22. Januar 2019
22.01.2019

Hundert neue Jobs in Mallorcas deutschem Callcenter

Für viele deutsche Mallorca-Auswanderer ist das Riesen-Callcenter in Palma de Mallorca die erste Anlaufstelle bei der Jobsuche. Auch jetzt sucht das Unternehmen Mitarbeite. Doch die Arbeitsbedingungen sind umstritten

22.01.2019 | 01:00
Blick ins Callcenter in Palmas Gewerbegebiet: Mallorca ist Avedos einziger Standort außerhalb Deutschlands.

Das große deutschsprachige Callcenter im Stadtgebiet Palma de Mallorca – ehemals CCES24, später DV-COM – hat erneut den Namen gewechselt, heißt seit Jahresbeginn offiziell Avedo und sucht für das Jahr 2019 neue Mitarbeiter. „Im aktuellen Jahr sollen weitere 100 Arbeitsplätze am Standort geschaffen werden." Gesucht werden sowohl „erfahrene Kundenberater" als auch „Quereinsteiger", heißt es bei Avedo. Allerdings sucht man die Stellen unter den Jobangeboten auf der Website des Unternehmens vorerst vergeblich.

Bei der Gründung im Jahr 2012 sorgte das Callcenter, damals unter dem Namen Communication Center España 24 (CCES24), für Schlagzeilen. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Zahl der deutsch- und meist mehrsprachigen Mitarbeiter auf mehr als 500 Angestellte. Große Kunden waren zum Beispiel der Telekommunikationsdienstleister 1&1.

Im Jahr 2014 gab es dann einen ersten Wechsel. Der mallorquinische Standort verschmolz in der DV-COM-Gruppe und erhielt im April 2017 den Namen DV-COM PMI. Im Februar 2018 schließlich wurde die DV-COM von der Ströer Dialog Group übernommen, deren Callcenter-Branche vom Unternehmen Avedo betrieben wird. Auch das Callcenter in Palma wurde nun – offiziell zum Jahresbeginn 2019 – in Avedo umbenannt.

Avedo beschreibt sich selbst als „einen der führenden deutschlandweiten Dialogmarketingspezialisten mit insgesamt 25 Callcenter-Standorten". Das Mutterunternehmen – die Ströer Dialog Group – hat den Firmenhauptsitz in Leipzig. Avedo Palma ist ihr erster „Nearshore Standort". Zur Zeit würden hier über 300 Mitarbeiter beschäftigt, also deutlich weniger als vor ein paar Jahren.

„Wir sind ein fester Bestandteil der Wirtschaft auf Mallorca und wollen unsere Präsenz hier ausbauen", wird Stöer-Chef Torsten Krause zitiert. Dazu suche man „engagierte Mitarbeiter, die uns bei dem geplanten Wachstum unterstützen". Vom Standort Palma aus werden vor allem Kunden in den Branchen Telekommunikation und Versicherungen betreut. Die Namen der Kunden wolle man auf deren Wunsch nicht nennen. Auch einen Fotografen der Zeitung könne man deshalb nicht ohne Weiteres empfangen.

Umstrittene Arbeitsbedingungen

Sowohl die Höhe der Löhne als auch die Arbeitsbedingungen in dem Callcenter auf Mallorca sind umstritten. Auf der Facebook-Seite der MZ entstand eine lebhafte Diskussion darüber, ob es sich lohne, für einen Nettolohn von knapp 1.000 Euro solch einen stressigen Job anzunehmen. Zumindest einige erlebten das Arbeitsklima im Callcenter als negativ: Er habe noch nie ein Unternehmen erlebt, in dem die Angestellten so massiv unter den Arbeitsbedingungen gelitten hätten, beschwert sich ein ehemaliger Mitarbeiter in dem sozialen Netzwerk. Eine Kollegin, die auf Facebook angibt, seit vier Jahren für das Unternehmen zu arbeiten, schreibt dagegen verteidigend: „Ich kenne keinen in der Firma, der als Vollzeitkraft unter 1.000 Euro verdient. Es wird pünktlich gezahlt, Fünftagewoche, fünf Wochen Urlaub und ein Ganzjahresjob. So mancher Spanier wäre dankbar dafür."

Das Unternehmen selbst erklärt auf Anfrage: „Unsere Mitarbeiter haben jederzeit die Möglichkeit, sich mit ihren Anliegen direkt an uns zu wenden. Zudem haben wir auch ­einen aktiven Betriebsrat, der sich für die Belange der Mitarbeiter einsetzt." Im Übrigen zahle man Tariflohn, „der deutlich über dem spanischen Mindestlohn liegt, und biete damit ein sicheres und saisonunabhängiges Einkommen". Zur Orientierung: Der spanische ­Mindestlohn wurde für das Jahr 2019 gerade von unter 750 auf 900 Euro angehoben. Der spanische Branchentarifvertrag für Callcenter sieht für einen einfachen teleoperador ein Brutto­monatsgehalt (bei zwölf Monatsgehältern und 39 Wochenstunden) von rund 1.140 Euro vor. Dazu kämen Zuschläge für Nacht- oder Wochen­endschichten sowie für Deutsche ein Fremdsprachenbonus von 106 Euro.

Ein nach eigenen Angaben ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens beschreibt die Arbeitssituation der MZ gegenüber so: „Die Callcenter-Branche in Deutschland ist ausgelutscht, selbst in vielen ostdeutschen Regionen haben die Leute keinen Bock mehr, zu lächerlichen Gehältern zu arbeiten. Deswegen ist man in Palma, wo – um ehrlich zu sein – einige Ich-will-unbedingt-auf-Mallorca-sein-Leute ­leben." Das Umfeld habe er folgendermaßen erlebt: „Bürosituation wie in einer Legebatterie, laut, volle Flexibilität, Stress durch Mindestanzahl an Calls."

Andererseits dürfte das Unternehmen auch manchmal mit unmotivierten Mitarbeitern hadern. Das lassen zumindest einige Kommentare unter der Jobofferte vermuten: „Hey Claudia, kommste mit? Mit Headset und Laptop auf der Liege am Strand. Buzz im Wasser! Ich bin dabei."

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