Roaming-Aus - das Ende der bösen Überraschungen?

Die Gebühren waren für Urlauber und Wahl-Mallorquiner ein Ärgernis. Zum 15. Juni werden sie abgeschafft. Ganz sorglos telefonieren aber ist immer noch nicht, denn es gibt Ausnahmen

14.06.2017 | 16:46
Sollen demnächst ein Ende haben: übermäßige Extrakosten für Roaming.

Darauf haben Millionen von Menschen jahrelang gewartet: Ab Donnerstag (15.6.) gehören die Gebühren für das sogenannte Roaming bei Aufenthalten in EU-Ländern sowie in Island, Norwegen und Liechtenstein endgültig der Vergangenheit an. Die Mobilfunkanbieter dürfen dann keine zusätzlichen Kosten für Telefonate, SMS oder die Internetnutzung im Ausland erheben.

Für die Anbieter war diese Durchleitung von Anrufen und Nachrichten jahrelang ein einträgliches Geschäft. Für das Jahr 2009 hat die EU-Kommission beispielsweise einen Gewinn aus dem Roaming von fünf Milliarden Euro bei den europäischen Mobilfunkanbietern ermittelt. Deshalb reizen viele Telekommunikationsunternehmen, darunter etwa die spanische Telefónica, diese Frist bis zum letzten Tag aus. Der Konzern begann erst Ende Mai, seine Mobilfunk-Kunden über das Ende der Roaming-Gebühren zu informieren.

Auch viele Leser der Mallorca Zeitung haben sich über Jahre hinweg mit den Roaming-Gebühren herumgeschlagen. So kommentiert etwa Danyel André bei Facebook: „Eine Textmail abgerufen und zack – 5 Euro ärmer gewesen." Und Doris Kirch schreibt: „Ex-Mann verlassen – Handyrechnung lief auf seinen Namen – nach Mallorca ausgewandert – alle, wirklich alle Freunde weltweit über Handy abgerufen, mit allen sehr lange geredet." Freunde hätten ihr hinterher den Rechnungsbetrag mitgeteilt, den sie der MZ aber verschweigt. Tommy Albonetti bemerkt, dass sein Anbieter bereits seit 1. Juni keine Roaming-Gebühren mehr erhebt. Was bedeutet nun aber konkret die Abschaffung der Roaming-Gebühren? Die MZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich an den Tarifen für Endkunden?

Für die Handynutzer bleiben die Preise im Prinzip erst einmal stabil. Spätestens ab dem 15. Juni können die gebuchten Tarife aber ohne weitere Aufschläge im europäischen Ausland genutzt werden. Es gelten die gleichen Bedingungen wie im Inland. Nicht ganz klar sind die Auswirkungen des Roaming-Wegfalls auf gebuchte Datenpakete. Diese sind zwar auch im Ausland gültig, könnten dort aber je nach Nutzungsintensität schneller erschöpft sein.

Kann es sein, dass weiterhin Extragebühren bezahlt werden müssen?

Ja. Sie beziehen sich auf das ­sogenannte permanente Roaming. Das bedeutet, dass ein Kunde ständig mit dem Mobilfunkvertrag eines ausländischen Anbieters telefoniert. Das kann sich finanziell durchaus lohnen, da die Telefongebühren innerhalb von Europa deutlich ­auseinanderdriften. So kann es sich etwa in Zukunft für einen Teilzeit-­Mallorca-Residenten durchaus lohnen, eine deutsche Karte auf der Insel zu nutzen.
Doch die Anbieter haben Möglichkeiten, exzessive Nutzung zu verhindern. Sie dürfen nun eine Obergrenze definieren, was Handyminuten und Datenpakete betrifft, die sogenannte Fair-Use-Regelung. Was der Kunde ­darüber hinaus an Roaming benutzt, muss er normalerweise bezahlen. Die Obergrenzen können die Anbieter individuell festlegen. Die Beweispflicht, dass jemand permanentes Roaming betreibt, liegt beim Anbieter. Er muss über einen längeren Zeitraum nachweisen, dass der Kunde sich einen Großteil der Zeit im Ausland aufgehalten hat.

Wie beurteilen Verbraucherschützer die neue Regelung?

Von der EU-Kommission und von Verbraucherschützern kam seit vielen Jahren massive Kritik an den Roaming-Gebühren. Unübersichtliche Preise, die stark voneinander abwichen, führten dazu, dass Urlauber die Kosten aus dem Blick verloren und am Ende, wie eingangs beschrieben, hohe Rechnungen präsentiert bekamen. Manche Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Anbieter nun ihre Preise im Inland erhöhen werden und damit die Kunden doch noch zur Kasse bitten. Teilweise ist diese Entwicklung auch schon eingetreten. In Spanien erhöhen die großen Anbieter bereits seit einigen Monaten nach und nach ihre Tarife (MZ berichtete). Die EU-Kommission geht dagegen davon aus, dass die Preise in Zukunft eher fallen werden. Seit Inkrafttreten der EU-Verordnungen zur Senkung der Roaming-Gebühren seien auch die inländischen Mobilfunkpreise gesunken. Dieser Trend würde sich auch in Zukunft fortsetzen, heißt es in einem Merkblatt.

Was sagen die Telefonkonzerne zum Wegfall der Gebühren?

Die großen Telekommunikationsanbieter stehen nach jahrelanger Kritik dem Wegfall der Roaming-Gebühren jetzt notgedrungen positiver gegenüber. „Die Telekom unterstützt das politische Ziel eines Verzichts von Roaming-Aufschlägen innerhalb der EU", erklärt etwa ein Sprecher des deutschen Telekommunika­tionsriesen. Was anderes bleibt den Konzernen auch nicht übrig.

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