13. Oktober 2018
13.10.2018

Bereit für den Ansturm im Arbeitsamt auf Mallorca

Mit dem Ende der Saison steigt auf Mallorca wieder die Zahl der Arbeitslosen. MZ-Besuch in den neuen Räumlichkeiten in dem für den Nordosten zuständigen Arbeitsamt in Manacor

13.10.2018 | 01:00
Schon Anfang Oktober ist im Arbeitsamt in Manacor einiges los. In den kommenden Wochen dürfte der Ansturm noch deutlich größer werden

Antonio kennt das Prozedere bereits: am Empfang melden, Nummer ziehen, warten. Der 34-Jährige will seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Arbeitslos, das klingt nicht so toll", sagt er. Es ist bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass er aus Cala Millor nach Manacor zum SOIB kommen muss. SOIB, das steht für Servicio de Ocupación de las Illes Balears – das balearische Arbeitsamt auf Mallorca. Es ist Oktober, und der kleine Warteraum ist gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Antonio ergattert sogar noch einen freien Sitzplatz. „In einem Monat sieht das hier ganz anders aus", weiß er aus Erfahrung. Voranmeldung hin oder her. Denn zum Winter hin steigt die Zahl der Arbeitssuchenden. Erst recht hier in Manacor, denn zum Einzugsgebiet zählen neben kleinen Gemeinden der Inselmitte wie Petra, Ariany, Sant Joan und Vilafranca auch die Küstengemeinden Son Servera, Sant Llorenç, Capdepera und Artà.

„Hier sind die Schwankungen der arbeitslos Gemeldeten zwischen Sommer und Winter natürlich groß", bestätigt María Sampol, Leiterin des SOIB in Manacor. Wenn die Hotels und Restaurants in den Küstenorten in den Winterschlaf gehen, stehen Tausende von Saisonkräften ohne Arbeit da. Knapp 90.000 Anwohner fallen in das Einzugsgebiet der Zweigstelle Manacor. „Im August melden sich bei uns etwa 70 Menschen täglich arbeitslos, im November sind es mehr als 400 pro Tag." Noch hat María Sampol Zeit, zwischendurch mal etwas in dem kleinen Café gegenüber zu trinken. „In ein paar Wochen kann ich das vergessen", sagt sie. 15 Mitarbeiter sind ganzjährig im SOIB in Manacor beschäftigt. Im Sommer bauen sie Überstunden ab und im Winter auf. Immerhin ist die Wirtschaftskrise vorbei. Im Januar 2010 waren noch 7.500 Menschen im Einzugsgebiet arbeitslos gemeldet, im Januar 2018 „nur" 4.900.

Aus einem engen und alten Gebäude im Zentrum Manacors ist das SOIB zum 11. Juni in die derzeitigen Räumlichkeiten am Carrer Menéndez Pelayo gezogen. Auch sie umfassen nur 540 Quadratmeter, sind aber hell, modern und funktional eingerichtet. „Wir haben sogar mehrere kleine abgetrennte Räume, die wir für vertrauliche Gespräche nutzen können", so Leiterin María Sampol. Denn einige steuern das SOIB an, weil sie – anders als Antonio, der seinen Kellnerjob in einer Bar ab dem Frühjahr sicher hat – aktiv auf der Suche nach Arbeit sind.

So wie Mónica aus Manacor, die statt temporär im Hotel gerne ganzjährig im Bereich Buchhaltung arbeiten würde. Sie hat auf der Website des SOIB nach Stellenausschreibungen geschaut, nun geht sie die Angebote mit einer Mitarbeiterin des SOIB durch. „Wir sind quasi die Schnittstelle zwischen den Unternehmen und den Arbeitssuchenden", so Sampol. Das Wort Jobbörse hört sie nicht gerne, denn die Aufgaben der SOIB-Mitarbeiter – hier sind auch Pädagogen und Psychologen beschäftigt – gehe über das reine Aufzeigen von Jobmöglichkeiten hinaus. „Wir bieten Orientierung für Menschen, die nicht wissen, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln sollen, und machen, wenn gewünscht, individualisierte Diagnosen." Hapert es an den Bewerbungsanschreiben? Oder am Selbstbewusstsein? Oder schlicht an der Qualifikation? All dies wird von Fall zu Fall analysiert. Und dann sind da noch Weiterbildungsprogramme, einige spezialisiert auf junge Leute, andere auf ältere Langzeitarbeitslose. Teils bietet der SOIB selbst Workshops für die Arbeitssuchenden an, teils stellen die Mitarbeiter Kontakt zu externen Einrichtungen her. Denn gerade, wo der Tourismus am ausgeprägtesten ist, sei auch der Anteil der ungelernten Kräfte am höchsten. Viele Programme erstrecken sich extra über die Wintermonate – denn dann haben die meisten Zeit.

Antonio hat kein Interesse daran, sich weiterzubilden. Er habe im Sommer „recht gut Geld gemacht" – und dafür monatelang sieben Tage die Woche geackert. Jetzt brauche er eine Pause, „und anderthalb Monate Arbeitslosengeld stehen mir noch zu". Nach 20 Minuten ist er im SOIB fertig, die staatliche Unterstützung hat er direkt nebenan beantragt, beim Servicio Público de Empleo Estatal (SEPE). „Kein schönes Gefühl", sagt er. „Aber so geht das hier nun einmal. Das ist Mallorca."

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