13. Dezember 2017
13.12.2017
40 Años

Flugzeuglackierer auf Mallorca: Azubis retten Geisterjet

Die mallorquinische Handelskammer unterstützt eine asturische Firma bei der Ausbildung, die in Spanien noch nicht existiert

13.12.2017 | 21:58
An dieser Convair 990 Coronado können Mallorcas-Flugzeuglackierer-Azubis demnächst ihr Können beweisen.

Maler und Lackierer gibt es in Spanien und auf Mallorca Tausende. Doch keiner von ihnen hat sich bislang an ein Flugzeug gewagt. „Das ist sehr kompliziert. Das sind sehr große Flächen, die Arbeiten sind kostenintensiv, und die Fluggesellschaften setzen sehr knappe Fristen, da sie den Flieger schnellstmöglich wieder im Einsatz haben wollen", sagt Saturnino Manzano. Er ist einer der Flugzeuglackierer der Grupo SEM (Sociedad Española de Metalización), die ab Januar auf dem Flughafen von Palma Maler- und Restaurationsarbeiten an den Ferienfliegern anbietet. Das asturische Unternehmen bildet zudem in Zusammenarbeit mit der mallorquinischen Handelskammer Azubis aus. Der erste Auftrag für die Firma ist die Restaurierung der legendären Convair 990 Coronado, die seit 2011 unter Denkmalschutz steht.

SEM ist eigentlich ein Unternehmen, das sich auf die Oberflächenbeschichtung spezialisiert hat. 2010 ist die Firma in Albacete in die Luftfahrtindustrie eingestiegen. „Dort haben wir hauptsächlich Hubschrauber und Leichtflugzeuge lackiert", sagt Manzano. SEM hatte eine Marktlücke entdeckt und beschloss, sie zu besetzen. Der Neubau eines Hangars war zu teuer. „Da bot sich die Gelegenheit, einen alten Hangar von Spanair in Palma zu mieten", sagt die Projekt-Verantwortliche Carmen Agrafojo. Bis Januar soll die Flugzeughalle hergerichtet und modernisiert werden. 25 Flugzeuglackierer werden dann dort ihre Arbeit verrichten: 14 erfahrene Lackierer – wie Manzano – und elf Auszubildende.

Letztere befinden sich gerade in einer Art Berufsvorbereitungsphase in der Handelskammer. Die EU-Mitgliedsstaaten haben im April 2013 eine Jugendgarantie vereinbart. Diese sieht vor, arbeitslosen jungen Erwachsenen eine Arbeit, Fortbildung, Praktikum oder einen Ausbildungsplatz zu verschaffen. Die Handelskammer in Palma setzt diese Garantie mit dem Programm PICE (Inte­grales Programm für Arbeits- und Ausbildungsplätze) um. „Das ist für Menschen zwischen 16 und 29 Jahren vorgesehen, die weder arbeiten, noch studieren", sagt die Verantwortliche Cristina Julià. „Diese Leute sind jedoch nicht mit dem Nini-Phänomen zu verwechseln, also Jugendlichen, die nicht arbeiten oder studieren wollen."

PICE wird von der EU und dem spanischen Arbeitsministerium finanziert. Die jungen Erwachsenen müssen selbst nichts für die Ausbildung zahlen, beziehen aber auch keinerlei Gehalt. In einem Orientierungsgespräch wird die passende Stelle ausgesucht. Die Handelskammer bietet die Berufsvorbereitungen in den Bereichen Hotelgewerbe, Rettungsschwimmer, Einlass­kontrolleure, Gebäudeinstandhaltung, Lagerhilfsarbeiter, Kundenbetreuer und Flugzeuglackierergehilfe. Zudem gibt es Englisch- und Wirtschaftskurse.

„Alle Ausbildungen beginnen mit einem Grundkurs. In 65 Stunden werden Englisch, IT-Kenntnisse und soziale Fähigkeiten gelehrt", sagt Julià. Diese Phase haben die Flugzeuglackierergehilfen gerade abgeschlossen. Bis zum 11. Dezember stehen 90 Stunden spezifische Theorie an. „Da lernen die Azubis beispielsweise, wie Farben gemischt werden und die Flugzeugteile auf Spanisch und Englisch heißen", sagt Manzano, der in den Klassen als Ansprechpartner anwesend ist und später den Praxisteil leiten wird.

24 künftige Flugzeuglackierer pauken im Klassenzimmer in der Handelskammer. Nur eine Frau ist unter den Kursteilnehmern. „Dabei ist unser Beruf eigentlich keine 'Männerarbeit'. Man muss nicht besonders groß oder stark dafür sein", sagt Manzano. Einer der Azubis ist Khadim Mbaye. Seine Eltern kommen aus dem Senegal, er ist hier geboren. „Ich habe eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und einige Monate gearbeitet", sagt er. „Das habe ich aber aufgegeben, da ich mich neu orientieren wollte." Wie Mbaye haben auch andere Azubis vorher Ausbildungen abgeschlossen. „Manche haben Schiffswartung gelernt, andere sind Mechaniker. Wichtig ist, dass sie geschickte Hände haben und interessiert sind", sagt die PICE-Verantwortliche Julià. Das Interesse ist den Azubis während des Kurses anzusehen. Es wird eifrig mitgeschrieben und aufgepasst. „Einer der Auszubildenden kam sogar drei Tage nach einer Blinddarm-OP schon wieder in die Klasse."

Die Ausbildung in der Handelskammer ist für die jungen Erwachsenen eine Chance. „Flugzeug­lackierer ist ein gesuchter Beruf", sagt Manzano. SEM wird Ende Januar etwa elf Azubis übernehmen und ihnen eine richtige Ausbildung anbieten. „Die anderen Kursteilnehmer können später nachrücken", sagt Manzano. „Jeder erfahrene Lackierer kann aber nur auf einen Azubi aufpassen."

Selbst für den Fall, dass sie nicht übernommen werden, haben die jungen Erwachsenen an einem geradezu historischen Projekt mitgewirkt. Denn in der Praxisphase werden sie wohl den Spantax-Flieger Coronado restaurieren. „In der kommenden Woche haben wir die finalen Gespräche. Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch", sagt Carmen Agrafojo von SEM. Mallorcas Inselrat hat am Dienstag (28.11.) bereits ein Verfahren zur Aufhebung des Denkmalschutzes gestoppt. Das Flugzeug, von dessen Typ es nur noch vier auf der ganzen Welt gibt, sei Symbol einer Epoche und wichtiges Kulturgut, sagte Inselratspräsident Miquel Ensenyat. Nach der spektakulären Pleite von Spantax 1988 stand die Coronado einige Zeit im Hangar und wurde dann, als die Miete nicht mehr beglichen wurde, herausgeschoben und sich selbst überlassen. Anfang 2017 begannen die „Freunde des Flughafens Son Sant Joan" um den Flugzeugnarren Javier Rodriguez mit den ersten Reparaturarbeiten und setzten sich für den Erhalt des Fliegers ein.

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