Erwachsenen-Hotels auf Mallorca: Kinder müssen draußen bleiben

Die Kette Barceló schließt sich dem Trend an und öffnet auf der Insel ihr erstes „Adults only"-Hotel. „Die Nachfrage will das so", sagen die Hoteliers. Familienhotels gebe es ja schließlich mehr als genug

17-02-2011  
Derartige Schilder werden in etlichen Hotels mittlerweile nicht mehr benötigt
Derartige Schilder werden in etlichen Hotels mittlerweile nicht mehr benötigt Foto: Bendgens

HOLGER WEBER Michael Cleawer mag eigentlich Kinder. Im Privatleben. Doch wenn es ums Geschäft geht, bleibt der Hoteldirektor streng. In seinem Hotel ist der Nachwuchs in der kommenden Saison unerwünscht. Nicht mal zum Restaurant sollen die Kleinen Zugang bekommen. Der Brite leitet seit einem Jahr das Hotel „Albatros" in Illetes, das zum 1. April als erstes Haus der mallorquinischen Hotelkette Barceló mit dem Konzept „Adults only" eröffnet wird. Die vier anderen Barceló-Hotels auf Mallorca bleiben Familienhotels.

Die Zielgruppe besteht aus Ruhe suchenden Geschäftsleuten, Eltern, die sich eine Pause von ihren Kindern gönnen wollen, oder eben Singles und kinderlosen Paaren. Auch Kongresse und Tagungen sollen künftig in Illetes veranstaltet werden. Da passen um Eis bettelnde Kleinkinder nicht mehr ins Bild. „Wenn wir da Ausnahmen machen, funktioniert das ganze Konzept nicht", sagt Cleawer bestimmt.

„Adults only" ist nicht neu im immer differenzierter werdenden Hotelangebot auf Mallorca. Aber es ist immer stärker im Kommen. Die Hoteliers wollen dafür nicht wirklich verantwortlich sein, sie bedienten nur die Nachfrage, sagen sie übereinstimmend. Als ob das Angebot nicht auch Nachfrage schaffen würde.

Erstmals für Furore sorgte das Konzept bereits vor drei Jahren, als der auf Mallorca lebende deutsche Rockstar Peter Maffay auf der Suche nach einem Hotelzimmer für einen Freund der Familie in Alcúdia brüsk des Hauses verwiesen wurde. Maffay war nicht allein gekommen, sondern in Begleitung seines damals vierjährigen Sohnes. Der Vorfall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen und wirkte sich auch auf das Image der Insel nicht eben positiv aus. Zumal Maffay und seine Tabaluga-Stiftung in der Nähe von Pollença ein Heim für traumatisierte Kinder betreiben und regelmäßig Kinder aus Deutschland auf die Insel einladen.

Das Hotelpersonal habe in diesem Fall sicherlich unglücklich reagiert, meint Toni Fuster, der Sprecher der mallorquinischen Hoteliersvereinigung. Doch auch er verteidigt das Konzept des Erwachsenen-Hotels. Sorge um das Image Mallorcas als Familieninsel hegt man trotz der steigenden Zahl von „Adults only"-Angeboten nicht. Noch sei es ein Nischenprodukt. „Unserem Verband gehören auf Mallorca mehr als 1.100 Häuser an. Das Label ´Adults only´ gilt nur für einen Bruchteil davon", sagt Fuster. Mallorcas Stärke sei eben die Vielfalt des Hotelangebots. Dazu gehörten auch Erwachsenen-Hotels. „Bei uns findet jeder das, was er sucht."

Auch die großen deutschen Reiseveranstalter bauen ihr Angebot weiter aus. Zwar hat die Tui als größter Anbieter kein eigenes Signet für Erwachsenen-Hotels. Doch in den Katalogen sind die Häuser entsprechend gekennzeichnet (siehe auch Kasten). Ermäßigung für Kinder oder ein Animationsprogramm für die Kleinen gibt es dort beispielsweise nicht. Im Frühjahr eröffnet Tui ein Haus der Marke „Sensimar" in Alcúdia, die mit ihrem Angebot auf die eingangs beschriebenen Bedürfnisse kinderloser Gäste abgestimmt ist.

Auch der Konkurrent Thomas Cook hat auf demografischen Wandel und die veränderten Urlaubswünsche reagiert und in den vergangenen Jahren sein „Adults only"-Angebot auf sechs Häuser ausgebaut. Produktmanager Thomas Kaupert: „Ich habe selbst zwei Kinder, aber manchmal möchte man auch einmal abschalten."

Die meisten Häuser bietet die Rewe-Gruppe, die unter ihrer Veranstaltermarke Jahn-Reisen insgesamt zehn Hotels mit dem Label „Adults only" versehen hat – der Nachfrage entsprechend, sagt auch hier Manuel Morales, der bei dem Unternehmen für den internationalen Hoteleinkauf zuständig ist.

In der Printausgabe vom 17. Februar (Nummer 563) lesen Sie außerdem:
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