MZ-Weinprobe: Supermarkt-Weine aus Rías Baixas – keiner teurer als zehn Euro

16.10.2008 | 16:50
Professionelle Verkostung: Die Sommeliers Patrick Paulen (li.) und Manuel Vogel testen Albariño-Tropfen.
Professionelle Verkostung: Die Sommeliers Patrick Paulen (li.) und Manuel Vogel testen Albariño-Tropfen.

DAS ANBAUGEBIET

Rías baixas – Galicien

Die Weißweine aus Galicien – und damit auch aus der Denominación de Origen Rías Baixas – werden häufig aus der Albariño-Traube hergestellt. Sie gilt, wie auch der Riesling, als eine der aromareichsten Weißwein-Rebsorten, aus der intensive, vollmundige Tropfen gekeltert werden. Sie zeichnet sich durch starke Fruchtnoten aus, wobei besonders Pfirsich- und Aprikosenaromen eine Rolle spielen. Zudem haben Weine auf Basis dieser Rebsorte meist eine angenehme Säure, die für Frische sorgt. Albariño-Weine können zwei, drei Jahre gelagert werden. Gute Albariños sollten mit einer Temperatur von zehn bis zwölf Grad Celsius serviert werden. Nicht ganz so gute kühlen Sie zwei Grad mehr herunter, um kleine Unzulänglichkeiten zu „verdecken“.

Beim großen Weintest der Mallorca Zeitung nahmen dieses Mal die Sommeliers Patrick Paulen und Manuel Vogel vom Restaurant Malvasía in Palma Weißweine mit der Herkunftsbezeichnung Rías Baixas in Galicien unter die Lupe. Die Weine wurden im Supermarkt gekauft, keiner kostete mehr als zehn Euro. Die Tropfen – zwei stammen von Mercadona, vier von Carrefour – werden hinsichtlich ihres Preis-Leistungs-Verhältnisses bewertet, erhalten Noten zwischen 1 und 20. Dabei gelten Weine, die nicht über vier Punkte hinauskommen, als fehlerhaft in der Herstellung, Weine bis neun Punkte sind nicht zu empfehlen. Tropfen, die zwischen zehn und 15 Punkte erhalten, sind empfehlenswert. Ab 16 Punkte heißt es: sehr zu empfehlen.

Bei dieser Verkostung sorgte eines der Testobjekte für eine handfeste Überraschung. So schnitt der günstigste Wein – Pazo da Marteleira für 3,99 Euro – als Zweitbester ab! Man sieht: Was teuer ist, muss nicht immer gut sein. Oder umgekehrt: Auch vergleichsweise günstige Weine haben durchaus ihren Charme.

Pazo da Marteleira 2007

Den Auftakt bei der Verkostung macht der Pazo de Marteleira Jahrgang 2007 aus der gleichnamigen Bodega. Rebsorte: Albariño. Alkoholgehalt: 12,5 Prozent. Im Glas zeigt er sich mit einem hellen sauberen Gelb. In der Nase: Das Aroma ist sauber mit schöner leichter Fruchtnote. Zudem sind vegetabile Anklänge auszumachen, also „pflanzliche“ Noten, hier Anklänge an Gras. Im Hintergrund Zitrusschalen-Aromen, die Frische geben. Im Gaumen ist er für einen Albariño relativ leicht, dabei aber ausgewogen. Im Abgang kurz, so dass fast nichts zurückbleibt. Dennoch: ein einfacher, ehrlicher Tropfen zu einem sehr guten Preis.

Miudiño 2007

Als zweites kommt der Miudiño 2007 ins Glas, der von dem Weingut Vinos & Bodegas Gallegas stammt. Sein Alkoholgehalt beträgt 12 Prozent. Rebsorte: Albariño. Farbe: Gelb mit leichtem Grünschimmer. In der Nase erweist er sich als Chamäleon, wechselt sehr schnell die Aromen. „Ich habe jetzt dreimal am Glas gerochen – und rieche jedes Mal etwas anderes, das darf nicht sein“, sagt Patrick Paulen. Der Wein ist nicht stabil, die Aromen zu flüchtig. Im Gaumen ist er nicht besser. Er schmeckt leicht alkoholisch – und das bei zwölf Prozent. Das bedeutet: Der Alkohol ist nicht integriert. Auch im Abgang zeigt er sich unangenehm alkoholisch. Erstaunlicherweise wurde dieser Wein beim diesjährigen Madrider Weinsalon Bacchus mit einer Silbermedaille ausgezeichnet. Nicht nachzuvollziehen, sagen unsere Sommeliers.

Pazo de Villarei 2007

Der Pazo de Villarei stammt aus der gleichnamigen Bodega, wurde aus Albariño-Trauben produziert und hat einen Alkoholgehalt von 12,5 Prozent. Farbe: Er zeigt ein etwas satteres Gelb als seine Vorgänger. Der erste Eindruck in der Nase: unangenehm, weil er an verbranntes Gras denken lässt. Dann kommt etwas Frucht, die allerdings sofort wieder verschwindet. Im Gaumen entfaltet sich eine „überzogene Säure“, die die ohnehin wenigen Aromen komplett überdeckt. Auch im Abgang: total übersäuert. Ganz offensichtlich wurden für diesen Wein die Trauben unreif geerntet.

Bouza do Rei 2007

Der Wein aus der Bodega Bouza do Rei verspricht einiges, stammen die Albariño-Trauben doch aus einem sehr genau definierten Gebiet der D.O. Rías Baixas, nämlich dem Val del Salnés. Seine Farbe: ein intensives Gelb mit leichten grünlichen Reflexen. In der Nase zeigt er sich als echter Albariño, allerdings könnten die für ihn typischen Pfirsich- und Aprikosennoten intensiver sein. Auch im Gaumen sind nur leichte Fruchtnoten auszumachen, es fehlt an Komplexität, Reife, an Säure und damit an Frische. Man hätte mehr erwartet.

Santeiro 2006

Der Santeiro stammt aus der sehr renommierten spanischen Bodega Pazo de Señoráns, die mit die besten Albariño-Weine produziert. Der Wein, Jahrgang 2006, hat einen Alkoholgehalt von 12,5 Prozent. Farbe: Hellgelb. Doch schon in der Nase verheißt er nichts Gutes. „Der Wein ist leicht oxidiert“, sagt Manuel Vogel. „Einen Albariño, der keine zwei Jahre überlebt, kann man vergessen, da er normalerweise zwei Jahre braucht, um aromatische Komplexität zu entwickeln und die Säure zu integrieren.“ Im Gaumen ist der Santeiro flach, „tot“. Im Abgang: nichts. Hier handelt es sich um eine Abfüllung für die Supermarktkette Carrefour, für die offenbar minderwertiges Traubengut verwendet wurde.

Rías Baixas-Carrefour 2006

Dieser Wein, ebenfalls hergestellt für Carrefour, stammt aus dem Jahr 2006. Er wurde – im Gegensatz zu den Vorgängern – im Fass ausgebaut, enthält die Rebsorten Albariño (85 Prozent), Treixadura (10 Prozent), Loureiro (5 Prozent). Alkoholgehalt: 13 Prozent. Er wird von dem sehr bekannten Weingut Adegas Galegas gekeltert. Die Farbe: ein sattes Gelb mit leichtem Grün-Reflex. In der Nase ist das Fass sehr präsent, dazu Vanille-, Zitronen-, leichte Aprikosen- und Pfirsichnoten. Im Gaumen ist er komplex, mit Fruchtnoten und leichten Tanninen. Ein gut gemachter Wein mit viel Kraft, intensiver Aromatik – und lang anhaltendem Abgang. Allerdings sticht insgesamt das Holz noch zu sehr hervor, der Wein könnte gut noch ein Jahr liegen. Dennoch: Tropfen dieser Qualität sind normalerweise nicht unter 17 Euro zu haben.

Noten für die Weine (Preis-Leistungs-Verhältnis):

1-4 Punkte: fehlerhafter Wein

5-9 Punkte: nicht zu empfehlen

10-15 Punkte: empfehlenswert

16-20 Punkte: sehr zu empfehlen

Rías Baixas 2006 – Carrefour – 9,45 Euro - Note 14

Zwar ist das Carrefour-Etikett kein Hingucker, doch handelt es sich hier um einen interessanten Wein, der zu empfehlen ist. Er stammt von dem berühmten Weingut Adegas Galegas. Offenbar wurden für die Supermarkt-Edition die gleichen Trauben benutzt, die sonst für den renommierten, wesentlich teureren Tropfen Veigadares verwendet werden. Mit anderen Worten: Der Kauf dieses Weines ist ein guter Coup.

Pazo da Marteleira 2007 – 3,99 Euro - Note 12

Er sorgte für die Überraschung der Verkostung: Der günstigste Wein der Runde landete auf Platz zwei. Auch wenn er für einen Albariño relativ leicht ist, hält er mit seinen schönen Fruchtnoten im Gaumen, was er in der Nase bereits verspricht. Es ist ein absolut korrekter Tropfen mit stabiler Säure, der sich zum Beispiel sehr gut als Aperitifwein eignet.

Bouza do Rei 2007 – 8,50 Euro - Note 9

Der Wein enttäuscht. Denn er wird aus Albariño-Trauben aus einem sehr begrenzten Gebiet gekeltert, was ihm einen besonderen Charakter, besondere Qualität verleihen könnte. Zwar weist er die typischen Pfirsich- und Aprikosenaromen auf, doch fehlt es ihm an Gleichgewicht. Für eine höhere Bewertung hat er bei dem Preis zu wenig Frucht, zu wenig Säure, zu wenig Frische. Kurzum: Es ist nicht komplex genug.

Miudiño 2007 – 4,90 Euro - Note 7

Verheißungsvoll klebt die Silbermedaille am Flaschenhals, die dem Wein 2008 beim Madrider Weinsalon Bacchus verliehen wurde. Doch zeigt der Tropfen keine klaren Aromen, wirkt in der Nase sogar vulgär. Im Gaumen ist er ausdruckslos, schmeckt sogar leicht nach völlig überreiften Früchten. Der Alkohol sticht zu stark hervor.

Pazo de Villarei 2007 – 4,99 Euro - Note 4

Dieser Tropfen ist „von der Nase bis zum Abgang“ übersäuert. Offenbar wurden die Trauben zu früh und damit unreif geerntet. Die Säure ist so präsent, dass auch noch die ohnehin mageren Fruchtaromen komplett überlagert werden. Schon nach dem ersten Geruchstest verspürt man keine Lust mehr, den Wein zu trinken, weil er einfach „grauselig“ ist.

Santeiro 2006 – 6,70 Euro - Note 3

Ein Wein aus einer spanischen Bodega mit bestem Ruf – und dann die Enttäuschung. Der Santeiro, gerade mal zwei Jahre alt, ist „alt“, oxidiert. Er „hat im Glas nichts mehr zu suchen“, ist allenfalls noch zum Kochen zu verwenden. Denn: Er hat keine Frucht, keine Frische, ist im Gaumen flach, im Abgang sofort weg. Dass er für Carrefour abgefüllt wurde, steht nur klein auf dem Rücketikett.

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