Zur Höhle von Ramon Llull: Lohnender Abstecher zur Abbruchkante

Eine Wanderung bei Valldemossa über zwei Klöster

14-04-2011  
Die Ermita de la Trinitat, im Hintergrund die Marina von Valldemossa und Port des Canonge
Die Ermita de la Trinitat, im Hintergrund die Marina von Valldemossa und Port des Canonge Foto: Roland Otto

ROLAND OTTO Die leichte Wanderung startet rechts an der Bushaltestelle bei dem Restaurant Can Costa. Hier beginnt eine schmale Fahrbahn (Schrift „Ermita" an einer Mauer), die leicht ansteigend in zehn Minuten zu der Ermita de la Santíssima Trinitat führt. Auf dem Vorplatz des Klosters befinden sich unter hohen Steineichen steinerne Sitzbänke und Tische.

Das Kloster wurde 1648 auf den Ruinen eines alten Franziskaner-Klosters von Joan Mir i Vallès gegründet. Der Ordensmann verfasste 1670 zusammen mit dem Rektor der Kartause von Valldemossa das immer noch gültige Regelwerk des Ordens der Heiligen Paulus und Antonius. Seit der Gründung des Klosters leben frailes dieser Kongregation in der Ermita. Mönche von Trinitat haben 1805 die Ermita de Betlem bei Artà mitbegründet. Im September 2010 ist dieses Kloster geschlossen worden. Seitdem leben die drei Bewohner von Betlem in der Ermita de la Trinitat.

Weiter geht es von dem Vorplatz des Klosters durch eine Zaunöffnung bei einem Gattertor und danach wiederum geradeaus (roter Punkt) zu einem 30 Meter entfernten Picknickplatz mit einer Steinsitzbank und einem Tisch. Daneben fällt eine offene Blechtür auf, hinter der Steinstufen in eine kleine Höhle führen. Die Grotte hat den Mönchen früher vielleicht als Kühllager und Vorratskammer gedient.

Die Route verläuft dann oberhalb des Picknickplatzes (roter Punkt und Pfeil) auf dem Camí des Bosc im ständigen Auf und Ab unterhalb der gewaltigen Westwand der Talaia Vella durch einen Steineichenwald. Rund fünf Minuten nach dem Kloster ist bei einem grünen Punkt rechts ein Steinmännchen zu ignorieren.

In der Folge wird ein großer Köhlerplatz mit Hüttenruinen passiert und danach ein safareig, Wassersammelbecken, passiert und eine Trockensteinmauer mit Eingang erreicht. Die Gehzeit von dem Abzweig mit dem grünen Punkt bis hier hat rund fünf Minuten betragen. Die fast quadratische Einfriedung mit ihren über 50 Meter langen Mauerfronten gehört zu der früheren Ermita de Sant Joan. Die verlassene Einsiedelei wird auch Ses Ermites Velles genannt. Es lohnt sich, auf dem Gelände herumzustreifen, um einen Eindruck von der Größe der Anlage zu bekommen. Der Wanderer wird dabei einen Brunnen und zwei Hausruinen entdecken.

Der gesamte Komplex hat fast schon Festungscharakter. Vielleicht haben die beinahe zwei Meter hohen Mauern einst auch als Zufluchtsort vor Piratenüberfällen gedient, die im 16. Jahrhundert in dieser Gegend häufig vorgekommen sind. So waren 1582 an der in der Nähe gelegenen Landspitze la Foradada Korsaren an Land gegangen.

Hinter dem Ausgang von Ses Ermites Velles geht es dann abwärts (Steinmännchen) auf einem breiten Weg weiter zu einem gut erhaltenen Kalkofen und kurz darauf zu einem sehr großen Köhlerplatz und von dort noch einmal rund 200 Meter bis zu einer Wegteilung, bei der die Hauptpiste rechts (roter Pfeil) verlassen wird. Bei einer sofort folgenden Begrenzungsmauer mit Zaun biegt man ebenfalls rechts (roter Punkt) auf eine breite Piste ab. Diese führt dann zu einer Turmruine, bei der links ein Steinmännchen auf einen Waldpfad verweist. Die Gehzeit von der Ermita de Sant Joan bis hier hat rund eine Viertelstunde betragen.

Auf dem Pfad gelangt man nach 250 Metern zu einer Mauer mit Öffnung und dahinter gleich zu der Höhle Cova del Beat Ramon. In die nur wenige Quadratmeter große, niedrige Höhle zog sich der katalanische Gelehrte Ramon Llull zurück, als er in den Jahren 1275 bis 1279 auf dem heutigen Landgut Miramar eine Missionsschule unterhielt. In der Grotte befindet sich ein kleiner Altar mit einem Reliefbild, das Ramon Llull vor der Jungfrau Maria zu Füßen liegend zeigt. Auf der Höhle steht ein zwei Meter hohes Holzkreuz.

Nach der Besichtigung der Cova begibt man sich wieder auf den Hauptweg, biegt dort links ab, passiert 20 Meter weiter eine Mauer mit Lücke (zwei grüne Punkte), gelangt nach einem leichten Aufstieg in fünf Minuten zu einem Sattel und biegt dort rechts ab (Steinmännchen, rote und grüne Markierung). Ein Köhlerpfad schlängelt sich dann in Spitzkehren in zehn Minuten nach oben bis zu einem Sattel, bei dem sich ein gemauerter Mirador befindet. Diese exponierte Aussichtsterrasse hat sich einst Erzherzog Ludwig Salvator errichten lassen. L´Arxiduc konnte von hier auf die Landzunge La Foradada und sein Besitztum Son Marroig blicken.

Weiter geht es auf dem Pfad, der kurz darauf zu einem Zaun führt. Dort wird ein linker Abzweig ignoriert und geradeaus nach wenigen Metern eine offene Pforte durchschritten. Es beginnt nun der Aufstieg durch den Estret de Son Gallard. Der Estret (die Enge) ist ein natürlicher Korridor zwischen den massiven Steilwänden der Cingles de Son Rul·lan und der Talaia Vella. Die Route schraubt sich in Serpentinen und langen Geraden sehr steil nach oben. Nach einem 30-minütigen Aufstieg wird eine Stelle erreicht, von der 50 Meter weiter oben eine Mauer zu sehen ist. Hier lohnt sich rechts (roter Punkt) ein kurzer Abstecher zu einer Abbruchkante, von der eine faszinierende Fernsicht auf Port de Sóller, den Puig de Bàlitx und das wilde Küstengebirge Muntanya de Montcaire möglich ist.

Hinter der Mauer gelangt man dann kurz darauf zum Sattel Coll de Son Gallard mit seiner Sitzbank und wandert hier geradeaus auf einer breiten Piste in einer Viertelstunde hinab zum Pla des Pouet. Dort ist bei einer Zisterne links abzubiegen. Wenig später wird ein Mauerdurchlass erreicht. Nun beginnt auf einer sehr holprigen Piste der steile Abstieg Richtung Valldemossa, wobei man immer auf dem Hauptweg bleibt (Steinmännchen). Nach rund 20 Minuten wird ein Tor auf einer Leiter überstiegen und nach weiteren fünf Minuten das Haus Ca´n Massana erreicht. Von dort gelangt man auf den Straßen C/. de les Oliveres, C/. de Joan Fuster und C/. de Bartomeu Ferrà in fünf Minuten zu einem Parkplatz und dort links zur Bushaltestelle von Valldemossa an der Plaça de Campdevànol.


Wegstrecke

8 km

Nettogehzeit

rund 2 Std. 10 Min.

Höhenunterschied

330 m

Schwierigkeitsgrad
**

Anfahrt von Palma: Vom Busbahnhof an der Plaça d´Espanya mit dem Bus L 210 bis Haltestelle Restaurant Can Costa i Ermita an der Carretera Valldemossa-Deià. Abfahrtszeiten: Palma: Mo - Sa: 9.30 Uhr, So und feiertags: 10.30 Uhr. Rückfahrt von Valldemossa: Mit dem Bus L 210, Haltestelle: Plaça de Campdevànol, Abfahrtszeiten: Mo - Fr, So und feiertags: 15.30 Uhr, Sa: 15.00 Uhr.

Tourencharakter: Leichte und abwechslungsreiche Wanderung auf Waldwegen und Pfaden. Der steile, lange Aufstieg durch den Estret de Son Gallard erfordert aber eine gute Kondition.

Ausrüstung: Wanderstiefel, Sonnenschutz, Wasser.

Einkehr: Lokale in Valldemossa.

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