Von Kirsten Lehmkuhl
Wer in die kleine Bodega Vinya Taujana kommt, dem serviert Joan Crespí Coll erst einmal einen Kaffee. Der Verkaufsraum erinnert mit seinen drei Tischen, der Profi-Kaffeemaschine und dem großen Kühlschrank ein wenig an eine einfache Gaststätte. Wenn da nicht die zwei Stahlfässer wären, aus denen es den Wein direkt vom Fass gibt - Roten und Rosé, beide für 1,80 Euro pro Liter.
6,5 Hektar eigenes Land gehören zu der Kellerei inmitten von Santa Eugènia, die Crespí gemeinsam mit seinem Bruder Sebastià führt. Weitere Trauben werden hinzugekauft. So kommen sie auf eine Jahresproduktion von insgesamt 50.000 Litern.
Die beiden winzern nebenberuflich. Im richtigen Leben nämlich sind sie Polizisten, arbeiten in Palma. Manchmal macht sich Joan Crespí Sorgen um seinen Betrieb, ýdenn Wein will nicht nur gekeltert, sondern vor allem vermarktet sein". Die Konkurrenz unter den mallorquinischen Weingütern wird immer größer, der Durst der Spanier auf Rebensaft immer geringer. ýIn den vergangenen 30 Jahren ist der Weinkonsum pro Kopf in Spanien um 50 Prozent zurückgegangen", sagt Crespí. Was ihn, den Hüter der Gesetze, zwar in gewisser Weise freut. Doch fürs Geschäft ist das nichts.
Immerhin sind da die Deutschen, die sogar von Can Picafort und Son Servera zur Bodega fahren und teilweise einen üppigen Vorrat an Wein in ihre Autos laden, nicht selten 50 oder 60 Liter, vom Fass! ýDas", sagt Crespí, ýreicht dann für einen oder zwei Monate."
Die Crespís füllen ihren Wein zudem in Flaschen ab und bieten einen Crianza aus Mantonegro, Cabernet Sauvignon und Syrah an, der zwischen acht und neun Monaten in Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche gereift ist (5 Euro). Dann gibt es einen rosado auf Mantonegro-Basis (3,50 Euro) und einen Weißwein, der zu 100 Prozent aus der traditionellen Mallorca-Rebsorte Prensal Blanc besteht. Auch bauchige Demijohns, die 16 Liter fassen, sind im Angebot. Sie kommen mit einem dicken, mit Wachs versiegeltem Korken und im gepolsterten Korb daher. Kosten: 60 Euro.
Die Leidenschaft für das Weinmachen liegt Crespí im Blut, schließlich ist es eine Familientradition. In den Häusern seiner Eltern und Großeltern sind noch heute entsprechende Anlagen und Gegenstände vorhanden, steinerne depositos, uralte Glasflaschen und hölzerne Kiepen, die einst auf dem Feld verwendet wurden. Crespí scheint es auch nicht sonderlich zu stören, dass er jeden Tag nach der Arbeit auf dem Feld oder im Keller zu tun und so gut wie keine freie Zeit hat. Wann er dann entspannt? Überrascht guckt der Mann auf - und bleibt die Antwort schuldig. Wie er die Ferien verbringt? ýNatürlich im Betrieb", kommt es diesmal wie aus der Pistole geschossen.
Im vergangenen Jahr hatte er sogar eine Einladung nach Paris für ein paar Tage ausgeschlagen, allerdings sehr zum Unmut seiner Frau. ýWenn man ein Weingut hat, muss man es auch anständig bewirtschaften", sagt der 51-Jährige. Wen das nicht erfülle, solle besser etwas anderes machen. ýFür ihn jedenfalls ist es wie eine Droge", gesteht er. ýEinmal angefangen, kann man nie mehr aufhören."
In so einem kleinen Familienbetrieb wird zudem jeder gebraucht. Etwa wenn in der Zeit von Mai bis Ende Juni per Hand Blätter aus den Weinstöcken geschnitten werden, damit die jungen Reben mehr Sonne und Luft - und weniger Pilzkrankheiten bekommen. Manchmal helfen seine drei Töchter mit, denen er die harte Arbeit auf dem Feld mit ein paar Euro Stundenlohn versüßt. Ob sie allerdings, 15, 18 und 20 Jahre alt, eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters treten und die Tradition fortsetzen werden, ist mehr als ungewiss. ýDie Mittlere studiert Biologie", sagt Crespí. Und es klingt beinahe so, als ob da jemand nach dem rettenden Strohhalm greift.
Vinya Taujana
Balanguera 40, Santa Eugènia
Telefon: 971-14 44 94.
Dienstag bis Samstag 9 bis 13 und 16 bis 20 Uhr. Sonntags 9 bis 13 Uhr. Montags geschlossen.