Sprachenstreit: Fluglinie Vueling untersucht Rausschmiss von zwei Passagierinnen

Angeblich mussten zwei Frauen eine Maschine von Barcelona nach Menorca verlassen, weil sie mit der Stewardess auf Katalanisch redeten. Die Katalonien-Krise katapultiert den Fall in die Schlagzeilen

15.11.2017 | 18:01
Das Unternehmen will der Vorfall nachgehen, bevor es offiziell Stellung nimmt.

Die Fluglinie Vueling untersucht einen Vorfall, der seit einigen Tagen für viel Aufmerksamkeit in der sozialen Netzwerken im Internet sorgt und inzwischen die spanische Presse beschäftigt. Medienberichten zufolge seien zwei Passagierinnen vor dem Start eines Flugs von Barcelona nach Menorca aus dem Flugzeug geworfen worden, nachdem sie darauf bestanden hatten, mit dem Bordpersonal auf Katalanisch zu sprechen. Der Fall sorgte für Schlagzeilen in Tageszeitungen wie El País, nachdem der abgesetzte katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont aus dem belgischen Exil heraus dazu twitterte. Das betroffene Unternehmen bestätigte am Mittwoch (15.11.) gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca", dass es die Angelegenheit untersuche.

In den sozialen Netzwerken kursiert folgende Version der Geschichte: Eine der Passagierinnen hätte sich auf Katalanisch an eine Flugbegleiterin gewandt. Diese habe die Passagierin aufgefordert auf Spanisch zu sprechen. Daraufhin habe sich eine zweite Passagierin eingemischt und sich über die Haltung der Stewardess beschwert. Kurze Zeit später, so die Version im Internet, habe der Pilot die beiden Passagierinnen aufgefordert, das Flugzeug zu verlassen. Auf Twitter meldeten sich andere - angeblich Beteiligte - zu Wort, um ihre Version der Geschichte zu erzählen. Demnach seien die Passagierinnen wegen ihres Umgangs mit dem Personal von Bord geflogen, nicht wegen ihrer Sprache.

Puigedemont, der nach dem verbotenen Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober und der darauffolgenden Unabhängigkeitserklärung durch das katalanische Parlament über den Artikel 155 des spanischen Verfassung abgesetzt worden war, twitterte auf Englisch: "Nach Artikel 155 wächst die autoritäre Welle täglich. Jemand wegen seiner Sprache aus dem Flugzeug zu werfen ist nicht zu rechtfertigen."






"Wir gehen der Sache nach und befragen sowohl unser Personal als auch die Kundin. Wir fliegen 40 verschiedene Länder an und behandeln solche Themen mit großem Respekt. Wir stehen ganz klar dazu, dass unsere Passagiere das Recht haben auf Katalanisch zu sprechen", betonte Abteilungsleiter Manuel Ambriz im Namen von Vueling.

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Ambriz wollte die im Netz kursierenden Versionen des Vorfalls vorerst weder bestätigen noch ausschließen: "Wir wollen erst die ganze Geschichte der Angelegenheit kennen. Dann äußern wir uns über die angemessenen Kanäle", erklärte der Unternehmensvertreter. In Bezug auf die an Bord gesprochenen Sprachen sagte Ambriz: "Die Richtlinien schreiben es dem Personal vor, auf Englisch und Spanisch zu sprechen", aber "die Mehrheit" der Angestellten auf der Strecke zwischen den beiden katalanischsprachigen Regionen Katalonien und Balearen "verstehen Katalanisch". /tg
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