Parkplatz mit Sicherheitslücke

So manches Fahrzeug lässt sich auf der Alten Mole in Palma nicht mit dem Funkschlüssel abschließen. Für die Guardia Civil ist das nichts Neues

23.02.2016 | 20:24
Auch mehrmaliges Drücken hilft nicht: Viele Wagen bleiben offen.

Als Enzo Zöllner vor Kurzem auf dem Parkplatz an der alten Mole in Palma seinen Pkw per Fernbedienung abschloss und sich der Rückspiegel nicht automatisch einklappte, dachte er zunächst an einen technischen Defekt. Das Fahrzeug war kurz zuvor in der Werkstatt gewesen, „es hätte ja sein können, dass die Programmierung neu eingestellt werden muss", so Zöllner (Name v. Red. geändert). Erst später, beim Essen in einem nahegelegenen Restaurant, als seine Frau jemanden am Kofferraum beobachtete, merkte der Schweizer: Das Fahrzeug war gar nicht abgeschlossen.

Und nicht nur seines. Auch der Pkw seines Bekannten, das direkt daneben in der Parkbucht zwischen Paseo Marítimo und Hafen abgestellt war, stand offen – und daran ließ sich auch durch mehrmaliges Drücken der Fernbedienung nichts ändern. „Wir probierten es mehrmals, aber die Türen ließen sich nicht schließen", berichtet Zöllner, „und auch die Warnlichter leuchteten nicht auf".

Der Verdacht: Hier ist eine Bande mit einem digitalen ­Blockiergerät am Werk – Diebe, die offenbar wissen, „dass die meisten Autobesitzer nach dem Drücken der Fernbedienung nicht kontrollieren, ob der Wagen geschlossen ist oder nicht", so Zöllner. Man hat schon davon gelesen: Die Geräte heißen Jammer und können das Signal einer Funkfernbedienung blockieren. Wer eilig aussteigt und nicht auf die Bestätigung des Schließvorgangs per Warnblinklicht achtet, lässt dem im Gebüsch lauernden Autoknacker freien Zugang zu seinem Pkw.

Ein Anruf in der Pressestelle der Guardia Civil bringt die These von der Hightech-Bande allerdings schnell ins Wanken: Nicht Gauner im Gebüsch, sondern die Guardia Civil selbst ist hier am Werk. Offiziell dürfe man zwar nichts sagen, heißt es mit den Verweis auf „Sicherheitsgründe". Doch die Erklärung, die in zahlreichen ­Internetforen nachzulesen ist, wird vom Sprecher der Guardia Civil auch nicht dementiert: Demnach ist die Wache auf der Alten Mole wie auch andere Polizeiniederlassungen in Spanien mit einem Störsender gesichert. Dieser soll im Umkreis der Wache beispielsweise die Zündung einer möglichen Autobombe per Fernbedienung verhindern. Eine solche Haftbombe kam auch schon auf Mallorca zum Einsatz, als im Jahr 2009 die baskische Terrororganisation einen Anschlag in Palmanova verübte und zwei Beamte der Guardia Civil ermordete.

Während viele Einheimische wissen, was es mit dem Funkloch auf der Alten Mole auf sich hat, dürften vor allem Urlauber vergeblich auf die Fernbedienung drücken. Die Unachtsamkeit kann vor allem Touristen, die hier mit Sicht auf die Kathedrale parken und auf der Hin- oder Rückfahrt vom Flughafen ihr Gepäck im Kofferraum des Mietwagens haben, teuer zu stehen kommen. Entsprechende Fälle werden immer mal wieder bekannt, eine Statistik oder Einschätzung kann die – hierfür ebenfalls zuständige – Guardia Civil allerdings nicht liefern, wiederum aus „Sicherheitsgründen".

Der Bekannte von Zöllner vermutet, dass ihm bei einem früheren Besuch auf der Alten Mole auf diese Weise sein iPhone abhanden kam. Anzeige erstattete er damals nicht – das Auto war ja nicht aufgebrochen, und der Bekannte sei sich nicht sicher gewesen, ob er das Handy nicht doch woanders verloren hatte.

Man sollte Hinweisschilder aufstellen, schlägt der Schweizer vor – gerade auch angesichts moderner Fahrzeuge, die weder über ein Tür-, noch ein Lenkradschloss verfügten und stattdessen per Knopfdruck im Innenraum gestartet würden.

Umparken hilft übrigens auch wenig: Erst kurz vor der Ausfahrt vom Parkplatz funktioniert die Fernbedienung wieder.

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