Eine Wanderung zur Einsiedelei Ermita de Betlem und auf den Puig de sa Coassa

05-11-2008  
Karte zur Wanderung.
Karte zur Wanderung. Karte: RO

ROLAND OTTO Die leichte Tour beginnt vor den ersten Häusern der Siedlung Betlem. Dort biegt von der Landstraße Ma-3331 bei Kilometer 7,5 rechts ein breiter Weg ab. Zwei Schilder – „Cases de Betlem, Ermita de Betlem“ und „S’Alqueria Vella“ – zeigen, dass der richtige Einstieg gefunden worden ist. Schon bald fällt auf der linken Seite ein großes Gebäude auf. Es handelt sich dabei um eine ehemalige spanische Kaserne. Der Komplex ist heute im Besitz des balearischen Umweltministeriums. In den Gebäuden ist ein Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche untergebracht.

Wenig später werden die Cases de Betlem erreicht. Bei den verlassenen Gebäuden und Stallungen zweigt links (Schild „Ermita de Betlem, s’Alqueria Vella“) ein Pfad ab. Der teils gestufte Steig verläuft in Kehren nach oben. Holzpfostenpfeile zeigen die Richtung. Schließlich gelangt man zu zwei Mauerdurchlässen.

Dahinter führt die Route links in den Talkessel Comellar des Grau und windet sich dann (Steinmännchen) oberhalb des Torrent de s’Aigua Dolça in steilen, engen Serpentinen aufwärts. An den Seiten ragen hohe Felsmassive empor, die spektakuläre Überhänge und imposante Tropfsteinhöhlen aufweisen.

Schließlich wird ein Sattel mit einer Begrenzungsmauer erreicht und dort links abgebogen. Ein breiter Weg führt kurz darauf zu der Quelle Font de s’Ermita und einer Grotte mit einer weißen Madonnenfigur, die von einer betenden Schwester verehrt wird. Steinsitzbänke und ein Tisch laden unter sehr hohen Platanen zu einer Rast ein.

Von der Quelle sind es jetzt nur wenige Minuten bis zum Eingangstor der Einsiedelei. Unterhalb des Klosters befinden sich auf mehreren, von Zypressen umsäumten Terrassen Anpflanzungen von grünem Weidegras für Schafe und eine huerta: Obstbäume, Artischocken, Salate und Tomaten. Auch eine größere Pflanzung von figueres de moros, Feigenkakteen, gehört zu dem Klostergarten.

Vom Eingangstor begibt man sich dann auf einer langen Allee mit Zypressen und Palmen zur Kirche der Ermita. Das Gotteshaus ist hell und freundlich. Farbiges Licht tritt durch die Glasrosette über der Empore in der Kirchenraum. Die Kuppel steht auf vier hellgrauen Säulen. Dabei stellt das Decken- gewölbe der Kuppel das Bildnis des Heiligen Geistes dar. Hinter dem Altar ist eine aufwendig gestaltete Krippendarstellung zu bestaunen.

Wo die Ermita de Betlem heute steht, befand sich einst das arabische Landgut Alqueria Binialgorfa. Nach der christlichen Rückeroberung durch König Jaume I. im Jahr 1229 wurde das Gebiet besiedelt. Noch im 15. Jahrhundert haben sich in dem fruchtbaren Hochtal über 30 Häuser befunden. Doch als im Jahr 1805 die ersten fünf Mönche vom Orden der Heiligen Paulus und Antonius in dieser Region ankamen, was das Landgut Binialgorfa verfallen.

Die Eremiten restaurierten einige Gebäudereste und gründeten das Kloster. Die Ruinen gehörten Jaume Morei de Sant Marti, der den Mönchen zwei Hektar Land überließ. Er bestimmte auch, dass das Kloster den Namen Betlem als Übersetzung von Bethlehem tragen sollte. Prominente Unterstützung erhielten die Eremiten auch von dem mallorquinischen Kardinal Despuig, der für die erste Finanzierung der Errichtung der Kirche sorgte. Der Bau des neoklassizistischen Gotteshauses war sehr schwierig und zeitaufwendig und wurde erst nach fast 15 Jahren Bautätigkeit im Jahr 1824 abgeschlossen.

Nach der Besichtigung der Ermita begibt man sich zu einem kleinen, grünen Eisentor, das sich hinter der Kirche befindet. Ein Trampelpfad führt nun im Zickzack in wenigen Minuten auf den Nordostgipfel des Puig de sa Coassa und von dort links über ein Hochplateau zum Hauptgipfel. Hier befinden sich eine Steinhütte und ein kleiner Unterstand.

Der Wanderer wird sich bei der Besichtigung der Hausruine fragen, was die im realistischen Stil gemalten Kriegsflugzeuge an den Wänden zu bedeuten haben. Ein Blick zurück in die Geschichte beantwortet diese Frage: Die Steinhütte war seit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1936 ein militärischer Posten der Franco-Putschisten und eine der exponierten Stellen zur Überwachung des Schiffsverkehrs in der Bucht von Alcúdia sowie des Luftkorridors. Die von der Wachmannschaft oder einem kriegsbegeisterten Künstler angefertigten Wandmalereien stellen Bomben- und Jagdflugzeuge dar, die später im tobenden Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden sind.

Auch für den kleinen Unterstand neben dem Gebäude gibt es eine Erklärung. Darin war ein telémetro, ein Entfernungsmesser, untergebracht. Die gemessene Distanz wurde von hier an eine Artillerieeinheit gefunkt, die seit Beginn des Spanischen Bürgerkriegs mit vier schweren Kanonen beim Torrent de Betlem in der Nähe des Meeres stationiert war. Die Geschützeinheit wurde erst Mitte der 1960er Jahre verschrottet.

Heute ist der knapp über 320 Meter hohe Puig de sa Coassa ein beliebter Aussichtsberg. Tief unten liegen die Strände von Son Serra de Marina, Can Picafort, es Comú de Muro und von Port d’Alcúdia. Wild zerklüftet präsentiert sich die Küste zwischen der Cala Mata und der Cala es Caló bis hin zu den Steilklippen am Cap de Ferrutx, über dem der Wachturm sa Talaia Moreia thront. Überaus beeindruckend ist auch der Ausblick auf die Talaia Freda de Morei, mit 564 Metern der höchste Berg auf der Halbinsel Ferrutx. Der nördlichste Punkt Mallorcas, das Cap Formentor, ist ebenso wie die vorgelagerte Halbinsel sa Victòria auszumachen. Im Westen bilden die Tausender Puig Tomir, Puig Roig und Puig de Massanella eine Traumkulisse.

INFORMATION

Wegstrecke: 6 km (hin und zurück)

Nettogehzeit: 2 Stunden

Höhenunterschied: 310 Meter

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 bis Artà, dort auf der Ma-12 in Richtung Can Picafort und dann auf der Ma-3331 Richtung Colònia de Sant Pere und Urbanisation Betlem bis Kilometer 7,5. Hier befindet sich auch eine Parkbucht.

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf teils getreppten Pfaden und breiten Wegen. An der Quelle Font de s’Ermita lässt es sich prima picknicken.

Ausrüstung: Wanderstiefel.

Einkehr: Lokale in Artà.

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