Auf den Puig de Ferrutx: Von hier sieht man alles

Eine Wanderung bei Artà

05-05-2011  
Geschafft! Auf der Westspitze des Puig de Ferrutx.
Geschafft! Auf der Westspitze des Puig de Ferrutx.  Foto: Roland Otto

ROLAND OTTO Die mittelschwere Wanderung beginnt direkt vor dem Eingangstor der Ermita de Betlem. Hier zweigt links (Steinmännchen) ein Pfad ab, der zunächst eben entlang der Klostermauer und vorbei an den Ruinen Cases de Betlem und dann abwärts zu einem Kiefernwäldchen und zu dem kleinen Bachlauf Torrent de sa Junquera führt.

Blickt man dort links nach oben, sind senkrecht abfallende Steilwände und eine riesige Höhle mit einem großen Gewölbe zu erkennen. Die Grotte wird Cova dels sarraïns (Höhle der Sarazenen) genannt. In dieser und in anderen Höhlen hatten sich viele Mauren nach der christlichen Rückeroberung Mallorcas im Jahr 1229 durch König Jaume I. verschanzt.

Weiter geht es von dem Torrent rechts (Steinmännchen) auf dem steinigen Trampelpfad leicht aufwärts, später eben und dann wieder ansteigend in Richtung von zwei einzeln stehenden hohen Kiefern und zu einem Sattel, von dem der Pfad dann wieder abwärts (Steinmännchen) zu einem wackligen Drahtzaun, der mit zwei Tauen stabilisiert ist, führt. Mithilfe von zwei Steinen kann der Zaun aber problemlos überstiegen werden. Die Gehzeit von der Ermita de Betlem bis hier hat rund 30 Minuten betragen.

Hinter dem Zaun verläuft eine breite Piste hangwärts (Steinmännchen) nach oben. Auf diesem Abschnitt sollte der Wanderer einen Blick zurückwerfen: Hier sind die tief eingeschnittenen Talsenken auf der Halbinsel Ferrutx besonders schön zu sehen, die von den Gipfeln des Mittelgebirges Serra de Llevant, das in dieser Region Serra Artana genannt wird, überragt werden. So sind der höchste Berg der Serra de Llevant, der Puig Morei de Talaia Freda, aber auch die Gipfel Puig den Vermell, Puig de sa Creu, Talaia Moreia und Puig des Porrassar auszumachen.

Bei einer Wegteilung mit einer Steinpyramide und einer roten Markierung wird auf der Hauptpiste geblieben und ein linker Abzweig ignoriert. Die Gehzeit von dem Zaun bis hier hat rund eine Viertelstunde betragen. Eine breite Karrenpiste führt nun in einer langen Steigung aufwärts und verengt sich später zu einem steinigen Trampelpfad, wobei durchgehend vorhandene Steinmännchen die Richtung zeigen. Rund 20 Minuten nach der Wegteilung mit der Steinpyramide wird dann eine markante Felsformation erreicht, die sich unterhalb des Gipfels des Puig d´en Xoroi befindet.

Hier ignoriert man links ein Steinmännchen und wandert geradeaus (Steinmännchen) auf dem Pfad weiter. Bald sind gegenüber der lange Bergrücken und die gewaltigen Steilwände des Puig de Ferrutx zu sehen. Die Piste schlängelt sich dann in einigen Kurven steil absteigend in einen Talkessel und zu dem Sattel Coll d´en Pelat. Die Gehzeit von der Felsformation bis hier hat rund zehn Minuten betragen.

Nun beginnt zunächst über flachem Karst (Steinmännchen) und danach auf einem steinigen Trampelpfad im Zickzack der steile Gipfelaufstieg, wobei zahlreiche Steinmännchen die sicherste und einfachste Route zeigen. Schließlich ist nach einem rund 20-minütigen Aufstieg die geodätische Säule auf dem langen Bergrücken erreicht. Dieser Punkt wird Ferrutxet genannt, rechts ist in rund 300 Meter Entfernung die einige Meter höher gelegene Felsnase des Ferrutx zu sehen.

Von hier oben bietet sich nach Nordosten ein herrlicher Ausblick auf das Meer bei Cala Ratjada und Capdepera. Weiter östlich sind auch das Meer bei Cala Millor und der Punta de n´Amer sowie die Gebirgskette Muntanya de Calicant bei Sant Llorenç des Cardassar auszumachen.

Auch der Klosterberg Randa bei Llucmajor und der Puig de Sant Salvador bei Felanitx sind zu erblicken. Bei klarer Sicht ist sogar die Nachbarinsel Menorca mit seiner Südküste zu erkennen.

Geradezu umwerfend wird das Gipfelerlebnis jedoch, wenn rechts von der Säule auf einem steinigen Pfad und über spitzes Karstgestein (Steinmännchen) in rund zehn Minuten der westliche Felskopf des Puig de Ferrutx erreicht ist. Da dieser Gipfel für Mallorquiner ein magischer Berg ist, herrscht vor allem an Sonn- und Feiertagen hier oben zuweilen dichtes Gedränge.

Auf dem Terrain wurde 1302 für den mallorquinischen König Jaume II. ein riesiges Jagdgebiet eröffnet. Das Revier erstreckte sich von der Possessió Devesa de Ferrutx, die tief unten zu sehen und an dem restaurierten Verteidigungsturm zu erkennen ist, über die Berge der Serra Artana bis hin zum Cap de Ferrutx. Sein Sohn und Nachfolger, König Sanç, hat hier ebenfalls Hirsche, Wildschweine, Fasane, Rebhühner und Hasen gejagt. Ende des 14. Jahrhunderts ging Devesa in Privatbesitz über. Viel später wurde 1880 auf dem Gelände der Possessió die heutige Urbanisation Colònia de Sant Pere gegründet. Seit einigen Jahren ist Devesa de Ferrutx im Besitz des weltbekannten mallorquinischen Malers Miquel Barceló, der dort auch ein Atelier hat.

Der 522 Meter hohe Puig de Ferrutx ist auf Mallorca aber auch ein geografischer Orientierungspunkt, weil er von weit entfernten Teilen der Insel zu sehen ist. So ist die Fernsicht vom Gipfel ebenfalls in entgegengesetzter Richtung fantastisch: Der Blick schweift vom Puig de Galatzó tief im Südwesten über die Mola de Planícia bei Banyalbufar, den Puig de l´ Ofre und Puig de Sa Rateta beim Stausee Cúber, den Penyal Migdia, Puig Major und Puig de Massanella bis hin zum nördlichsten Tausender Mallorcas, den Puig Tomir. Auch die küstennahen Gebirgsketten Serra de Ternelles und Serra de Cornavaques bei Pollença und Cala de Sant Vicenç sind auszumachen. Im Anschluss erhebt sich das wilde Küstengebirge Serra del Cavall Bernat über dem Tal Vall de Bóquer. Der nördlichste Punkt der Insel, das Cap Formentor, ist ebenso wie die Halbinsel La Victòria mit dem Cap Pinar zu erblicken. Tief unten liegt die Bucht von Alcúdia mit der Urlauberhochburg Can Picafort und dem dicht bewaldeten Naturschutzgebiet La Marina de la Canova bei Son Serra de Marina.



Wegstrecke

13,5 km (hin und zurück)

Nettogehzeit

rund 4 Std.

Höhenunterschied

230 m

Schwierigkeitsgrad
***

Anfahrt von Palma: Auf der Ma-15 nach Artà, dort der Beschilderung „Centre", „Parc Natural", „Albarca i es Verger" und „Ermita de Betlem" folgen. Am Ende der Carrer Pou Nou beginnt am Ortsausgang die Landstraße Ma-3333, die zur Ermita de Betlem führt.

Tourencharakter: Mittelschwere Wanderung auf steinigen Trampelpfaden und einigen breiten Pisten. Auf dem Puig de Ferrutx sind Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gefragt. Bei der Länge der Tour ist eine gute Kondition notwendig. Rückweg auf der Hinroute.

Ausrüstung: Wanderstiefel, Sonnenschutz, Wasser.

Einkehr: Lokale in Artà.

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