Air Berlin-Übernahme durch Lufthansa wirft auf Mallorca viele Fragen auf

Was passiert mit alten Tickets? Erlauben die Kartellbehörden die Dominanz von Niki und Eurowings? Was erwartet die Mitarbeiter von Air Berlin in Palma? Drohen Streiks bei Eurowings?

14.10.2017 | 17:09
Schwingt Eurowings zum neuen Riesen im Mallorca-Geschäft auf?

Die Nachricht zur Übernahme großer Teile von Air Berlin und Niki durch die deutsche Lufthansa hat zwar das große Rätseln um die Zukunft der Fluggesellschaften am Donnerstag (12.10.) beendet. Doch in vielen Einzelheiten, die auch die Flugverbindungen mit Mallorca betreffen, herrscht weiterhin große Unklarheit.

Wird Lufthansa der neue Riese im Mallorca-Geschäft?

Zunächst müssen sowohl die Gläubiger als auch die Kartellbehörden dem Deal noch zustimmen. Insbesondere die Lufthansa-Tochter Eurowings würde eine starke Position erhalten, sodass die Behörden zum Beispiel bestimmte Auflagen - etwa den Verkauf bestimmter Slots an andere Unternehmen - an die Zustimmung knüpfen könnten.

Obwohl Niki zunächst als eigene Gesellschaft weitergeführt wird, könnte das auch für die Mallorca-Flüge gelten. Schließlich entstünde durch die beiden Unternehmen - Niki und Eurowings - eine starke Dominanz für Verbindungen von und nach Palma de Mallorca.

Was passiert mit den Air Berlin-Tickets?

Das AB-Kürzel wird von den Anzeigetafeln der Flüghäfen verschwinden. Tickets mit Flugtermin nach dem 28. Oktober werden wahrscheinlich ungültig. Ob und zu welchen Bedingungen sie von der Lufthansa zum Beispiel in Eurowings-Flüge umgewandelt werden könnten, ist bislang noch unklar.

Für Flüge, die nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin, also nach dem 15. August 2017 gekauft wurden, gibt es ein Treuhandkonto, aus dem der Kaufbetrag eigentlich erstattet werden müsste. Die Details darüber sind noch nicht bekannt gegeben worden. Für die früher gebuchten Tickets stehen die Chancen jedenfalls noch deutlich schlechter, berichten mehrere deutsche Medien.

Bonuspunkte könnten zwar vermutlich von anderen Partnern des bisherigen Air Berlin-Großaktionärs Etihad Airways angerechnet werden. Die Lufthansa werde die Topbonus-Meilen aber kaum anerkennen, spekulieren Branchenkenner.

Kunden von Reiseveranstaltern

Besser steht da, wer seinen Flug als Teil einer Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter gekauft hat. Hier steht der Verkäufer - also der Reiseveranstalter - in der Pflicht, Ersatz zu schaffen. Dafür dürften dem Kunden keine Extrakosten entstehen. Flugnummern und Flugzeiten könnten sich allerdings ändern.

Was ist mit den Mallorca-Flügen von Niki?

Die Air Berlin-Tochter Niki, die seit Frühjahr die Mallorca-Flüge durchführt, geht wohl ebenfalls in den Besitz der Lufthansa über. Da die Tochtergesellschaft nicht insolvent ist, wird das Unternehmen zunächst eigenständig weitergeführt. Die Tickets bleiben also gültig, für die Passagiere ändert sich nichts. Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Niki-Flüge vermutlich in Eurowings-Flüge überführt. Dazu ist noch nichts bekannt.

Was wird aus den Air Berlin-Mitarbeitern in Palma?

Für Air Berlin arbeiten zur Zeit noch 54 Mitarbeiter in Palma de Mallorca, die seit Donnerstag wieder etwas optimistischer in die Zukunft schauen, schreibt die spanische Tageszeitung "El Mundo". Lufthansa will 3.000 Mitarbeiter - rund die Hälfte der von Air Berlin-Belegschaft - übernehmen. Auf Mallorca will man nun verhandeln, um die Jobs auf der Insel zu retten.

Warum ist die Eurowings-Belegschaft sauer?

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings droht ein heftiger Tarifstreit. Die übernommenen Air Berlin-Mitarbeiter werden schließlich in das Unternehmen integriert. Die Eurowings-Belegschaft kritisierte nun, dass die Neuzugänge bei Eurowings Deutschland eingestellt würden und damit bessere Konditionen erhielten als das Stammpersonal bei Eurowings  Europe. Dabei gehe es nicht nur um die Bezahlung, sondern auch um die Auswahl der Standorte, bei der frühere Air Berlin-Mitarbeiter Vorrang eingeräumt werde.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr wies solche Vorwürfe zwar zurück. Ob er damit in Zukunft Streiks oder andere Protestaktionen verhindern kann, ist allerdings fraglich. Das Branchenportal "Airlines.de" veröffentlicht ein Drohschreiben der Eurowings-Europe-Mitarbeiter, in dem es heißt: "Wer unsere Arbeit nur mit 60 Prozent von dem honoriert, was die Kollegen an den anderen Basen erhalten, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn unsere Leistung auch dementsprechend geringer ausfällt."  /tg

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