Mühsam kommt das Elektroauto voran

Der politische Stillstand in Spanien lähmt nicht zuletzt auch den Durchbruch der nachhaltigen Mobilität

29.09.2016 | 15:39
Steiniger Weg: Renault-Bereichsleiter Juan Marti (li.) und sein Team auf einem Archivbild.

Es könnte alles so schön sein beim Thema Elektroautos. Ist es in so manchem europäischen Land ja auch. In Norwegen etwa sollen ab dem Jahr 2025 nur noch Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren verkauft werden, einen Großteil davon dürften Elektroautos ausmachen. Schon jetzt werden über 30 Prozent der verkauften Neuwagen elektrisch betrieben. Über 100.000 Elektroautos sind inzwischen auf norwegischen Straßen unterwegs, bei 2,5 Millionen Pkw insgesamt keine schlechte Quote. Zum Vergleich: In Spanien sind es nicht viel mehr als 12.000 Autos bei einem Fuhrpark von knapp 30 Millionen, auf Mallorca gerade mal ein paar Hundert. Und auch in Deutschland hat sich zwischenzeitlich etwas getan. Nachdem die Bundesregierung lange gezögert hatte, den Verkauf von Elektroautos anzuschieben, gibt es seit diesem Frühjahr eine Subvention von rund 4.000 Euro pro Elektroauto.

In Spanien war man trotz der noch geringen Anzahl an Elektroautos bereits früher einen ganzen Schritt weiter. Seit mehr als zwei Jahren bekommt ein Käufer eines Elektroautos einen Zuschuss von bis zu 5.500 Euro. Theoretisch. Denn die Mittel sind seit Monaten aufgebraucht. Im Plan Movea, wie sich das Subventionsprogramm nennt, ist seit Februar kein Euro mehr verfügbar. Es gab eine lange Warteliste für Käufer von Elektroautos, die ihre Zuschüsse noch nicht kassiert haben. Im Juni legte die Zentralregierung deshalb noch einmal 3,85 Millionen Euro für Maßnahmen rund um die Elektromobilität nach, von denen 1,65 Millionen Euro an Käufer von Elektroautos gingen. Das reichte gerade mal für gut 300 Autos. Tausende weitere Käufer müssen nun noch eine geraume Zeit warten, bis sie in den Genuss des Zuschusses kommen. Sie stehen auf einer Warteliste.

Was aber viel schwerer wiegt: Die Menschen kaufen keine neuen Elektroautos mehr. „Die Nachfrage hat bei uns direkt nach dem Stopp der Subventionen eine Vollbremsung hingelegt", sagt ein Verkäufer des Nissan-Autohauses Nigorra in Palma, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Niemand kauft heute ein teures Elektroauto, wenn er weiß, dass er dafür irgendwann, wenn es die Subvention wieder gibt, 5.500 Euro weniger zahlen muss. Selbst Leute, die das Geld hätten, tun das nicht."

Und es ist derzeit nun mal höchst ungewiss, wann es wieder Zuschüsse gibt. „Das hängt einzig und alleine von Madrid ab, damit haben wir nichts zu tun", sagt Joan Groizard, Verantwortlicher für erneuerbare Energien der Balearen-Regierung. Und Madrid hat zurzeit ganz andere Probleme, als den Verkauf von Elektroautos anzukurbeln. Premier Mariano Rajoy ist nur geschäftsführend im Amt, und es steht zu befürchten­, dass es im Dezember zu den dritten Wahlen innerhalb eines Jahres kommt. „Solange politischer Stillstand herrscht, wird sich in dieser Frage nichts tun. Sobald es aber eine neue Regierung gibt, bin ich davon überzeugt, dass sie auch wieder Subventionen auflegen wird", glaubt der Autohändler von Nigorra.

Denn alle Parteien hätten großes Interesse an der Elektromobilität gezeigt, auch die nicht gerade als Ökopartei bekannte Volkspartei PP, die schließlich den Plan Movea ins Leben gerufen hatte. Nur, wie gesagt, dafür muss es erst einmal eine neue Regierung geben, und das kann noch dauern.
Nigorra bietet derzeit auf Lager nur ein Modell des Nissan Leaf und eines des Nissan-Transporters NV200 an. Zwar gebe es durchaus Interessenten, die auch mal eine Probefahrt absolvierten, aber zusagen, nein, das tue dann doch niemand.

Ganz ähnlich ist die Lage in anderen Autohäusern in Palma, etwa bei der Proa-Gruppe, die unter anderem die Elektroautos von Renault und BMW vertreibt. „Es ist ganz einfach: Ohne staatliche Subventionen verkaufen wir keine Elektroautos. Seit die Zuschüsse aufgebraucht sind, hat kein einziger Privatkunde ein solches Fahrzeug gekauft", sagt Verkäufer Pablo Sánchez von der Proa-Gruppe. Dabei könne es gar nicht genügend Zuschüsse für den Kauf eines Elektroautos geben, sagt Sánchez. „Aber das Problem ist, dass man hier zum Beispiel nicht mehrere Subventionen miteinander verbinden kann." So könne der Plan Pive – ein der deutschen Abwrackprämie ähnlicher Zuschuss bei der Verschrottung eines alten und dem Kauf eines neuen Autos – nicht mit dem Plan Movea kombiniert werden .

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