Warum streiken die Eisenbahner auf Mallorca eigentlich?

Die Angestellten der Zuggesellschaft SFM drohen mit einem 24-Stunden-Ausstand und weiteren Arbeitsniederlegungen

02.03.2017 | 19:22
Fahrgäste sollten in den kommenden Tagen genau die Anzeigetafeln im Bahnhof studieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ricardo Mas die Gründe für den Streik der Eisenbahner auf Mallorca erklärt. Aber er regt sich jedes Mal aufs Neue auf, so auch beim Gespräch mit der MZ. Der Betriebsratsvorsitzende von Serveis Ferroviaris Mallorca (SFM) kann insbesondere nicht verstehen, warum die Landesregierung – die SFM ist ein staatliches Unternehmen – eine bereits ausgehandelte Lösung des Konflikts wieder rückgängig gemacht hat.

Die Auseinandersetzung eskalierte bereits vor Monaten und führte zu mehreren Streiks seit Oktober des vergangenen Jahres. Der nächste 24-Stunden-Ausstand steht für Montag (6.3.) an. Ein Mindestdienst an Zügen ist gesetzlich garantiert. Doch etwa zwischen Marratxí und Palma fallen nahezu alle Verbindungen aus.

Zwei Hauptziele

Die Angestellten der SFM hatten mit den Arbeitsniederlegungen zwei Hauptziele. Zum einen wollten sie erreichen, dass ihre Gehälter nicht eingefroren werden, so wie 2012 in einer Übereinkunft während der Wirtschaftskrise festgehalten. Hier hat die Landesregierung inzwischen Zugeständnisse gemacht, weshalb ein geplanter Ausstand im Dezember abgesagt worden war.

Zum zweiten fordert der Betriebsrat aber auch, dass mehr Leute eingestellt und diese genauso bezahlt werden wie die bisherigen Angestellten. Außerdem soll es Beförderungen im Unternehmen geben, die vor allem dem chronisch unterbesetzten Bereich der Lokführer zugutekommen sollen. Diese Einigungen waren bereits ausgehandelt, als die Regierung im Winter einen Rückzieher machte.

Eine Rolle könnte dabei spielen, dass mehrere Kontrolleure beschuldigt werden, Einnahmen aus dem Ticketverkauf in fünfstelliger Höhe über die vergangenen Jahre hinweg gestohlen zu haben. Mas bestreitet das, und auch der Geschäftsführer der SFM, Mateu Capellà, hält nichts von einer Vermengung der beiden Themen. Fakt ist allerdings, dass SFM nun zwar Leute einstellen, sie aber deutlich schlechter bezahlen will. „Das Unternehmen plant, ihnen etwa 30 Prozent weniger zu zahlen – für die gleiche Arbeit", empört sich Mas.

Neue Besoldungsordnung

Laut Capellà hat das aber seine Gründe: 2012 trat eine neue Besoldungsordnung für Angestellte im öffentlichen Dienst in Kraft. Danach wurde das Grundgehalt abgesenkt. Die bisherigen Mitarbeiter kamen aber über den Umweg variabler Aufstockungen wieder auf ihr angestammtes Gehalt.

Die Inhaber der neu zu schaffenden Stellen – darauf hat man sich immerhin schon geeinigt –, sollen nach Vorstellung der Landesregierung auf die Aufstockung verzichten und lediglich das Grundgehalt beziehen. Vor allem bei den Lokführern fehlt dem Betriebsrat da jedes Verständnis für die Ungleichbehandlung. „Sie haben eine riesige Verantwortung und müssen bei Unfällen oder auch leichten Verstößen mit hohen Geldstrafen haften."

Kommentar: Wird hier für Rechte oder Privilegien gestreikt?

Die Unterschiede beim Gehalt wären tatsächlich beträchtlich, räumt sogar Mateu Capellà ein, der Geschäftsführer von SFM. Er beziffert sie auf rund 11.000 Euro im Jahr. Neueinsteiger würden demnach nur rund 31.000 Euro im Führerstand verdienen. Capellà allerdings vermisst Kooperationsbereitschaft der Streikenden. „Wir haben schon deutliche Zugeständnisse gemacht, der Betriebsrat bewegt sich aber keinen Zentimeter." Neben der zurückgenommenen Einfrierung der Gehälter setzte der Betriebsrat nämlich auch durch, dass die Angestellten ihre Auf­stockung nicht mehr verlieren können, wenn sie sie einmal bezogen haben. Vorher war das aus disziplinarischen Gründen möglich.

Neue Streiks kaum abzuwenden

„Wir warten jetzt auf Dialog­bereitschaft der Gewerkschaften, wir können nichts mehr tun", drückt sich Capellà unmissverständlich aus. Der erste Schritt sei, die angekündigten Streiks abzusagen. Dann könne man sich wieder an einen Tisch setzen und über alles reden.

Danach sieht es aber zurzeit nicht aus. Und so werden die Bahnreisenden auf der Insel wohl noch länger mit Streiks rechnen müssen. Neben dem 24-Stunden-Streik am Montag sind Arbeitsniederlegungen auch für Samstag (4.3.) sowie am 14., 16., 22., 27. und 30. März geplant.

Auch die Taxen stehen still

Der Montag (6.3.) dürfte nicht nur aufgrund der Streiks bei der Eisenbahn auf Mallorca kritisch werden. Am selben Tag wollen auch die Taxifahrer auf der Insel in den Ausstand treten. 24 Stunden lang sollen auf der ganzen Insel ab 6 Uhr früh keine Taxen fahren. Die Fahrer protestieren damit gegen die von der Landesregierung geplanten Linienbusse vom Flughafen in die Urlaubsorte ab Sommer. Trotz des Widerstands werden die Pläne für die Busverbindungen immer konkreter. Die Balearen-Regierung hat erstmals Preisvorstellungen bekannt gegeben. Demnach soll eine einfache Fahrt pro Person zwischen 5 und 10 Euro kosten.

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