Aussteiger-Traum: Warum nicht jeder (Deutsche) als neuer Hüttenwirt im Castell d'Alaró geeignet ist
Von heute auf morgen das Leben auf den Kopf stellen, das wäre doch was: Im Castell d'Alaró, auf 822 Metern Höhe und nur zu Fuß erreichbar, wird die Stelle des Hüttenwirts frei. Bisher hat sie Natxo Bou inne. Der MZ erzählt er, was sein Nachfolger mitbringen muss - und was nicht

Wunderschön: Luftaufnahme vom Castell d'Alaró / Joan Lillo
Natxo Bou ist kein Einsiedler. Im Gegenteil, er genießt den Kontakt zu anderen Menschen, ist freundlich, geduldig. Das merkt man auch am Telefon. Und doch lebt er so abgeschieden, wie man auf Mallorca nur leben kann. In 822 Meter Höhe auf dem Castell d’Alaró. Seit 14 Jahren ist er der Betreiber der Wanderherberge, die nur über einen einstündigen Fußmarsch zu erreichen ist. Am 12. März wird sein letzter Arbeitstag sein. Wer kann den 60-Jährigen Allrounder ersetzen?
Ganz schön anstrengend
„Theoretisch jeder“, sagt der Katalane, lenkt dann aber ein. „Na ja, nicht ganz. Man sollte ein geduldiger Mensch sein. Und sich bewusst machen, dass man nur zu Fuß hier hingelangt. Vieles dauert lange und bedarf besonderer Logistik. Wen das nicht abschreckt, sondern motiviert, der kann es hier schaffen.“
Am 5. Februar hatte das Rathaus von Alaró die Suche nach einem neuen Pächter bekannt gegeben – und mit ihr auch dessen Pflichten: rund um die Uhr die Herberge mit 30 Betten führen, Verpflegung anbieten, dazu einen Barservice mit vorgegebenen Öffnungszeiten, Reinigung und Instandhaltung des historischen und denkmalgeschützten Ortes … „Man hat aber auch einen gewissen Spielraum, ich habe die Vorgaben nicht als sonderlich einschränkend empfunden“, sagt Natxo Bou, räumt aber ein: „Es ist viel Arbeit, auch physisch.“
Etwa drei Mal pro Woche marschiert er mit Packeseln hinunter ins Dorf und wieder zurück, um benötigte Waren hochzuschaffen. Immerhin: Drei Mitarbeiter hat er. „Aber so gut mir die Arbeit auch gefällt: Sie lässt einem kaum Zeit für andere Dinge.“ Genau deshalb will Bou jetzt auch aufhören. Mit 60 noch einmal etwas anderes sehen und machen. „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen. Aber seit ich sie getroffen habe, geht es mir besser“, sagt er.
Kein fließender Übergang
Eine spezielle Ausbildung sei für den Job nicht nötig – Bou selbst ist studierter Sprachwissenschaftler. „Ich hatte aber schon zuvor eine Jugendherberge geleitet und war selbst viel auf Hütten in den Alpen und den Anden zu Gast.“ Vor allem aber arbeitete er von 2007 bis 2012 als Helfer des damalige Pächters am Castell d’Alaró – er wusste, was auf ihn zukommt.
Einen so fließenden Übergang kann sein Nachfolger nicht erwarten. „Theoretisch bin ich ab dem 13. März weg, vielleicht ein klein wenig später, wenn sich alles bürokratisch in die Länge zieht.“ Die Fristen sind knapp, Interessenten können sich noch bis zum 3. März bewerben. Wer dann auserwählt wird, muss also sehr spontan sein Leben auf den Berg verlagern.

Arbeiten inmitten der alten Burgruinen - wäre das etwas für Sie? / Redaktion DM
Tipps und Ratschläge von Bou bekommt der neue Pächter dann eher aus der Ferne. Der 60-Jährige ist schon jetzt dabei, Stück für Stück persönliche Dinge nach unten zu bringen. Langsam und in Ruhe, wie es eben auf dem Castell d’Alaró zu geht. Das Schönste in all den Jahren sei diese besondere Atmosphäre gewesen, die auf dem Berg inmitten der Burgruinen herrscht. Und der Kontakt zu den Gästen. Wandergruppen und einzelne Naturliebhaber, die teils nur für einen Tagesausflug, teils über Nacht zu ihm hinaufkommen.
Er habe viele interessante und bereichernde Begegnungen erlebt, sagt Bou. Aber, glaubt er, das liege auch daran, dass er den Ort nicht zu einem weiteren Urlauber-Hotspot gemacht hat, sondern als einen der wenigen belassen hat, an den noch immer überwiegend Einheimische kommen. „Ich habe das sopar vuit-cents eingeführt, das Abendessen in 800 Meter Höhe. Es wurde gut angenommen – zu 95 Prozent von Mallorquinern.“
Wär' das etwas für Deutsche?
Ob ein Deutscher da nahtlos anknüpfen könnte? Bou bezweifelt es. „Zumindest sollte er gut Mallorquinisch sprechen und das Essensangebot an diese Zielgruppe an passen.“ Und nicht vergessen, dass es sich um eine Hütte handelt und kein Boutique-Hotel. „Es ist ein besonderer Ort. Um ihn zu erhalten, darf man nicht Qualität mit Hotelkategorie verwechseln.“
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