Nach Mancor de la Vall: Mal mit, mal ohne Maut

Eine Wanderung vom Coll de sa Batalla in das Bergdorf

04-11-2010  
Blick auf den Tausender Es Frontó und die lange Nordwand des Puig de Massanella.
Blick auf den Tausender Es Frontó und die lange Nordwand des Puig de Massanella.  Foto: Roland Otto

ROLAND OTTO Die leichte Wanderung beginnt am Coll de sa Batalla, auf dem sich eine Tankstelle und ein Restaurant befinden. Von dem Sattel sind zunächst wenige Meter auf der Landstraße Ma-2130 Richtung Inca zu gehen. Hinter einer Bogenbrücke biegt bei einem offenen Tor rechts ein breiter Waldweg ab (Schild „GR 222, Caimari"). Auf der linken Seite des Tores ist auf einem großen Stein die Schrift „Fomento del Turismo de Mallorca, Puig de Massanella" zu sehen. Diesen Wegweiser hat der Tourismusverband Mallorcas schon vor einigen Jahrzehnten aufgestellt.

Hinter dem Tor ist nach rund 250 Metern die Quelle Font des Guix erreicht. Wenig später verweisen bei einer Gabelung Steinmännchen nach rechts. Hier befindet sich an einer wenige Meter entfernt stehenden Kiefer auch ein Schild „Massanella". Die Piste steigt nun an, und man gelangt zu einer weiteren Wegteilung und bleibt auf dem Hauptweg (schwarzer Pfeil). Rund eine Viertelstunde nach dem Coll de sa Batalla gelangt der Wanderer zu einem verschlossenen Eisentor. Hier kassiert ein Angestellter des benachbarten Landguts Comafreda 4 Euro, die als Art Ökospende deklariert werden. Manchmal ist der Posten in seiner Holzhütte aber nicht anzutreffen, und man kann das Tor auf einer Leiter übersteigen, ohne die Mautgebühr zu zahlen.

Weiter geht es auf der breiten Piste geradeaus (rote Markierungen). Nun bietet sich ein famoser Ausblick auf Berge mit schroffen Felsen, spitzen Zinnen und senkrecht abfallenden Steilwänden: Links erhebt sich der über 900 Meter hohe Puig Caragoler des Guix mit seiner Doppelzinne Nas del Dimoni. Im Vordergrund ragen die Tausendergipfel Puig de n´Alí und Es Frontó empor. Rechts oben zieht sich die fast 1,5 Kilometer lange Nordwand des Massanella-Massivs beinahe schnurgerade nach oben.

Rund fünf Minuten nach der Mautstelle wird dann eine Begrenzungsmauer mit einer Lücke erreicht. Rechts liegen etwas versteckt die Häuser Cases de Comafreda. Die erste urkundliche Erwähnung der Bergfinca datiert aus dem Jahr 1378. In den Jahren 1660 bis 1890 befand sich Comafreda im Besitz der Familie Descatlar, die auf dem riesigen Landsitz Massanella bei Mancor de la Vall residierte, an dem man am Ende der Wanderung vorbeikommen wird. Die Descatlars kontrollierten im 16. und 17. Jahrhundert den Schmuggel in dieser Region. Dabei waren die Cases de Comafreda ihr Hauptstützpunkt. Im Jahr 1618 wurden auf dem Coll de sa Batalla (dem Sattel der Schlacht) 14 Schmuggler nach einem Feuergefecht von Soldaten festgenommen und sofort exekutiert. Die Schieber gehörten zur Schmugglerbande „Colla de Selva", die im Auftrag der Familie Descatlar aus den damals noch verschwiegenen Buchten Cala Tuent und Cala de sa Calobra im großen Stil verbotene Waren nach Inca und Palma transportierten.

Weiter geht es bei der Begrenzungsmauer mit der Lücke geradeaus (blauer und roter Pfeil) auf einer breiten Piste. Auf dieser erreicht man (Steinmännchen) nach rund zehn Minuten eine Lichtung, auf der sich ein Schild „Prohibido acampar" (Zelten verboten) befindet. Hier wird links (mehrere Steinmännchen) abgebogen. Ein breiter Waldweg führt kurz darauf zu einem Mauerdurchlass und steigt dahinter an. In der Folge bleibt man immer auf dem Hauptweg (Steinmännchen, rote Kleckse) und ignoriert einige Abzweige. Der Wanderer kommt an einer großen Steinhütte und an mehreren Köhlerplätzen vorbei. Schließlich wird nach einem steilen Anstieg der Coll de Mancor erreicht, der auch Coll de sa Línia genannt wird. Die Gehzeit von der Lichtung mit dem Verbotsschild für das Campen bis hierher hat rund 20 Minuten betragen.

Am Coll de Mancor stehen zwei Dreikantsteine. Rechts beginnt die Aufstiegsroute zum Puig de Massanella (Schrift „Puig"). Geradeaus verweist die Schrift „Mancor" auf den Abstieg zum Bergdorf Mancor de la Vall. Ein breiter Karrenweg verläuft nun in zahlreichen Spitzkehren durch die bewaldete Talsenke Comellar Bosc Gran sehr steil abwärts. Beim Abstieg gilt die Faustregel, dass man immer auf dem Hauptweg bleibt und den Steinmännchen und roten Punkten folgt. Auf der linken Seite erhebt sich der fast 900 Meter hohe Puig de sa Fita und der felsige Gebirgskamm Sa Carena.

Schließlich wird nach rund einer Stunde nach dem Coll de Mancor die Caseta des Bosc erreicht. Das Häuschen wird heute von Waldarbeitern genutzt. Links von der Caseta verläuft die Route entlang des Torrent des Bosc de Massanella weiter abwärts. Das Bachbett hat in Jahrmillionen eine beeindruckende Schlucht mit Steilwänden und Tropfsteinhöhlen modelliert. Man gelangt bei einer Steinhütte und einem großen Gehege aus Mauern zu einem offenen Eisentor. Auf einem Schild wird darauf hingewiesen, dass die Wanderung auf der Canaleta de Massanella zurzeit nicht möglich ist, nachdem vor einigen Wochen an zwei Stellen das Mauerwerk der Wasserpipeline zusammengebrochen ist.

Von dem Eisentor wandert man geradeaus weiter abwärts und gelangt schließlich zu dem Gutshof Ca´n Bajoca. Die Gehzeit von der Caseta des Bosc bis hierher hat rund 20 Minuten betragen. Ein breiter Flurweg führt dann durch ein Tal mit Olivenbäumen. Nach rund einer Viertelstunde ist ein Tor mit Pforte erreicht. Auch hier befindet sich ein Schild mit dem Hinweis, dass die Wanderung auf der Canaleta de Massanella derzeit nicht möglich ist. Links ist die Auffahrt zu den Cases de Massanella, die nicht betreten werden dürfen. Rechts führt eine Piste nach 100 Metern zu einem verschlossenen Tor, vor dem links abgebogen und dann ein offenes Gattertor passiert wird. Man gelangt gleich zu einem Parkplatz und biegt dort rechts auf die Straße nach Mancor de la Vall ein, die ersten Häuser werden nach rund zehn Minuten erreicht.

Infos:
Wegstrecke: 10 km
Nettogehzeit: 2,5 bis 3 Std.
Höhenunterschied: Aufstieg 250 m, Abstieg 600 m
Schwierigkeitsgrad: leichte Tour
Anfahrt von Palma: Mit dem Bus L 330 vom Busbahnhof an der Plaça d´Espanya über Inca bis zum Coll de sa Batalla. Abfahrt: Mo bis Sa: 10 Uhr, Sonn- und Feiertage: 9.15 Uhr.
Rückfahrt: Von Mancor de la Vall mit dem Bus L 331 nach Inca, Abfahrt: Mo bis Fr: 17.30 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage: 18.02 Uhr. Die Haltestelle in Mancor: In der Straße Rambla Josep Ferrer Ibañez/Ecke Avinguda 2 d´Abril de 1925. Mit dem Zug von Inca nach Palma, Abfahrt: Mo bis Fr: 17.54 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage: 18.24 Uhr.
Tourencharakter: Leichte Wanderung auf Waldwegen und Asphaltpisten. Vom Coll de Mancor verläuft die Route nur abwärts oder eben.
Ausrüstung: Wanderstiefel.
Einkehr: Lokale in Mancor de la Vall.

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