Trasmediterránea: Vom Luxus zum Standard

Politische Wirren, Bürgerkrieg, Unfälle. Nichts davon konnte der spanischen Reederei Trasmediterránea, deren Schiffe Mallorca mit dem Festland verbinden, etwas anhaben. Jetzt wird sie 100

10.02.2017 | 12:07
Moderne Roll-On-Roll-Off-Fähre.

Als die Reederei Trasmediterránea gegründet wurde, war die Insel noch lange nicht so unbeschwert wie heute zu erreichen. Man schrieb den Anfang des Jahres 1917, als die ersten „Schwäne des Mittelmeers", wie die ursprünglich blütenweißen Schiffe dieser Reederei genannt wurden, die Insel vom spanischen Festland aus ansteuerten.

Eines dieser Schiffe war die zunächst helle und später schwarz getünchte „Rey Jaime I," ein Dampfer, der zunächst Barcelona mit Mallorca verband und später auch zwischen den Balearen eingesetzt wurde. Ein halbes Jahrhundert lang – bis 1967 – tat das für 498 Passagiere ausgelegte, fast 100 Meter lange und bis zu 17,6 Knoten schnelle Schiff Dienst.

Reisende der ersten Klasse konnten sich über Luxuskabinen mit Federbetten freuen, die man eigentlich nur aus Transatlantik-Linern kannte. Wer nicht viel bezahlen konnte, musste dagegen auf Deck in Decken gehüllt in der Klasse „Cubierta" die acht bis zehn Stunden dauernde Passage überstehen. Immer, wenn die „Rey Jaime I." anlegte, lockte das viele Schaulustige an. Autos wurden damals noch umständlich mit Kränen aus Lagerräumen und vom Deck gehoben.

In der Anfangszeit – Verkehrsflugzeuge gab es damals bekanntlich noch nicht – bestand die Trasmediterránea-Flotte aus 53 Schiffen, mehr als doppelt so vielen Schiffen wie heute. Zunächst wurden nur Dampfer eingesetzt, ab den 30er-Jahren kamen Schiffe wie die „Ciudad de Barcelona" und die „Ciudad de Palma" hinzu, von denen die meisten mit zwei Motoren der deutschen Hersteller Burmeister und MAN angetrieben wurden. Mitte der 60er-Jahre setzte die Reederei deutlich größere, sogar mit Schwimmbecken und Nachtclubs versehene Schiffe wie die „Juan March" oder die „Ciudad de Compostela" ein.

Von Beginn an wurden nicht nur die Balearen vom spanischen Festland aus angesteuert, sondern auch von Sevilla und Cádiz aus die viel weiter entfernten Kanaren. Dort richtete Trasmediterránea zudem einen Linienverkehr zwischen den Inseln ein, den es bis heute gibt. Reguläre Verbindungen bestanden zudem in das damalige Spanisch-Marokko, ein in Nordafrika liegender Küstenstreifen, zu dem die noch heute zu Spanien gehörenden Exklaven Ceuta und Melilla gehören. Und nicht nur das: Trasmediterránea-Schiffe fuhren auch nordspanische Häfen an, und die „Dómine" und die „Fernando Poo" kreuzten im Liniendienst zur damaligen afrikanischen Kolonie Äquatorial-Guinea. Im Zweiten Weltkrieg brachten andere Schiffe wie die „Isla de Tenerife", die „Ciudad de Sevilla" und die „Villa de Madrid" Juden, die vor den Nazis flohen, von Santander nach New York.

Die Reederei war dabei besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch politischen Unbilden ausgesetzt. Die Schiffsnamen belegen: Vor Gründung der zweiten spanischen Republik im Jahr 1931 taufte man sie noch nach Mitgliedern der Königsfamilie „Infante Alfonso" oder nach dem Diktator „Miguel Primo de Rivera". In der Zeit der neuen Freiheit bekamen sie dann in der Regel die Namen spanischer Städte. Diese Tradition behielt die Trasmediterránea bis in die 90er-Jahre bei.

Als am 19. Juli 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, beschlagnahmten Militärs beider Parteien Trasmediterránea-Schiffe – je nachdem, in welchem Hafen sie sich gerade befanden. Die „A. Lázaro" beispielsweise, die im westlichen Mittelmeer eingesetzt worden war, dümpelte beim Ausbruch der Feindseligkeiten vor Melilla. Die Aufständischen unter Francisco Franco besetzten sie sofort, der Mannschaft wurde bei Gegenwehr Gewalt angedroht. Die Soldaten funktionierten das Schiff rasch um, bestückten es mit einer Kanone und beluden es mit Minen, die sie später ins Meer ließen.

Andere Schiffe wurden bis zum Ende des Krieges am 1. April 1939 als Truppentransporter genutzt. Die „Rey Jaime I." überraschte der Beginn des Krieges bei Reparaturarbeiten im Hafen von Palma – die Putschisten verwandelten es in ein Gefängnisschiff.

Nicht alle Schiffe konnten regulär weiterverkauft oder abgewrackt werden. Im Bürgerkrieg versenkte im August 1937 ein italienisches U-Boot in türkischen Gewässern die „Ciudad de Cádiz"; durch einen Unfall lief die „Ciudad de Sevilla" 1982 vor dem Palast von Marivent auf Grund, und 2015 brach auf der „Sorrento" vor Mallorca ein Großbrand aus, der die Fähre zerstörte und nur um Haaresbreite keine Menschenleben kostete.

Ab den 60er-Jahren nahm der Flugverkehr rasant zu, sodass Trasmediterránea die Zahl der Schiffe reduzieren musste. Auch die Luxuskabinen wurden abgeschafft. Nunmehr umfasst die 1978 verstaatlichte Firma, die 2002 vom Bau-Konzern Acciona übernommen wurde, nur noch 21 Schiffe. Darunter finden sich Tragflügelboote, die vor allem vor den Kanaren zum Einsatz kommen und große, ohne unterschiedliche Klassen auskommende Roll-on-Roll-off-Fähren.

Nach Mallorca wurden zum Jahrtausendwechsel auch Schnell-Katamarane wie die „Millenium" eingesetzt, die auch Autos befördern können. Doch die wurden der Reederei mit der Zeit zu teuer. Deswegen kommen im Augenblick zwischen den Inseln und dem Festland nur normale Fähren wie die im Jahr 2001 in Dienst gestellte „Sorolla" zum Einsatz, was auch für die Konkurrenzfirma Baleària gilt.

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