Roséweine im MZ-Weintest

19.08.2008 | 16:42
Hier ist Konzentration gefragt: Manuel Vogel (links) und Patrick Paulen verkosten ýrosados" aus dem Supermarkt, keiner teurer als 10 Euro.
Hier ist Konzentration gefragt: Manuel Vogel (links) und Patrick Paulen verkosten ýrosados" aus dem Supermarkt, keiner teurer als 10 Euro.

Teil drei des großen MZ-Weintests mit Tropfen aus dem Supermarkt: Dieses Mal haben die beiden Sommeliers Patrick Paulen und Manuel Vogel vom Restaurant Malvasía in Palma sechs spanische Roséweine unter die Lupe genommen.

Nicht ohne Grund: Rosados avancieren derzeit zu regelrechten Modegetränken. Eingekauft wurden sie im El Corte Inglés an den Avenidas in Palma, das für seine gute Weinauswahl bekannt ist. Die Vorgabe: Keine Flasche durfte teurer als 10 Euro sein. Und so wurden rosados im Wert zwischen 2,95 und 7,40 Euro aus verschiedenen Regionen ausgewählt. Einen Tag vor der Verkostung wurden sie auf die richtige Trinktemperatur gebracht – und das bedeutet bei Roséweinen zwischen fünf und acht Grad Celsius. Sie alle wurden hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses bewertet, mit Noten zwischen 1 und 20.

Das überraschende Fazit gleich vorweg: Der günstigste Wein hatte mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis!

Hier die Ergebnisse im Einzelnen.

Castillo de Javier 2005

Der Castillo de Javier von dem Weingut Vinícola Navarra wurde ebenfalls aus Garnacha-Trauben hergestellt. Wie sein Vorgänger trägt auch er die Herkunftsbezeichnung D.O. Navarra. Sein Alkoholgehalt beträgt 13,5 Prozent. Doch dann passiert‘s. Statt des auf dem Etikett vollmundig angekündigten „Rosa-Kirschtons“ entpuppt sich dieser Wein als oxidiert, was an seiner leichten Braunfärbung leicht zu erkennen ist. Der kurze Gegencheck mit der Nase bestätigt: keine Frucht, null Aromen – ungenießbar. Für die Experten ein klarer Fall: Dieser Wein aus dem Jahr 2005 hat längst seinen Zenit überschritten. Denn als Faustregel gilt: Roséweine sollten jung getrunken werden. Das heißt: spätestens nach einem Jahr. „Die spanischen Roséweine sind nicht dazu gemacht, länger gelagert zu werden“, sagt Paulen, „dafür fehlt ihnen die Säure.“ Das bedeutet: Ein solcher Wein hätte gar nicht im Regal stehen dürfen. Auffällig ist auch, dass dieser Wein mit 4,78 Euro deutlich günstiger angeboten wird als sonst. Sollten hier zu einem Sonderpreis die Restposten unter die Kunden gebracht werden?

Marqués de Riscal 2007

Der Marqués de Riscal stammt aus der Rioja – aus der Kellerei Herederos del Marqués de Riscal, ein alteingesessenes, renommiertes Weingut, dessen Besitzer erst vor kurzem eine supermoderne Bodega von dem nordamerikanischen Stararchitekten Frank O. Gehry bauen ließen. Unser Wein aus Tempranillo-Trauben trägt die Herkunftsbezeichnung D.O. Rioja. Sein Alkoholgehalt: 13,5 Prozent. Allerdings findet man die Jahrgangsangabe nur mit Mühe auf dem hinteren Etikett. Sie ist winzig klein, dabei ist gerade sie ein wichtiges Kaufkriterium. Die Farbe: ein lebendiges, brillantes, vielleicht etwas zu intensives Himbeerrot. In der Nase ist er sehr dezent mit vegetalen Aromen, also einem leicht pflanzlichen Bitterton, ohne Frucht. Im Gaumen ist er „relativ streng, fast aggressiv“ und zeigt auch hier „keine Frucht“, was ein Hinweis auf eine zu frühe Lese ist – zu einem Zeitpunkt also, als die Trauben noch nicht voll ausgereift waren. Der Abgang ist kurz und leicht bitter. Obwohl die Bodega einen ausgezeichneten Namen hat: Dieser Wein hat „keinen Charakter, nichts, was ihn auszeichnet“.

La Rosa 2007

La Rosa stammt aus der Bodega Raventós i Blanc, einem Weingut im Penedès, das zur großen Cordoníu-Familie gehört, die wiederum bekannt ist für die Herstellung guter cavas. Der Wein trägt das Siegel der D.O. Penedès. Produziert aus Merlot-Trauben, hat er einen Alkoholgehalt von 12,5 Prozent. Auch er weist eine sehr satte rote Farbe auf, so intensiv, dass man ihn schon fast gar nicht mehr zu einem Roséwein zählen mag. In der Nase ist kein klares Fruchtaroma zu erkennen, sondern eher das einer Bonbon-Mischung. Auch im Gaumen taucht diese Bonbon-Note auf. Dennoch: Der Wein ist rund, weich, hat keinen Defekt. Nur im Abgang ist er „sofort weg, nichts bleibt zurück“.

„e“ Binigrau 2007

Bei diesem Wein handelt es sich um einen Tropfen aus ökologischem Anbau aus der mallorquinischen Bodega Binigrau in Biniali. Er wurde hergestellt aus den traditionellen Insel-Rebsorten Mantonegro und Callet. Seine Farbe: ein leichtes Himbeerrot. In der Nase ist er überaus angenehm, er riecht wie ein Früchtekorb, u.a. nach Himbeeren. Im Hintergrund spürt man den Callet. Er sorgt mit seinen vegetalen Noten für Frische. Im Gaumen ist er weich, hat Volumen und eine angenehme Säure. Auch hier sind Himbeer- und vegetale Noten zu erkennen. Trotz des hohen Alkoholgehalts von 14,5 Prozent ist er weder aggressiv im Gaumen, noch schmeckt er „spritig“. Er hat von allen getesteten Weinen den längsten und darüber hinaus „sehr angenehmen“ Abgang. Der „e“ stammt aus ökologischem Anbau. Das ist insofern besonders hervorzuheben, da für den Weinbau schließlich felderweise Monokulturen angelegt werden. Jede Initiative, die die Erde durch chemische Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel weniger auslaugt, ist positiv zu bewerten, da der Anbau dort mit viel größerem Aufwand verbunden ist.

Enate 2007

Der Enate mit der Herkunftsbezeichnung D.O. Somontano wurde in der Bodega Viñedos y Crianzas del Alto Aragón gekeltert. Alkoholgehalt: 13 Prozent. Er besteht zu 100 Prozent aus Cabernet Sauvignon, einer typischen Rotweinsorte, die gänzlich untypisch für rosados ist. Der Wein kommt in einem frischen Himbeerton daher. Obwohl sein Etikett in der Nase rote Früchte verheißt, enttäuscht er in der Nase: keine Fruchtaromen. Dafür riecht man sogenannte balsamische Noten, Gewürznoten, die aber nicht klar zu definieren sind. Im Gaumen zeigt er Anklänge an grüne Paprika. Da er leicht bitter, aggressiv und pelzig auf der Zunge ist, könnten auch seine Trauben zu früh gelesen worden sein. Dieser Wein hat die „Strenge eines Cabernet Sauvignon“, ist also kein leichter Tropfen, wie ein rosado sein sollte. Im Abgang ist er bitter.

Señorío de Sarría 2007

Der Señorío de Sarría 2007 stammt aus der Bodega De Sarría, er trägt die Herkunftsbezeichnung Denominación de Origen (D.O.) Navarra. Er wurde zu 100 Prozent aus Garnacha-Trauben gekeltert, einer für Spanien typischen Rosé-Rebsorte. Alkoholgehalt: 13,5 Prozent. Farbe: ein leichter Himbeer-Ton. Die spanischen Roséweine sind übrigens generell von der Färbung viel intensiver als die französischen oder deutschen Rosés mit ihren Lachs- und „Zwiebelhaut“-Tönen. In der Nase zeigt sich der Señorío de Sarría sauber, nichts stört. Dabei ist ein klares, wenn auch „nicht allzu intensives“ Himbeer-Aroma auszumachen. Im Gaumen spürt man eine leichte Säure, die Frische gibt. Sauber im Abgang hinterlässt der Wein ebenfalls ein Himbeer-Aroma. Resultat: Ein ordentlich gemachter Wein, ein wenig arm an Aromen, aber für den Preis wirklich gut

Señorío de Sarría 2007 – 2,95 Euro (15 Punkte)

Das hatte bei dieser Konkurrenz niemand erwartet: Der Señorío de Sarría, der mit Abstand günstigste Wein, ist Testsieger! Das heißt, er weist das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf. Ein einfacher, gut gemachter Wein, den man ruhig richtig kühl trinken sollte, bei einer Temperatur von 5 bis 6 Grad Celsius.

„e“ Binigrau 2007 – 6,95 Euro (13 Punkte)

Auf Platz zwei ist der einzige mallorquinische Wein gelandet: Das „e“ steht für ecològic. Der Wein wurde aus ökologisch angebauten Rebsorten gewonnen, den traditionellen Mallorca-Sorten Callet und Mantonegro. Der Tropfen riecht wie ein „Früchtekorb“, ist weich, hat dabei Volumen und eine angenehme Säure.

La Rosa 2007 – 6,90 Euro (10 Punkte)

La Rosa kommt in einem sehr intensiven Rot-Ton daher. Doch gibt es in Spanien – anders als etwa in Frankreich – für diese kräftigen rosados einen Markt. Der Wein ist rund, weich, bleibt aber nur kurz im Gaumen und hat so gut wie keinen Abgang. Und dass, obwohl er in einer sehr renommierten Bodega gekeltert wird.

Enate 2007 – 7,40 Euro (7 Punkte)

Der teuerste Wein dieser Verkostung landete beim Preis-Leistungs-Vergleich auf Platz vier. Die Cabernet-Sauvignon-Trauben, die für ihn verwendet wurden, wurden offenbar zu früh gelesen, so dass der Wein bitter, sehr dominant und aggressiv im Gaumen ist. Dabei muss ein Sommerwein wie ein Rosé „leicht und flockig“ daherkommen.

Marqués de Riscal 2007 – 5,25 Euro (6 Punkte)

Auch der Marqués de Riscal aus der Vorzeigebodega Herederos del Marqués de Riscal in der Rioja schneidet nicht sehr gut ab. In der Nase fehlen ihm die Fruchtaromen und die Frische, im Gaumen ist er relativ streng, fast aggressiv, im Abgang bitter. Das bedeutet auch: Nicht immer kann man dem guten Namen eines Weinguts blind vertrauen.

Castillo de Javier 2005 – 4,78 Euro (1 Punkt)

Dieser Wein wird erst gar nicht in den Mund genommen. Seine leicht bräunliche Tönung weist schon darauf hin, dass der Wein oxidiert ist. Der Geruchstest bestätigt: ungenießbar. Der Wein ist aus dem Jahr 2005, für einen Rosé, der jung getrunken werden muss, zu alt. Rosés sind Konsumweine, die nicht älter als ein Jahr sein sollten.

Noten für die Weine (Preis-Leistungs-Verhältnis):

1 - 4 Punkte: fehlerhafter Wein

5 - 9 Punkte: nicht zu empfehlen

10 - 15 Punkte: empfehlenswert

16 - 20 Punkte: sehr zu empfehlen

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