20. August 2009
20.08.2009

Schweizer Ski-Elite trainiert auf Mallorca

27.05.2009 | 16:20
Cornel Züger (li.) mit den Weltmeistern Daniel Albrecht und Carlo Janka (re.).

Extreme Geschwindigkeiten und schlimme Stürze – zum alpinen Abfahrtslauf gehört viel Mut. Kaum einer weiß das besser als Daniel Albrecht, der Allround-Fahrer und Kombinations-Weltmeister von 2007 in Åre (Schweden). Nach seinem schweren Sturz auf der berüchtigten Streif in Kitzbühel am 22. Januar dieses Jahres hat für den 26-jährigen Schweizer so etwas wie ein neues Leben begonnen. Der Sportler aus Fiesch im Oberwallis lag mit einem Schädel-Hirn-Trauma vier Wochen im Koma und wurde erst am 29. April aus dem Berner Inselspital entlassen. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen Carlo Janka und Cornel Züger befindet er sich gerade an der Playa de Muro im Trainingslager und sprach mit der Mallorca Zeitung über sein geplantes Comeback.

Vor wenigen Tagen standen Sie auf dem Kaunertaler Gletscher zum ersten Mal nach dem Unfall wieder auf Skiern.
Albrecht: Das war ein gutes Gefühl und ein Schritt in die richtige Richtung. Es war lange her, dass ich Schnee unter den Skiern hatte.

Wie empfinden Sie wenige Tage später den Kontrast zu Mallorca bei fast 30 Grad?

Albrecht: Ich sehe das als positive Herausforderung und freue mich, am Meer zu sein. Es muss jetzt vorwärts gehen. Ich will meine Kondition wieder herstellen und ein Gefühl dafür bekommen, was schon geht und was noch nicht so läuft. Im Moment ist das zum Beispiel das Reaktionsvermögen, an dem ich noch arbeiten muss.

Sie hatten in der Klinik 15 Kilogramm abgenommen.

Albrecht: Die Hälfte davon ist schon wieder aufgeholt. Normalerweise war mein Kampfgewicht bei 87 bis 89 Kilo, im Moment sind es 80 bis 82.

Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem sie aus dem Koma aufgewacht waren?
Albrecht: Da waren keine Gedanken, keine Fragen, keine Ideen, ein leerer Kopf, nur das Bewusstsein, ich bin im Spital, es ist etwas passiert.

Sie sind schon wieder in die Nationalmannschaft berufen worden. Gibt es eine Perspektive für den Winter?

Albrecht: Der Winter ist noch weit weg. Das Ganze kann länger dauern, aber man muss es probieren. Ich bin froh, dass es noch einmal gut gegangen ist und nicht etwas noch Schlimmeres passiert ist. Es kann natürlich sein, dass es mit dem Skifahren nichts mehr wird. Trotzdem heißt es ´Never give up´, wie es auf den T-Shirts mit meinem Namen steht, die wir jetzt zugunsten von Organisationen verkaufen, die sich für Menschen mit Hirnverletzungen einsetzen.

Fürchten Sie sich vor dem Moment, in dem Sie wieder auf die Startrampe steigen?

Albrecht: Ich habe das Gefühl, dass es gehen könnte. Aber es ist schwer, dies vorherzusagen. Ob die Risikobereitschaft bis aufs Letzte noch da ist, muss sich zeigen. Wenn nicht, stellt sich auch die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt weiterzumachen. Natürlich wird man am Anfang auf die Sicherheit achten und es langsamer angehen lassen.

Haben Skifahrer Angst vor der ´Horrorpiste´ in Kitzbühel?
Janka: Was man empfindet, ist weniger ein Gefühl der Angst, sondern Respekt. Aus der Erfahrung lernt man Situationen abzuschätzen und damit umzugehen.

Albrecht: Kitzbühel ist auch nicht schlimmer als andere Abfahrten. Es war das zweite Mal, dass ich dort an den Start ging, und ich hatte kein schlechtes Gefühl.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem
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