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Mallorca-Beruf mit Jobgarantie: Warum Margers auf der Insel so gefragt sind

Mallorca, das sind auch seine Trockensteinmauern. Um Bau und Instandhaltung kümmern sich die „margers“. So steht es bei ihnen um den Nachwuchs

Joan Mas (links) packt an, wo er kann. Vor zwei Wochen startete er die Lehre bei Steinmauerbauer-Meister Toni Coll.  | FOTO: LUANA CARIDAD LÓPEZ

Joan Mas (links) packt an, wo er kann. Vor zwei Wochen startete er die Lehre bei Steinmauerbauer-Meister Toni Coll. | FOTO: LUANA CARIDAD LÓPEZ

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Auf Mallorca können Bürojobs besonders an einem nagen. Man sitzt den ganzen Tag am Rechner und sieht durch das Fenster, wie der schöne Tag vorbeizieht. Den Sonnenschein und die frische Luft genießen? Höchstens in der kurzen Zeit am Feierabend. Nicht mit mir, dachte sich Joan Bestard. Der junge Mallorquiner warf nach nur vier Monaten seinen Job hin, um kurzerhand zum marger umzuschulen. So nennen sich die Steinmetze der Insel, die sich um den Aufbau und Erhalt der Trockensteinmauern kümmern. Azubis werden in der Branche, die mangels Nachwuchs vom Aussterben bedroht ist, mit Kusshand genommen.

Bestard studierte vor vier Jahren Soziologie und arbeitete anschließend in einer Kooperative. Jener Bürojob, den der junge Mann aus Esporles so schnell verteufelte. Im Anschluss fand er eine Arbeit auf einer Finca im Ort. Ein erfahrener marger sah und schnappte ihn sich. „‚Komm mit, mein Junge‘, sagte er mir. ‚Ich werde dir mein Handwerk zeigen‘“, erzählt Bestard. Seitdem ist er selbst zur Fachkraft aufgestiegen.

Ende der 80er-Jahre führte Mallorcas Inselrat eine Ausbildung der Steinmauer-Bauer ein. „Die lief gut“, meint Lluc Mir, Präsident des Verbands der margers. „Von zehn Schülern arbeiteten letztlich sechs als Azubis mit den Meistern. Das garantierte eine vernünftige Ausbildung und stellte den Nachschub an Arbeitskräften über die Generationen hinweg sicher.“

Lange ein Ausbildungsberuf

2005 stellte der Inselrat die Ausbildung jedoch wegen fehlender Subventionen komplett ein. Seit Jahren protestieren Lluc Mir und seine Kollegen, dass es eine Alternative geben muss. Die bahnt sich zwar nun langsam an, doch Mir ist aus Erfahrung skeptisch: „Unsere Branche stirbt aus, und wir erhalten von den Politikern keine Antwort“, beschwert sich der Verbandspräsident. „Überall sonst auf der Welt würden wir hofiert. Auf Mallorca aber schert sich keiner um uns, obwohl sie alle von der Serra de Tramuntana reden.“ Man werde schon sehen, was geschieht, wenn die Mauern einstürzen und niemand sie wieder aufrichtet.

So sind es Ausnahmefälle wie Joan Bestard, die für frisches Blut sorgen und nach kurzer Zeit völlig überlastet mit Aufträgen sind. „Ich suche wie verrückt nach Azubis“, sagt er nun auch und bietet dem Journalisten eine Stelle an. „Fast immer mit Blick auf Berge und Meer. Wenn Sie möchten, kommen Sie morgen vorbei und starten direkt.“ Zufälligerweise arbeitet der Mallorquiner gerade an der gleichen Mauer, an der er vor vier Jahren selbst das Handwerk erlernte.

Die harten Seiten seines Gewerbes verschweigt er lieber. Die margers arbeiten bei Wind und Wetter – sei es bei hochsommerlicher Hitze oder in den nasskalten Wintern. Auf große Maschinen müssen die Mauerbauer verzichten. Die bis zu 100 Kilogramm schweren Steine werden mit Hebeln und Muskelkraft bewegt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Beim Bau einer echten Trockensteinmauer wird auf Zement verzichtet. Und am Schluss muss das Bauwerk nicht nur stehen, sondern soll auch ansprechend aussehen. Nicht umsonst hat die UNESCO die Trockensteinmauer-Technik – nicht nur auf Mallorca – 2018 zum Weltkulturerbe erklärt.

Mit Jobgarantie

So mancher Azubi flieht bereits am ersten Tag vor der harten Arbeit. „Gerade habe ich ein paar Kumpels da, die mir zur Hand gehen“, sagt Bestard. „Sie haben aber keine Lust, gänzlich umzuschulen und sich zum Meister ausbilden zu lassen.“ Zumal das wortwörtlich ein steiniger Weg ist. Das „Manual del marger“ von Francesc Xavier Solé gilt auf Mallorca als die Bibel der Steinmetze. Das Buch liefert die theoretische Grundlage. In der Praxis lassen die Meister die Azubis lange erst einmal daneben stehen. „Im ersten Jahr schaue ich zu und gucke, wo ich mit anpacken darf und kann“, sagt Joan Mas, der seit gerade mal zwei Wochen bei Toni Coll in der Lehre ist. „Eigentlich habe ich keine Zeit, um den Lehrlingen etwas beizubringen. Ich muss schließlich auch meine Brötchen verdienen“, sagt der Meister.

Gemeinsam mit dem Duo arbeitet Gabriel Bibiloni an einer Mauer auf einer Finca in Deià. Er ist seit zwei Jahren marger. „Um richtig Steine klopfen zu können, muss man vorher viele zerbrochen haben“, sagt er. Eine bewusste Entscheidung für den Beruf sei es bei dem jungen Mann aus Palma nicht gewesen. „Ich war auf Arbeitssuche und habe mich bei einer Jobbörse angemeldet. Dort sprang ein Steinmetz-Kurs heraus.“ Dass er neben der körperlichen Arbeit die Tramuntana erkunden kann, begeistert ihn nun am meisten. „Ich stand schon immer auf Berge. In der Inselmitte gibt es zwar auch einige Trockensteinmauern, aber nicht so viele wie im Gebirge“, sagt der frühere Geschichtsstudent aus Palma.

Oder man wechselt die Insel. Pep Roig gehört zu den wenigen Privilegierten, die auf Dragonera wohnen dürfen. Mit seinen beiden Mitarbeitern Jordi Palmer und Juanca Robaina setzt er jeden Montag mit dem Boot über und bleibt dort vier Tage. Der Inselrat hatte die Stelle ausgeschrieben, um eine vier Meter hohe Trockensteinmauer auf der Eidechseninsel zu reparieren. Einen Monat werden die Arbeiten dauern. Wenn das Trio einen guten Job macht, steht die Mauer dann Jahrhunderte lang. „Bis zu 500 Jahre, um exakt zu sein“, sagt Roig.

Alleine auf Dragonera

Der Mallorquiner studierte bildende Kunst in Barcelona – mit Schwerpunkt Bildhauerei. Früher habe er Grundstücke instand gehalten und an den Wochenenden zum Vergnügen Trockensteinmauern gebaut und es dadurch gelernt, erzählt er. Roig ist überzeugt, dass in sonstigen Ausbildungen künstlerische und körperliche Arbeit zu wenig wertgeschätzt werde. „Alles muss konzeptionell sein und im Sitzen stattfinden.“

An seiner Arbeit schätzt er, dass sie im Einklang mit der Natur stattfindet. „Zudem ist es schön, dass man das Resultat immer direkt vor Augen hat“, sagt er. Seine beiden Kumpane muss er hingegen noch einlernen. „Ich habe noch nie Steine aufgeschichtet“, sagt der 24-Jährige Robaina. „Pep meinte, er braucht dringend Hilfe. Da bin ich eingesprungen und versuche nun, schnellstmöglich dazuzulernen.“

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