Puig de Maria bei Pollença: Auf zum Kloster

Eine Wanderung zum Santuari de la Mare de Deú del Puig

30-12-2009  
Karte zur Wanderung
Karte zur Wanderung MZ

ROLAND OTTO Die leichte Tour be-ginnt bei Pollença kurz vor Kilometer 52 der Landstraße Ma-2220. Dort verweisen drei Schilder „Puig de Maria" rechts auf eine schmale Fahrbahn. Die Piste führt zunächst an Feldern mit Mandel-, Feigen- und Johannisbrotbäumen vorbei. Nach rund 200 Metern knickt die Route dann bei einem Holzpfostenpfeil nach rechts ab. Es folgen einige Häuser mit gepflegten Gärten. Kein Besitzer hat es versäumt, Kakteen anzupflanzen. Über die Mauern klettern Prunkwinden und Bougainvilleen. Auch der Goldbecher ist in fast allen Gärten vorzufinden. Nach den letzten Gebäuden beginnen steil ansteigende Serpentinen, wobei es zwischen den einzelnen Kehren Abkürzungen gibt. Diese Pfade sind aber nicht zu empfehlen, da sie wegen des dichten Bewuchses kaum mehr zu erkennen sind. Die Straße, auf der zuweilen auch motorisierte Ausflügler unterwegs sind, endet nach einem halbstündigen Aufstieg abrupt.

Ein gepflasterter, getreppter und holpriger Pilgerweg führt nun in steilen Kehren weiter nach oben. Man gelangt nach einem zehnminütigen Aufstieg zu einer Gabelung, an der ein Schild „Camí dels Ermitans, Avenc de la Mare de Deú, Mirador del Molí Vell" links auf einen Pfad verweist. Von dieser Stelle ist ein famoser Tiefblick auf Pollença zu genießen. Findet die Wanderung sonntags statt, sind sogar die vielen Stände des Wochenmarktes zu erkennen. Auf dem Trampelpfad ist dann in wenigen Minuten der Avenc de la Mare de Deú erreicht. Diese Höhle, die in einer großen, tiefen Grube liegt, kann nicht betreten werden. Wenige Meter davon entfernt befindet sich der Mirador del Molí Vell. Die Aussicht von der Mühlenruine ist famos: Sie reicht von der Serra del Cavall Bernat, das Tal Vall de Bóquer, die Serra d´Albercutx bis zum Berg El Fumat auf der Halbinsel Formentor. Beeindruckend präsentieren sich auch die Buchten von Pollença und Alcúdia mit den Halbinseln Sa Victòria und Ferrutx sowie die Strände von Es Comú, Can Picafort und Son Serra de Marina.

Vom Mirador sind es dann nur noch 50 Meter bis zu den Gebäuden der Ermita auf dem Puig de Maria. Die Gründung des Santuari de la Mare de Deú del Puig geht auf das Jahr 1348 zurück, in dem die Schwarze Pest in ganz Europa wütete. Dabei starben auf Mallorca 15.000 Menschen, ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Insel. Um weitere Katastrophen zu verhindern, ordnete der Bischof von Palma den Bau einer Kapelle an. Im Jahr 1362 gründeten drei Laienschwestern aus Pollença mit 17 weiteren Frauen auf dem Puig de Maria eine Klosterschule für Frauen. Mönche verschiedener Orden haben die Ermita seit 1370 bewohnt. Die letzten Brüder der Ordensgemeinschaft der Heiligen Paulus und Antonius verließen 1988 das Santuari.

Die Klosteranlage wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals erweitert und umgebaut. Der Wachturm und die meterhohen Verteidigungsmauern wurden im 14. und 15. Jahrhundert errichtet. Hinter diesem Wall fanden viele Bürger Pollenças Schutz, als am 30. und 31. Mai 1550 über 1.500 Korsaren unter Befehl des gefürchteten Kapitäns Dragut an der Cala Caló an Land gingen und die Gemeinde überfielen. Die Angreifer konnten nach verlustreichen Kämpfen schließlich erfolgreich in die Flucht geschlagen werden.

Bei einem Rundgang kann fast die gesamte Anlage besichtigt werden. Die kleine Kirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf Anregung des Poeten und Theologen Miquel Costa i Llobera grundlegend umgestaltet und erneuert. In ihr befinden sich die Statue der Heiligen Madonna mit dem Christuskind und eine bezaubernde Krippendarstellung.

Die Aussicht von den verschiedenen Ebenen der Ermita auf dem 325 Meter hohen Puig de Maria ist spektakulär. Majestätisch erhebt sich der massige Puig Tomir, Mallorcas nördlichster Tausender. Davor ist der Berg Cuculla de Fartàritx mit seinem markanten Dreikantgipfel zu sehen. Nordwestlich sind das Massiv des Puig Roig und der Caragoler de Femenia zu erblicken. Diesen Bergen schließen sich die küstennahen Gebirgsketten Serra de Ternelles mit dem fast 840 Meter hohen Puig Gros, die Serra de la Font und Serra de Cornavaques an. Tief unten ist das Tal Vall d´en Marc zu erkennen. Mit bloßem Auge sind sogar die Windmühlen Molins de Llinàs bei Pollença auszumachen.

In dem Treppengang der Ermita ist dann noch eine kleine Ausstellung zu besichtigen. Die Exponate zeigen neben einer Münzsammlung auch Schreinerwerkzeug wie Hobel und Sägen. Haushaltsgegenstände aus der Klosterküche wie Kupferkessel, Waagen, ein Fleischwolf, Tongefäße und -teller sind ebenfalls vorhanden.

Heute können Pilger und Wanderer die ehemalige Küche der Einsiedelei zur Selbstversorgung benutzen. In der Gemeinschaftsküche stehen ein Kamin sowie weitere Feuerstellen zum Grillen und Kochen zur Verfügung. Gegessen wird dann in einem riesigen Speisesaal oder im Freien. Doch diese meist sonntäglichen Ausflüge sind nichts gegen das Spektakel, dass am Ostermontag auf dem Puig de Maria stattfindet. Dann zieht es nämlich fast alle Bewohner von Pollença zur Ermita, um die „festa del Puig" zu feiern. Nach der Prozession veranstalten die Pollencins und viele angereiste Gäste für Jung und Alt ein Picknick mit viel Gegrilltem, Tänzen, Musik und Vorträgen der glossadors (Volksdichter).

Schon Erzherzog Ludwig Salvator hat in seinem Werk „Die Balearen in Wort und Bild" dieses Fest ausführlich beschrieben. Nach seinen Worten kommen „nicht weniger als 3.000" Menschen zu dem Volksfest. Ob es heute aber noch Brauch ist, dass der Bürgermeister von Pollença auch die Armen der Gemeinde kostenlos bewirtet – wie es der Erzherzog in seinem Werk überliefert hat – ist nicht bekannt.

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-13 Richtung Alcúdia und der Ma-2220 nach Pollença. Kurz vor Kilometerstein 52 befindet sich rechts der beschilderte Abzweig zum Puig de Maria. Parkplätze vorhanden.

Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Asphalt, gepflastertem Pilgerweg und Waldpfad. Für Kinder geeignet. Am Wochenende ist auf dem Puig de Maria mit einem großen Besucherandrang zu rechnen. Wer lieber seine Ruhe haben möchte, sollte deshalb nach Möglichkeit auf die Wochentage ausweichen.

Ausrüstung: Festes Schuhwerk.

Einkehr: Restaurant de Ermita. Öffnungszeiten: Bar 8.00 bis 20.30 Uhr, Mittagessen: 13.00 bis 15.30 Uhr, Reservierung notwendig, montags geschlossen. Übernachtung, Auskunft unter Tel.: 971-18 41 32.

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