20. Mai 2018
20.05.2018

Mehr Anerkennung für ehrenamtliche Pflegekräfte auf Mallorca

Meist sind es Frauen, die bedürftige Angehörige betreuen – eine neue Initiative kämpft auf der Insel für sie

20.05.2018 | 01:00
Antònia Riera, Maria Sastre, Maria Verger und Vorsitzende Joana Sastre engagieren sich im Verein „Mans a les Mans?.

Antònia Riera muss Tag für Tag miterleben, wie die Fähigkeiten und das Gedächtnis ihrer an Alzheimer erkrankten Mutter dahinschwinden. Mittlerweile erkennt die Frau ihre eigene Tochter nicht mehr. Antònia Riera pflegt sie bei sich zu Hause. Dabei hat sie eigentlich einen ganz anderen Job. Die neue Aufgabe, die sie sich nicht ausgesucht hat, macht ihr zu schaffen, oft fühlt sie sich am Ende ihrer Kräfte.

Die Mallorquinerin passt zu dem statistischen Profil jener, die auf den Balearen einen Angehörigen pflegen: weiblich, um die fünfzig, berufstätig. In 73 Prozent der Fälle sind es Frauen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern – so die Ergebnisse einer Studie des Sozialministeriums. Ob den eigenen Eltern, Kindern oder anderen bedürftigen Personen zuliebe: Am Ende sind sie es, die häufig mit Einsamkeit, Schuldgefühlen, Frustration und Erschöpfung zu kämpfen haben. 60 Prozent der in der Studie Befragten gaben an, Erschöpfungssymptome zu zeigen. Anerkennung für die gleichermaßen emotional wie auch körperlich harte Arbeit bekämen sie nur selten, kritisieren viele der Frauen.

Antònia Riera, Maria Sastre, Maria Verger und Joana Sastre wollen für die Pflege ihrer Liebsten gar nicht als Heldinnen behandelt werden. Sie wünschen sich lediglich, dass ihre Arbeit endlich wertgeschätzt wird – vom Staat und ihrem privaten Umfeld. Deswegen haben sie den kürzlich in Montuïri vorgestellten Verein „Mans a les Mans" gegründet. Er berät und begleitet Menschen, die Bedürftige pflegen, eine auf Mallorca laut den Frauen bislang einzigartige Initiative. Da die fünf Gründungsmitglieder und die Vorsitzende jeweils ihre ganz eigenen ­Erfahrungen bei der Pflege von Angehörigen gemacht haben, können sie andere Betroffene nicht nur beraten, sondern gemeinsam mit ihnen auch für Verbesserungen im Pflegesystem streiten.

Für die Vorsitzende Joana Sastre beispielsweise, deren Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte, wurde schon wenige Tage danach zum Problem, dass sie ihren Job aufgeben musste. „Bis 2012 hat einem durch die Ley de la Dependencia (staatliche spanische Pflegeversicherung, Anm. d. Red.) noch die Sozialversicherung geholfen. Diese Unterstützung wurde aber abgeschafft. Nun gibt es keine Hilfen mehr. Dabei sollten wir die Möglichkeit haben, weiter zu arbeiten. Im öffentlichen Dienst kann man sich beurlauben lassen und bekommt Ruhegeld, in Privatunternehmen ist das leider sehr kompliziert", sagt sie.

Das spanische Pflegesystem funktioniert längst nicht so gut wie das deutsche. Die Bearbeitung der Anträge kann Monate oder gar Jahre dauern, und auch die Wartezeit für einen der Pflegeplätze, die die Landesregierung verwaltet, beträgt circa zwei Jahre. Viele Angehörige von Senioren beantragen daher schon im Voraus prophylaktisch Heimplätze und kümmern sich noch eine Zeit lang selbst um die Bedürftigen.

Der auf Mallorca mit der Pflege beauftragte Inselrat sowie die Balearen-Regierung setzen mittlerweile verstärkt auf ­häusliche Pflege. Derzeit erhalten auf den Inseln über 17.000 Personen Leistungen dafür, dass sie sich um bedürftige Personen kümmern. Im Jahr 2011, inmitten der schweren Wirtschaftskrise, waren es nur knapp 10.000 Leistungsempfänger. Die balearische Sozialministerin Fina Santiago weist außerdem darauf hin, dass der häusliche Pflegedienst von 30.000 Stunden 2015 auf 230.000 im Jahr 2018 erhöht worden ist. Zudem wurden 80 neue Plätze in öffentlichen Tagesstätten geschaffen und 434 in Seniorenheimen.

Auch „Mans a les Mans"-Mitglied Maria Sastre war allein überfordert und suchte sich Hilfe von ihrer Familie und vom Sozialdienst, als sie ihre demente Mutter aus dem Heim holen und zu Hause pflegen wollte. „Auch wenn es für mich hart war – mir ging es um ihre Lebensqualität. Meine Mutter hätte dasselbe für mich getan. Gott sei Dank haben mich meine Kinder unterstützt. Es ist wichtig, dass wir andere um Hilfe bitten können. Das ist etwas zutiefst Mensch­liches", betont sie.

Wenn die Angehörigen die Pflege nicht übernehmen können oder wollen, springt Luisa Comas ein. Sie arbeitet bei Sarquabitae, einem Unternehmen, das häusliche Pflegedienste anbietet. Als professionelle Pflegekraft hat sie eine gewisse Distanz zu diesem Thema: „Wenn du dich für diesen Beruf entscheidest, weißt du Bescheid, worauf du dich einlässt. Dazu gehört auch, zum Beispiel einem Angehörigen nahebringen zu müssen, dass ein Patient bald sterben wird", sagt sie.

Doch gerade wenn Pfleger viel Zeit mit Patienten verbringen, so Dolores García, Marta Noemí Coria Ríos und Lourdes Gómez, die alle drei im Heim Sa Creu in Inca arbeiten, schließen auch sie die ihnen eigentlich fremden Personen in ihr Herz. „Die Patienten geben einem sehr viel zurück, dafür dass man sie pflegt. Man lacht, weint und leidet zusammen", sagt etwa Dolores García.

Auch wenn eine Umarmung und ein Lachen kurzzeitig entschädigen, ist die Arbeit hart. Auch nach 23 Jahren in diesem Beruf passiert es Lourdes Gómez immer wieder, dass sie die Schicksale ihrer Patienten mit nach Hause nimmt. So dürfte es wohl auch vielen anderen Pflegern gehen.

Gleich ob es nun Privatpersonen oder professionelle Pflegekräfte sind – es ist eine gewaltige gesellschaftliche Aufgabe, die da von den Frauen gestemmt wird. Die Gründerinnen von „Mans a les Mans" wollen ihre Initiative nun inselweit bekannt machen – und so auch dazu beitragen, dass ihre Arbeit mehr gewürdigt wird.

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