Anwaltskammer auf Mallorca eingeschaltet. Gemeinsam mit Kollegen aus Katalonien fordern die Juristen die spanischen Behörden auf, sich stärker dafür einzusetzen, dass die Regelungen zum Tierschutz in den Zuchstätten eingehalten werden. Sie pochen auf einen zuverlässigen Inspektionsplan.

Die Aufnahmen, die der TV-Sender La Sexta veröffentlichte, seien "offensichtliche Beweise" dafür, dass das Gesetz nicht befolgt werde. "Die Missbrauchsverhältnisse, in denen die Tiere in einigen Zuchstätten leben, verletzten die Tierschutzgesetze", so die Anwälte in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Und: "Man darf die Möglichkeit nicht außer acht lassen, dass diese teils kranken Tiere Teil unserer Nahrungskette sind und schlimme gesundheitliche Schäden für die Menschen auslösen können." Besagtes Beispiel im Fernsehen zeigte einen Zuchtbetrieb, der für den großen Lebensmittelkonzern El Pozo arbeitet. Dieser wiederum verkauft Aufschnitt und Wurstware in Supermärkten im ganzen Land. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen später, dass die gefilmten Tiere nicht Teil der Nahrungsmittelproduktion seien, sondern es sich um kranke Tiere handle und man die Kooperation mit dem Subunternehmer nun beendet habe.

Auch die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" hatte das Thema in der vergangenen Woche aufgegriffen. Bei den Recherchen war herausgekommen, dass die Zuchtverhältnisse auf Mallorca zwar in keiner Weise mit den grausamen, im Fernsehen gezeigten Verhältnissen zu vergleichen seien. Fest steht aber auch: Nur zwei Prozent des auf den Balearen verzehrten Schweinefleisches kommen auch tatsächlich von hier. 98 Prozent werden von außerhalb importiert – größtenteils vom spanischen Festland.  /somo

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