Von Roaming-Piraten gekapert

Vorsicht bei der Benutzung von Smartphones auf Kreuzfahrtschiffen: Satellitengesteuerte Netze lassen die Kosten in die Höhe schnellen

23.03.2016 | 12:15
Die Stiftung Warentest empfiehlt: Schalten Sie, sobald Sie an Bord sind, die automatische Netzwahl ab.
Die Stiftung Warentest empfiehlt: Schalten Sie, sobald Sie an Bord sind, die automatische Netzwahl ab.

Wer sein Handy im Mittelmeer auf einem Passagierschiff benutzt, kann danach eine böse Überraschung erleben – dann nämlich, wenn die nächste Monatsrechnung kommt. Die Stiftung Warentest berichtet von einer niedersächsischen Urlauberin, die nach einer Kreuzfahrt vor Italien und Spanien sage und schreibe 1.852 Euro bezahlen musste. Die Frau hatte ihr Smartphone einfach weiterbenutzt und nicht bemerkt, dass dieses sich automatisch in ein Schiffsnetz wählte, das über Satellit läuft.

Diese fremden Betreiber heißen MCP, TIM Maritime oder WMS und berechnen wegen der Satellitennutzung horrende Gebühren – zwischen 6 und 25 Euro für ein Megabyte Datenvolumen, bis zu 13 Euro für ein lediglich zweiminütiges Telefonat oder 5 Euro und mehr pro Minute für ein eingehendes Gespräch. Eine kurze SMS kann zwischen 37 Cent und 1,10 Euro kosten. Der Autor dieser Zeilen wurde auf der „Aida Blue" Anfang Oktober vergangenen Jahres auf einer nur zwölf Stunden dauernden Mini-Kreuzfahrt vor Mallorca nur durch Datenroaming gut 100 Euro an den in Norwegen beheimateten Dienst MCP los.

Glücklicherweise wenig Sorgen müssen sich Benutzer der ab Mallorca verkehrenden Fähren machen: Laut der Pressestelle der Baleària-Fährgesellschaft gibt es auf deren Schiffen kein Satellitennetz. „Entweder man hat terrestrischen Empfang, wenn man sich nahe einer Küste befindet, oder man hat gar keinen Empfang", so Sprecherin Judit Binefa zur MZ. Die Trasmediterránea-Gesellschaft verfährt nach eigenen Angaben ebenso. Wer eine EU-Flatrate hat, muss sich also zwischen den Balearen und dem Festland auf Fähren keine Sorgen machen.

Anders geht es auf sämtlichen Kreuzfahrtschiffen zu, wobei die Anbieter breit gestreut sind – die deutsche Reederei Aida etwa kooperiert mit CellAtSea oder MCP, die Norwegian Cruise Line und Tui Cruises mit Cellular AtSea und WMS, die spanische Pullmantur sowie die italienische MSC mit OnWaves und Siminn, die ebenfalls italienische Reederei Costa mit TIM und die deutsche Hapag-Lloyd mit On Air.

Um der Kostenfalle zu entgehen, sollten Urlauber laut der Stiftung Warentest zunächst einmal die automatische Netzwahl in ihrem Smartphone abschalten, bevor sie das Schiff besteigen. Zwar erhalten Handykunden oft eine SMS, die auf eine Einwahl ins Schiffsnetz hinweist. Das wird von den Passagieren aber oft gar nicht bemerkt.

Nach der Abschaltung der automatischen Netzwahl ist es möglich, ein terrestrisches Netz manuell zu suchen. Befindet man sich – wie im Mittelmeer gerade vor den Balearen, aber auch in der Adria üblich – unweit der Küste, ist dies nicht selten problemlos machbar, auch wenn das Land gar nicht zu sehen ist. Es empfiehlt sich, an Deck zu gehen, da der Empfang im Innern von Schiffen stark abgeschirmt ist.

Unabdingbar ist es zudem, vor der Reise das automatische Datenroaming abzuschalten. Das Häkchen im entsprechenden Kästchen muss also unbedingt weg. Dann können sich Handy-Programme auch nicht unbemerkt ins sündhaft teure Schiffsnetz einwählen, um Updates herunterzuladen. Eine gewisse Kostenkontrolle gewähren Prepaid-Tarife, die einige Reedereien anbieten. Die sind allerdings recht teuer. Karten dafür können auf dem Schiff gekauft werden.

Wer nach einer Schiffsfahrt eine hohe Rechnung bekommt, hat Pech. Laut der Stiftung Warentest macht es wenig Sinn, bei seinem Handy-Anbieter zu protestieren. Auch den Gerichtsweg empfehlen die Experten wegen zu erwartender hoher Anwaltskosten nicht.

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