Billige Hotels auf Mallorca: Da bleibt man auch mal länger

Im Winter bieten viele Hotels auf der Insel die Übernachtung mit Halbpension für weniger als 20 Euro an. Die MZ hat sich die Häuser einmal aus der Nähe angeschaut

11-05-2011  
Günstig: Die Hotels Playa Blanca (l.) und Caballero
Günstig: Die Hotels Playa Blanca (l.) und Caballero Foto: Krayer

Der Preis sticht förmlich ins Auge: Halbpension für 19 Euro am Tag. Wer jetzt durchs Internet surft, findet auf diversen Portalen eine ganze Reihe solcher Angebote von Hotels auf Mallorca. Doch was steckt dahinter? Die MZ hat die Probe aufs Exempel gemacht und die fünf günstigsten der angebotenen Häuser aufgesucht. Alle angegebenen Preise gelten für den Zeitraum zwischen dem 19. und 26. Februar und schließen Übernachtung und Halbpension mit ein.

Unschlagbar billig ist das Hotel „Playa Blanca" in S´Illot an der Ostküste der Insel zwischen Cala Millor und Porto Cristo. 98 Euro pro Person für eine Woche – darunter geht ansonsten niemand. Der kleine Küstenort besteht hauptsächlich aus Hotels und wirkt zurzeit regelrecht ausgestorben. Das „Playa Blanca" ist von außen nichtssagend. Ein Zimmer kann man an diesem Tag nicht besichtigen. „Leider geht das heute nicht, denn die Chefin ist erst morgen wieder da", sagt die Rezeptionistin. Sie drückt dem Besucher ein Infoblatt mit den Tarifen des Hotels in die Hand. Wer die Preise bisher für einen Scherz gehalten hatte, hat es spätestens jetzt schwarz auf weiß. Vom 16. Oktober bis zum 15. März kostet das Zimmer mit Frühstück 14 Euro, mit Halbpension sind es nur 3 Euro mehr. „Lohnt sich das denn für das Hotel?", lautet die Frage an die Angestellte. „Ja, weniger als 80 Personen sind hier nie."

Auffällig ist, dass viele Gäste mehrere Monate gebucht haben. „Zum Beispiel ist am 31. Oktober 2010 ein Gast gekommen, der bis 1. August 2011 im Hotel wohnt. „Viele bleiben Wochen oder Monate." Und dann lobt sie ausführlich das gute Essen. „Schauen Sie, wir hatten in der vergangenen Woche mehrere Gruppen mit bis zu 100 Personen, die nur zum Essen da waren. Wenn das nicht gut wäre, würden die doch nicht kommen."

Da betritt eine kleine Gruppe Deutscher mittleren Alters das Hotel und beginnt sofort eine fröhliche Konversation mit Händen und Füßen. Die Angestellte versteht zwar nichts, aber beide Seiten haben ihren Spaß. Unzufriedene Gäste sehen anders aus.

Das nächste Ziel ist das Hotel „Caballero" an der Playa de Palma. Ein großer Klotz, der sich nahtlos in die Umgebung einfügt. Das Haus ist allerdings noch geschlossen. Hier gibt es die Übernachtung mit Halbpension Ende Februar für 18 Euro pro Tag und Person. Einen
heruntergekommenen Eindruck macht das Hotel von außen nicht.

Im Hotel „Anfora" in Can Pastilla kostet die Nacht mit Halbpension 19,40 Euro pro Person. Direkt an der Strandpromenade gelegen, gibt es ein einfaches, aber ordentliches Bild ab. Die Dame an der Rezeption händigt dem Besucher problemlos einen Schlüssel für ein Zimmer aus. An der Treppe nach oben wird es aber ein wenig unappetitlich. An den Stufen hat sich bräunlicher Dreck abgesetzt. Hier scheint etwas ausgelaufen zu sein. Und die Wand hinter dem Treppengeländer könnte auch mal wieder einen Anstrich vertragen. Das Zimmer selbst, wäre es kein Raucherzimmer, ist annehmbar. Die Betten sind sauber, das Bad auch. Ein Fernseher ist vorhanden und ein Balkon mit Meerblick. Die Wände zum Nebenzimmer sind auffällig dünn. Aber für knapp 20 Euro darf man sich darüber wohl nicht beschweren.

Für den Preis geht es trotzdem schöner, wie das Hotel „Alexandra" wenige Meter weiter beweist. Ein formidabler Bau mit großem Foyer. Auch hier bekommt man die Chipkarte für eines der Zimmer. Der Raum ist sauber, nichts wirkt alt oder heruntergekommen. Der Balkon eröffnet den Blick auf den großen Pool und das Meer. Auch das Bad erfüllt seinen Zweck, ist aber etwas klein. Auch hier kostet eine Übernachtung mit Halbpension Ende Februar 19,40 Euro.

Der Höhepunkt erwartet uns aber in Santa Ponça. Dort kostet die Nacht mit Halbpension im Hotel „Punta del Mar" zwar „immerhin" 20,57 Euro, aber das Haus liegt traumhaft auf einer Felsklippe über der Bucht von Santa Ponça. Die Zimmer sind geräumig und sauber. Beeindruckend sind die großen Terrassen über der Bucht, die jedes Zimmer besitzt. Da ist es auch zu verschmerzen, dass die Benutzung des Fernsehers
2 Euro Aufpreis pro Tag kostet. Im Foyer, das einen noch schöneren Blick aufs Meer bietet, erzählen deutsche Urlauber vom guten Essen. Jeden Abend gebe es ein Buffet mit großer Salatbar, jeweils mehreren Sorten Fisch, Fleisch und Beilagen und sechs bis sieben verschiedenen Desserts.

Fazit der Tour: Die Angebote im Internet sind allesamt real, die Hotels existieren und sind zum großen Teil in einem guten Zustand. Aber die Frage stellt sich wieder: Wie können die Hoteliers solche Schnäppchen anbieten? Marilén Pol, die Vorsitzende des mallorquinischen Hoteliersverbandes, bedauert solche Offerten, weil sie die Preise auf Mallorca generell drücken. „Außerdem locken solche Angebote ein ganz bestimmtes Publikum an." Pol nimmt die Kollegen aber auch in Schutz. „Sie können nicht einfach im Winter ein paar Monate schließen, wenn Sie einen festen Stamm von Angestellten haben. Es geht darum, mit solchen Angeboten den Verlust möglichst gering zu halten." Verdienen ließe sich mit diesen Schnäppchen natürlich nichts.

  MZ-Fotowettbewerb: Aktiv auf der Insel

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