Proteste gegen Busse: "Nachts werden keine Taxis mehr fahren"

Gabriel Moragues über den Widerstand seines Verbandes gegen die Pläne der Landesregierung, Urlauber direkt vom Flughafen in die Küstenorte zu bringen

15.02.2017 | 11:27
Will es "krachen lassen": Gabriel Moragues, Sprecher der Taxifahrer.

Biel Moragues ist Vorsitzender der Vereinigung selbstständiger Taxifahrer auf Mallorca (ASATM).

Die Landesregierung will ab dem Sommer Buslinien direkt vom Flughafen nach Cala d'Or, Cala Millor, Can Picafort, Magaluf und Santa Ponça einrichten. Wie wollen Sie die Pläne verhindern?
Der Verkehrsminister weiß nicht, mit wem er sich eingelassen hat. Wir werden es mit unseren Protesten krachen lassen. Wir haben noch keinen Zeitplan, aber zum Beispiel werden nachts keine Taxis mehr fahren. Da wird man merken, was man an uns hat.

Für Mittwoch (15.2.) planen Sie erst einmal einen Protestmarsch. Wäre ein Hupkonzert vor dem Regierungssitz nicht wirksamer?
Das werden wir auch machen, das wissen Sie nur noch nicht. Wir halten noch Überraschungen bereit. Schauen Sie, ich war mit allen tausend Verbandsmitgliedern schon einmal Kaffee trinken. Wir sind ex­trem gut vernetzt. Das ist hier nicht der Gastronomieverband, wo viele nicht mal den Vorsitzenden kennen.

Was ist Ihr Ziel?
Wir wollen erreichen, dass die Busse, so wie in den meisten europäischen Städten, weiter vom Zentral­bahnhof in Palma abfahren. Was für einen Sinn hat es, eine weitere Linie nach Port d'Alcúdia einzurichten, wenn es eine solche bereits ab der Plaça d'Espanya gibt?

Die meisten Flughäfen in Europa sind allerdings auch deutlich besser an den öffentlichen Nahverkehr angebunden...
Deswegen befürworteten wir auch eine Straßenbahn zwischen Airport und Zentrum. Dass daraus nichts wurde, ist ja nicht unsere Schuld. Warum setzt man nicht einen echten Shuttle-Bus ein? Darüber hinaus haben die mallorquinischen Fahrgäste, die nach Muro oder Sa Pobla möchten, nichts von dem Projekt, sie müssen weiterhin den Zentralbahnhof aufsuchen.

Die Busse sollen unterwegs halten, etwa in Manacor oder Inca.
Das ist doch nur Kosmetik. Aber lassen Sie mich ausholen. Spaniens Bevölkerung entspricht der Hälfte Deutschlands, es gibt aber mehr als doppelt so viele Taxi-Lizenzen, es sind über 70.000. In Spanien haben die Politiker mit den Taxis die Mängel im öffentlichen Nahverkehr ausgeglichen. Wenn nun ein anderes Verkehrsmodell gelten soll, muss man sich auch der Konsequenzen bewusst sein. Und es soll ja nicht bei den fünf geplanten Sonderlinien für Touristen bleiben. Das gesamte Modell der Konzessionen für Überlandbusse auf Mallorca wird neu ausgerichtet. Da muss man die Zahl der Taxis reduzieren.

Sie schlagen also vor, dass die Regierung Lizenzen aufkauft?
Natürlich, vor allem in Palma. Es gibt mehr als 1.200 Lizenzen, das sind schon jetzt 400 zu viel. Die Taxifahrer haben zum Teil mehr als 200.000 Euro investiert, um einen sicheren Job zu haben, bei dem einem kein Chef auf der Nase herumtanzt. Im Winter steht die Hälfte der Taxis ohnehin still, und im Sommer müssen viele Fahrer genügend fürs ganze Jahr verdienen.

Es ist ja verständlich, wenn Sie die Jobs verteidigen. Aber warum bezeichnen Sie das neue Angebot als unnötig für die Urlauber oder als unlautere Konkurrenz?
Ich habe nicht gesagt, dass die Touristen das Angebot nicht brauchen, ich befürworte aber, dass alle Fahrgäste am Zentralbahnhof losfahren. Urlauber und Einheimische sollten gleichgestellt sein. Und wenn Steuergelder an private Firmen fließen, ist das für mich unlauterer Wettbewerb. Wir Taxifahrer bekommen auch keine Subventionen.

Die Landesregierung argumentiert, dass das Angebot mit den Einnahmen gegenfinanziert wird und keine Steuergelder fließen.
Die Regierung zahlt die Busfirmen sozusagen versteckt in Naturalien: Mit den rentablen Urlauberstrecken sollen ihnen die defizitären Linien schmackhaft gemacht werden. Sie werden künftig zusammen in einer Konzession vergeben, und die Urlauberstrecken sind dann das nötige Zuckerl für die Firmen, damit sie zuschlagen. Der defizitäre Busverkehr wird auf dem Rücken der Taxifahrer saniert.

Sie haben sogar mit einem Gang vor Gericht gedroht. Wie wollen Sie argumentieren?
Im derzeit gültigen Plan für den Personennahverkehr sind keine Linienbusverbindungen ab dem Flughafen enthalten, der Schwerpunkt liegt stattdessen auf dem Bahnverkehr. Diesen Plan kann man nicht einfach so ändern, dafür muss zunächst eine Analyse der Folgen erstellt werden.

Stellen Sie sich nicht die Frage, wie nachhaltig es ist, Urlauber mit dem Taxi vom Flughafen nach Port d'Alcúdia zu fahren?
Da sollte man sich erst mal fragen, was für ein Problem die bis zu 50.000 Mietwagen auf Mallorca sind. Das ist mit Sicherheit nicht nachhaltig.

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