Von Roland Otto
Die sehr holprige Piste windet sich nun in engen Kehren durch einen Steineichenwald steil nach oben. Nach etwa 45 Minuten gelangt man bei einem Mauerdurchlass auf den fast 700 Meter hohen Pla des Pouet. Die Ebene wird nun geradeaus bis zur Font des Pouet gequert. Hinter dem Brunnen wandert man geradeaus weiter und biegt dann links (Steinpyramide) ab. Ein Geröllpfad führt in Kurven aufwärts. Rote Farbkleckse und Steinmännchen signalisieren dabei die Richtung. Schließlich wird links wenige Schritte vom Weg der Aussichtspunkt Mirador de Ses Puntes erreicht.
Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator hatte an dieser exponierten Stelle einst eine Mauerbrüstung mit niedrigen Zinnen errichten lassen, weil die Steilwände hier mehrere hundert Meter senkrecht abfallen. Aus fast 800 Metern Höhe schweift der Blick über Palma und seine Bucht und dann über das Cap Blanc bis hin zur Inselgruppe Cabrera. Weit im Südwesten ragt der Tausender Puig de Galatzó empor. Beeindruckend auch der Blick auf die reizvolle Küstenlandschaft bei Port des Canonge und die Landspitze Punta de s´Àguila.
Weiter geht es vom Mirador zurück zu dem Pfad und dann links auf dem Reitweg, den der Erzherzog anlegen ließ. Die steinige, mauergestützte Piste (rote Punkte, Steinmännchen) führt zu dem fast 860 Meter hohen Berggipfel Talaia Vella. Hier befindet sich auf einem Sockel eine Vermessungssäule. Von dort ist Richtung Norden schon ein kleines Gebäude zu sehen. Auf dem Weg dorthin fällt nach rund 250 Metern ein kleiner Picknickplatz mit einer Feuerstelle und einem Sitzbalken auf. Dort verweist ein Steinmännchen links auf einen Pfad. Diese Stelle muss man sich merken, da hier der Abstieg zum Kloster Ermita de la Trinidad beginnt.
Doch zunächst wird auf dem Reitweg nach wenigen Minuten das kleine Häuschen erreicht. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Schutzhütte, deren Bau ebenfalls der österreichische Adlige in Auftrag gegeben hatte. Von der Ruine stehen nur noch die Grundmauern. Der Wanderer kann aus einer Höhe von fast 870 Metern einen imposanten Ausblick auf Deià und den Berg Sa Galera, das Meer bei Llucalcari sowie die Tausendergipfel Puig Major und Puig de Massanella auskosten.
Anschließend begibt man sich wieder zurück zu der Picknickstelle und biegt dort rechts auf einen teils mauergestützten Trampelpfad ab. Die Piste verläuft zunächst mit leichtem Gefälle in Serpentinen abwärts (Steinmännchen). Dabei bietet sich eine grandiose Aussicht auf das Meer, die Landzunge Sa Foradada und die Possessió Son Marroig.
Der Pfad führt dann immer abschüssiger (weiterhin Steinmännchen) bis zu einem Felsdurchlass, bei dem der Wanderer auf ein an einer Steineiche fest verankertes Seil trifft. Bei weiterem Hinsehen stellt man fest, dass das dicke Tau an den Stämmen von zwei weiteren Steineichen befestigt ist. Das von mallorquinischen Wanderern angebrachte Seil dient als Absicherung für den Abstieg durch einen etwa 20 Meter langen Felskanal, der bei den Steilabfällen in der Westwand der Talaia Vella die einzig vorhandene Abstiegsmöglichkeit darstellt. Das letzte Teilstück der Steigrinne wurde zudem mit einer Eisenkette gesichert.
Mit dieser Hilfe ist der Kletterabstieg kein Problem, sofern man Ruhe bewahrt, sich die einzelnen Schritte im Voraus überlegt und sich - an Seil und Kette festhaltend - dann im Fels einen Halt mit den Bergstiefeln und der freien Hand sucht. Natürlich muss man auch die Verankerung des Seils und der Kette durch festes Ziehen prüfen.
Nach der Kraxelei geht es auf einem sehr steilen Pfad in einem Zickzackkurs durch einen Steineichenwald weiter talwärts. Auch hier haben mallorquinische Wanderer für eine sehr gute Orientierungshilfe gesorgt und in kurzen Abständen Steinmännchen gesetzt. An diese vorgegebene Route muss man sich beim Abstieg unter allen Umständen halten. Das Gefälle weist auf einigen Abschnitten einen Neigungswinkel von über 60 Grad auf. Der Köhlerpfad ist zudem sehr rutschig, weil er meist aus loser Walderde besteht und mit Steineicheln übersät ist. Entsprechend konzentriert und langsam muss abgestiegen werden. Dabei erweist es sich als sehr hilfreich, wenn man sich hin und wieder an den Stämmen der Steineichen abstemmt, um dadurch einen ýSelbstlauf" mit der möglichen Folge eines Abrutsches zu verhindern.
Schließlich hat man nach einem sehr anstrengenden Abstieg von eineinhalb Stunden bei einer Weggabelung wieder festen Boden unter den Füßen. Hier biegt man links (Steinmännchen, den roten Farbklecks nach rechts missachten) auf einen Weg ab und erreicht nach einer Viertelstunde die Ermita de la Trinidad.
Das Kloster wurde in den Jahren 1648 bis 1693 errichtet und wird seitdem mit kurzen Unterbrechungen von Mönchen des Ordens vom heiligen Paulus und Antonius bewohnt. Die idyllisch gelegene Ermita ist ein Ort von großer Ruhe und Gelassenheit.
Weiter geht es auf der Zufahrtsstraße der Einsiedelei bis zum Restaurant Ca´n Costa an der Landstraße Ma-10. Von dort sind auf der Asphaltpiste leider noch rund 1,5 Kilometer bis Valldemossa zu marschieren, weil der Waldweg zur Gemeinde von dem Besitzer der Possessió Son Moragues gesperrt worden ist. Man kann sein Glück aber auch als Anhalter versuchen.
Information
Wegstrecke: 10 km (Rundtour)
Nettogehzeit: 4 Stunden
Höhenunterschied: 480 Meter
Anfahrt von Palma: Auf der Ma-1110 nach Valldemossa.
Tourencharakter: Schwierige Tour mit einem Steilabstieg (500 Meter), der es in sich hat.
Bei der Passage mit Seil einfache Klettertechnik notwendig.
Beim Abstieg durch den Steineichenwald ist absolute Trittsicherheit und sehr gutes Orientierungsvermögen erforderlich.
Unbedingt auf die regelmäßig gesetzten Steinmännchen achten!
Ausrüstung: Wanderstiefel mit sehr guter Profilsohle.
Öffnungszeiten der Ermita de la Trinidad: 9.30 bis 18 Uhr.
Einkehr: Lokale in Valldemossa.