Das Ende von Niki: Wut und Ratlosigkeit bei Betroffenen

So haben MZ-Leser die Nachricht von der Einstellung des Flugbetriebs aufgenommen

14.12.2017 | 15:05
Dorothea Schneider ist auch betroffen.

Nach dem Insolvenzantrag für die Airline Niki und die Einstellung des Flugbetriebs zum Donnerstag (14.12.) liegen die Nerven vieler Flugkunden blank. In den sozialen Netzwerken sind viele Betroffene sauer, dass ihre gekauften Mallorca-Flugtickets nun voraussichtlich wertlos sind. Aber es herrscht auch Wut auf Manager und Behörden.

Am Flughafen von Mallorca waren am Donnerstagmorgen etwa Jens (81) Ursula Ehlers (78) aus Kiel betroffen. "Unser normaler Flug sollte am 13. Dezember mit Niki nach Hamburg gehen. Der fiel schon aus. Dann sollten wir am 14. abends fliegen, aber dann hieß es plötzlich, Niki fliege gar nicht mehr. Jetzt hat unser Reiseveranstalter einen Flug heute Mittag über Barcelona nach Amsterdam nach Hamburg organisiert. Hauptsache wir kommen an."

Am Schalter von Niki suchten Reisende vergeblich Rat: Er ist geschlossen, auf einem Schild wird um Entschuldigung gebeten: "Mein Flug geht erst am 18. Dezember, aber um sicher zu gehen, bin ich schon heute zum Flughafen gekommen", meint Dorothea Schneider aus Eislingen. Am Airport erhalte sie jedoch keine Auskunft, und wenn sie anrufe, hänge sie nur in der Warteschleife. 

Erst am Mittwoch sein Ticket gekauft hatte Ezzat Mohtaschen aus Düsseldorf. Er habe am Schalter gefragt, ob angesichts der Entscheidung der Wettbewerbshüter Probleme mit dem Ticket für kommenden Montag zu erwarten seien, das hätten die Angestellten aber verneint. Er solle doch nochmal am Sonntag nachfragen. "Das kann doch wohl nicht sein", so Mohtaschen, aber denen da oben seien die Folgen für die Reisenden offenbar egal.

Zahlreiche Kommentare gingen auf der MZ-Facebook-Seite ein. Zunächst stellt sich die Frage, wie Reisende, die sich gerade auf Mallorca befinden, wieder nach Hause kommen. "Bin wohl gestern mit einem der letzten Flüge von DUS nach Mallorca gekommen. Personal war sehr freundlich und professionell!", meint Holli Zwölf auf der MZ-Facebook-Seite. "Jetzt bin ich gespannt, wie ich wieder Heim komme!"

Viele Kunden sind kurzfristig betroffen, sie hatten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel gebucht, so wie Silvia Koenig: "Wollten am 26. Dezember für zwei Wochen Urlaub machen. Geld weg, Urlaub futsch. Und keinen von den Bonzen interessiert es. Denen tut es ja nicht weh." Auch Jutta Hasselmann hatte für die Feiertage Urlaub geplant. "Hatten für den 23.12. - 1.1.18 gebucht. Müssen jetzt schauen, dass wir unseren Urlaub noch retten und woanders buchen. Geld weg - soviel zu "Niki ist safe". Frohes Fest!" Und Christof Lenzen schreibt: "Urlaub im Januar fällt aus. Geld futsch."

Der Zorn richtet sich auch an die kurzfristig noch verkauften Tickets. Diese waren bis zuletzt nur noch buchbar, wenn das Geld sofort bezahlt wurde. "Es wird Zeit, dass die Fluggesellschaften erst das Geld nach erbrachter Leistung bekommen! Vorher muss es zwischen geparkt werden!", schreibt Chris Schaller. "Dies wäre mal ein Thema für die Politik, um entsprechende Gesetze zu erlassen, welche den Verbraucher schützen!"

Viele Niki-Kunden versuchen für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel, noch eine Alternative zu finden. "Wir mussten drei Mal umbuchen. Wir haben – Gott sei dank – sehr früh reagiert und haben Ersatz gebucht. Mittlerweile werden die Flüge um 600 Euro pro Flug gehandelt. Das ist eine Frechheit", schreibt Tatyana Fink.

Diejenigen, die die Mallorca-Reise über einen Reiseveranstalter gebucht haben, hoffen, dass sich dieser um eine Alternative bemüht. "Neckermann muss sich um Ersatzbeförderung kümmern", schreibt Jens Stein.

Wer für den Sommer gebucht hatte, hat zumindest noch Zeit, nach Alternativen zu schauen. "Unser Sommer-Urlaub fällt ins Wasser", kommentiert Bettina Ohl. "Was nützt ein Haus, was auch schon gebucht ist, wenn die Flüge weg sind. Und das Geld für vier Personen hat man nicht mal eben so - unser eins muss hart dafür arbeiten! Hauptsache sie haben das Geld kassiert! Aber von denen interessiert es ja keinen immer auf die kleinen!" Ähnlich geht es Stefan Honnen: "Vor vier Wochen für den Sommer 2018 Flüge gebucht, ich denke das Geld ist weg. Jetzt müssen wir uns um neue Flüge kümmern." Oder Gaby Malewski: "Vor zwei Wochen für den Sommer gebucht. So ein Mist."

Viele Kunden trifft es gleich mehrfach: "Weihnachten, Februar und Sommer gebucht!", schreibt Axel Bauer: "Niki! Mal sehen was jetzt wird! Weihnachten gibt es ab Stuttgart keine anderen Flüge mehr!"

Neben Urlaubern machen sich auch Residenten Sorgen - zum Beispiel solche mit Haustieren. "Bin etwas verzweifelt. Habe für Januar drei Wochen Deutschland MIT Hund gebucht. Im Winterflugplan überhaupt einen Direktflug (mit hund) in unsere Region zu bekommen, ist sehr übersichtlich", schreibt Jutta Brieden. "Zu den dafür aufgerufenen Preise muss ich sicher auch nix sagen." Und Christine Kondziella schreibt: "Wir sind auch betroffen. Haben Flüge für unseren Sohn gebucht, damit wir Weihnachten zusammen feiern können. Hoffentlich bekommen wir wenigstens das Geld zurück, und unser Sohn kann doch kommen."

Aber auch um die Zukunft der Mitarbeiter bereitet Sorgen. "Für uns Reisende ist das ärgerlich. Für die Mitarbeiter jedoch viel schlimmer", meint Rolf Vee. "Sie stehen jetzt kurz vor Weihnachten ohne Job da. Niki hatte gar keine andere Wahl, als so zu handeln: Insolvenzverschleppung ist strafbar, und sobald der Insolvenzantrag gestellt wurde, darf kein Cent mehr ausgegeben werden." Ähnlich äußert sich Brigitte Witte: "Meine Gedanken sind natürlich zuerst beim Personal. Ist vor Weihnachten ja nun wirklich für alle ein Drama."

Besonders blöd ist es für den Mallorquiner Jesus Fernandez Higuera gelaufen. "Erst habe ich meinen Job verloren (bin ein Ex-Airberliner). Dann wollte ich Weihnachten zu Hause genießen. Ich dachte es wäre sicher, mit Niki zu buchen. Jetzt bleibe ich in Düsseldorf."

Und in vielen Reaktionen schwingt Unverständnis mit, wie es soweit kommen konnte. "Eigentlich ein Unding, die Lufthansa finanziert eine eigentlich schon insolvente Firma, die Kunden buchen im Vertrauen, und die sagen dann von heute auf morgen Nein", schreibt Bank Konrad Heinrich. "Dabei war die Wettbewerbsproblematik mit der EU vorher schon bekannt. Ganz schmutzig für Kunden und Mitarbeiter."   /ff

Lesen Sie hier weiter: Mallorca-Flieger Niki stellt Flugbetrieb ein

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen
Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |