Air Berlin und Mallorca: das Ende einer Ära

Wie die Insel und die Fluggesellschaft gemeinsam gewachsen sind. Ein Rückblick mit Herz

08.12.2016 | 14:43
Föhnwellen vor der Boeing 707: Foto der Bordcrew nach der ersten Mallorca-Landung am 28.4.1979.

Air Berlin war von ihrer Geburtsstunde an mit der Insel Mallorca verknüpft. Die Fluggesellschaft und ihre Insel sind über Jahrzehnte lang miteinander groß geworden. In dieser Symbiose haben sie beide viel voneinander profitiert. Wenn vermutlich im März 2017 die letzte Air-Berlin-Maschine in Palma startet, um Mallorca für immer zu verlassen, geht eine Ära zu Ende.

Die Anfänge
Am 28. April 1979 führte der erste Flug der neugegründeten Gesellschaft von Berlin nach Mallorca. "Das war unheimlich aufregend. Unser Flugzeug war mit 178 Urlaubern voll besetzt. Das Fliegen war damals noch keine Normalität, und die Gäste reisten noch im Anzug und Kostüm", erinnerte sich noch Jahrzehnte später Claudia Rößler, eine der ersten Flugbegleiterinnen der neugegründeten Airline, im Gespräch mit der MZ.

Auch Berlin, damals West-Berlin im geteilten Deutschland, war zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht das, was es heute ist: Die Lufthoheit lag bei den Alliierten, offizieller Firmensitz war deshalb Miami in Florida. Erst nach Mauerfall und Wiedervereinigung erhielt Deutschland die Lufthoheit über das vereinte Berlin zurück. Die Stadt wurde Bundeshauptstadt, europäische Metropole und im April 1991 auch der offizieller Firmensitz der Airline mit Herz. Neuer Geschäftsführer wurde Joachim Hunold, ein Name, den nicht nur die Deutschen auf Mallorca lange in Erinnerung behalten werden.

Mallorca-Shuttle
Noch vor der Jahrtausendwende revolutionierte Air Berlin das Geschäft mit der Insel. Statt die Flüge ausschließlich über die Reiseveranstalter zu füllen, setzte die Airline darauf, dass sich die Urlauber direkt - und bald schon online - einen Platz im Ferienflieger sichern konnten Von Berlin, Düsseldorf und Paderborn gingen täglich Shuttle-Flüge auf die Insel. Mal eben spontan für einen Kurztrip auf die Mittelmeerinsel.

Die Preise sanken. Das Geschäft boomte. Die Konkurrenz – und deren Mitarbeiter – sahen auf einmal alt aus. Bei Air Berlin bekam man ein irgendie ehrlicheres Lächeln, manchmal auch einen schnodderigen Anraunzer. Fliegen, das war auf einmal ein anderer Stil. Dass die Mitarbeiter kein Spanisch sprechen konnten, weil die wachsende Fluglinie mit den Sprachkursen nicht hinterherkamen, verziehen ihnen die meisten Kunden.

Der patzige Platzhirsch
Air Berlin war auf der Insel bald ein Größe. Man hatte was zu sagen, und sagte es auch. Und nicht nur auf dem Golfplatz, sondern auch gerne mal direkt und undiplomatisch gegenüber der Presse oder im Editorial des eigenen Bordmagazins. Auch der auf Mallorca stationierte Spanien- und Portugal-Statthalter des Unternehmens, Álvaro Middelmann, mischte auf höchster Ebene in der Wirtschafts- und Tourismuspolitik mit.

Unvergessen der Eklat um den Sprachenstreit. Als der 2008 regierende Linkspakt die Fluggesellschaft dazu aufforderte, die Fluggäste auch in der Regionalsprache Katalanisch zu begrüßen, reagierte Hunold patzig: Im Leitartikel des Bordmagazins kritisierte er den "Rückfall in die mittelalterliche Kleinstaaterei", fragte provokant, ob man denn "kein Spanisch" könne und lästerte, dass der katalanische Ausdruck für die bei den Deutschen so bliebte Playa de Palma - wie "Platscha de Palma" klingen würde. Und Pressesprecher Peter Hauptvogel goss noch Öl auf's Feuer, als er spaßig auf einen Cartoon im Bordmagazin verwies: "Jo mei, wenn die hier noch Bayern kimma, die saupreißischen Katalanen die, da müssens fei boarisch redn! Kruzitürkn!!!"

Übernahmen, Börsen- und Niedergang
Der auf Mallorca unangefochtene Platzhirsch mit großen Drehkreuz ging an die Börse und schluckte nach und nach die dba, die LTU, Niki, kaufte Teile der Belair ? Eine Übernahme der Condor scheiterte im letzten Moment. Doch dann gab es plötzlich andere, die es noch billiger konnte. Easyjet, Germanwings und Ryanair machten dem in die Jahre gekommenen Platzhirsch, der sich nie als Billigflieger verstanden hat, das Revier streitig. Das Firmenlogo des Riesen schrieb man inzwischen in Kleinbuchstaben – airberlin –, vielleicht ein Vorzeichen dafür, dass man sich an kleinere Brötchen gewöhnen musste.


Die Passagierzahl nahm ab: Während man 2012 sieben Millionen aus Deutschland auf die Insel brachte, waren es 2013 nur noch 6,6 Millionen, also rund 6 Prozent weniger Fluggäste. Viele Verbindungen zum Festland und Kapazitäten im Winter wurden gestrichen. Schließlich gab man auch das Drehkreuz auf.

Air Berlin hinterlässt ein großes Loch
Nach weiteren Negativmeldungen, etlichen Spekulationen und schmerzlichen Kündigungen überschlugen sich im Jahr 2016 die Nachrichten. Wenn sich Air Berlin im Frühjahr 2017 komplett von der Insel zurückzieht, entsteht im Luftraum über Mallorca ein großes Vakuum. Die Konkurrenz ist schon in den Startlöchern, um es zu füllen.  /tg

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