02. Dezember 2010
02.12.2010
FLUGLOTSEN-STREIK

Tourismusbranche auf Mallorca fürchtet Bilanz- und Imageschaden

Nach dem wilden Lotsen-Streik kehrte Palmas Flughafen am Sonntag wieder zum regulären Flugbetrieb zurück, es kam jedoch zu Verspätungen von 50 bis 80 Minuten

03.12.2010 | 23:41

Nach einem fast 24-stündigen-Fluglotsen-Streik und dem vollkommenen Zusammenbruch des Luftverkehrs am Freitag und Samstag in Spanien (3./4.12.) wird auch auf Mallorca mit der Schadensbilanz begonnen. Am stärksten betroffen sind Airlines und Reiseveranstalter, auch in den Hotels und Restaurants werden massive Einnahmeverluste beklagt.

Um konkrete Ziffern zu nennen, sei es noch zu früh, sagte Álvaro Middelmann, Spanien-Chef von Air Berlin, gegenüber dem "Diario de Mallorca", aber der Schaden sei "fürchterlich". Neben den ausgefallenen Flügen fielen auch Kosten für die Versorgung der Urlauber an, allein auf den Balearen und den Kanaren habe man mehr als 5.000 Passagiere in Hotels untergebracht. Der Imageschaden sei zudem noch nicht abzuschätzen.

Airlines und Reiseveranstalter prüfen deswegen rechtliche Schritte, in welcher Form Schadensersatzforderungen gestellt werden können. "Jemand wird für die Kosten und den entstandenen Schaden geradestehen müssen", so Middelmann, man habe sich um die gestrandeten Passagiere gekümmert, aber die Airlines trügen keinerlei Schuld. Die Fluglotsen in Spanien müssen sich unterdessen auf dienstrechtliche wie strafrechtliche Folgen einstellen. So wurden gegen 442 Lotsen - also gegen jeden fünften - Disziplinarverfahren eingeleitet. Unter anderem die Staatsanwaltschaft auf den Balearen kündigte Ermittlungen an.

Am Sonntag wurde der Flugbetrieb wieder in Gang gesetzt, es kam jedoch laut Flughafenverwaltung Aena zu Verspätungen von 50 bis 80 Minuten. So mussten die Airlines bei der Planung der Flüge und der Bereitstellung von Maschinen und Besatzungen improvisieren. Die Fluggesellschaften standen zudem vor der Aufgabe, die rund 35.000 am Freitag und Samstag in Palma gestrandeten Passagiere in den Flügen unterzubringen. Bis zum Abend wurde laut Aena nur ein Flug gestrichen, 186 Flüge fanden bis 20 Uhr statt.

Die spanische Regierung hatte Samstagnachmittag die Wiedereröffnung des wegen eines Arbeitskonflikts mit den Fluglotsen geschlossenen Luftraums verkündet. Von Mallorca aus starteten gegen 16.40 Uhr eine Swiss-Air-Maschine nach Zürich und ein Air-Europa-Flugzeug nach Madrid, weitere Flüge folgten. Zuvor hatte ein Krisenkabinett den Ausnahmezustand ausgerufen. Unter diesem erstmals in 35 Jahren verhängten "estado de alarma" konnte eine "Mobilisierung" der Fluglotsen angeordnet werden. Widersetzen sie sich, können sie vor ein Militärgericht gestellt werden. Die Kontrollräume der Flughäfen unterstehen dem Militär. Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba versicherte, dass sich ein Chaos wie am Freitag und Samstag auf den Flughäfen nicht wiederholen werde.

Die Fluglotsen waren Freitagnachmittag unangekündigt in einen Ausstand getreten, viele von ihnen meldeten sich krank. Der Tarifkonflikt zwischen der Flughafenbehörde und den Fluglotsen dauert schon seit Monaten an.

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