12. März 2009
12.03.2009

Preiskampf mit Häkchen: Billigflieger müssen durch Flaute steuern

27.02.2009 | 13:35

Ans Mittelmeer für 21,99 Euro, 20 Ziele ab 20 Euro oder eine Million Flüge zu fünf Euro: In der Werbung locken die Billigflieger weiter mit spektakulären Schnäppchen. Doch nach Jahren des Booms steuern jetzt auch die erfolgsverwöhnten Senkrechtstarter in eine Flaute. Billigeres Kerosin bringt zwar Entlastung. Wegen der Wirtschaftskrise rechnen Flughäfen und Airlines für 2009 jedoch mit einem schrumpfenden Markt in Deutschland, was den Kampf um sparsame Reisende verschärft. Neben den reinen Tickettarifen suchen die selbst ernannten Preisbrecher denn auch nach weiteren Einnahmequellen - für Kunden teils zu undurchsichtig, wie Verbraucherschützer monieren.

"Günstiges Fliegen ist nach wie vor möglich, einige Anbieter tricksen jedoch immer noch bei der Preisangabe", konstatierte die Stiftung Warentest am Donnerstag nach einer Untersuchung bei zehn Fluggesellschaften. Beim Buchen im Internet seien kostenpflichtige Zusatzangebote etwa für Versicherungen oder bevorzugtes Einsteigen in die Maschine weiterhin oft voreingestellt - wer sich das Geld sparen will, muss erst ein Häkchen entfernen. Dadurch locke ein günstiger Preis, der beim Buchen oft noch in die Höhe schnelle. Quittung der Tester: die Tiefstnote "mangelhaft" bei der Preistransparenz für die Marktführer Ryanair und Easyjet sowie Germanwings und Condor.

Dabei gilt bereits seit November eine Verordnung der Europäischen Union, die für die Online-Portale Klarheit mit Endpreisen inklusive Steuern und Abgaben verlangt. Die EU-Kommission hat den Airlines aber noch eine Schonfrist eingeräumt und will frühestens von Mai an rechtlich gegen irreführende Preisangaben einschreiten. Die Verbraucherzentralen verschickten indes schon Abmahnungen - mit erstem Erfolg, wie ihr Bundesverband zu Jahresbeginn mitteilte: TUIfly habe die Internetseiten inzwischen geändert, Condor nach eigenen Angaben ebenfalls, Easyjet wolle bis März folgen.

Dass sie Reisende bei der Stange halten, ist für die Billigflieger in der Flaute besonders wichtig. Andererseits zählen finanzielle Polster mehr denn je, um im Verdrängungskampf nicht ins Trudeln zu geraten. Denn wie die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) analysierte, drückt die allgemeine Nachfrageschwäche auf die Tarife und zwingt manche Fluggesellschaft dazu, ihr Netz zu reduzieren. So startete die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin mit gedrosselter Kapazität ins Jahr und verbesserte im Januar mit weniger Gästen die Auslastung und die Erlöse pro Sitzplatz. Auch TUIfly hat die Flotte reduziert, Easyjet erhöhte dagegen im Januar sowohl Reisendenzahl als auch Auslastung.

An den deutschen Flughäfen sei nach dem Rekord von 186 Millionen Passagieren 2008 in diesem Jahr mit einem Minus von etwa drei Prozent zu rechnen, erwartet die ADV. Entscheidend für Billigflieger dürfte dabei auch sein, ob sie etablierten Airlines preisbewusste Passagiere abwerben können. Gerade Phasen der Rezession seien gute Zeiten, um zu expandieren, meinte Michael O'Leary, Boss des größten Billigfliegers Ryanair, im Herbst. Doch Air France, Lufthansa und Co. sind auf der Hut. Erstmals hätten Europas Billigflieger Marktanteile verloren, ergab eine Studie für die anstehende Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin. Von Januar bis August 2008 entfielen auf sie demnach noch 36 Prozent aller Flugreisen, nachdem die Zahl der Reisen um ein Prozent zurückgegangen war. Bei den klassischen Gesellschaften stieg die Zahl der Reisen um drei Prozent und ihr Marktanteil legte damit auf 64 Prozent zu.

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