17. Juni 2019
17.06.2019

Diese Mitarbeiter dürfen vom Pool auf Mallorca aus arbeiten

Ein Marketingunternehmen aus Hamburg mietet zehn Wochen pro Jahr ein Haus in Portocolom. Es klappt, sagen die Chefs

17.06.2019 | 01:00
Jan Bechler (vorne), Sven Koch (Mitte) und Tim Nedden erfreuen sich mit Familie selbst an ihrer neuen Außenstelle.

Tim Nedden (40) war anfangs nicht überzeugt von der Idee. „Ich habe erst einmal gedacht, was für ein Quatsch", sagt er. Das war vor gut einem Jahr, als ihn sein Geschäftspartner Jan Bechler (39) mit der Idee konfrontierte, für die gemeinsamen 70 Mitarbeiter ihrer auf digitales Marketing spezialisierten Agentur Finc3 mit Sitz in Hamburg ein Haus auf Mallorca zu mieten, von dem aus die Angestellten arbeiten können. „Ich habe nicht an die motivierende Wirkung im Team geglaubt, bei uns ist es doch eh egal, wo jemand arbeitet", sagt Tim Nedden. Doch seine Geschäftspartner Jan Bechler und Sven Koch (39) überzeugten ihn. „Nach fünf Minuten war klar, wir probieren es", sagt Jan Bechler, der als Rennradfahrer jedes Jahr im Frühjahr die Insel besucht. Bei solch einem Ausflug sei auch die Idee für dieses Projekt gereift.

2017 hat Jan Bechler zusammen mit Tim Nedden und Björn Sjut die Agentur gegründet. „Unser erstes Büro hatten wir in der Straße Finkenau, wir waren zu dritt, darum der Name Finc3", sagt er. Das wichtigste Standbein der Agentur ist das sogenannte E-Commerce mit Fokus auf große, digitale Verkaufsplattformen. „Wir helfen zum Beispiel Bahlsen, mehr Kekse auf Amazon oder E-Bay zu verkaufen", sagt Jan Bechler. Außerdem analysieren sie für Firmen Kundendaten und sind im sogenannten B-to-B-Marketing tätig. „Dabei vermitteln wir zwischen großen Firmen, wenn zum Beispiel Tesa seine Industrieprodukte verkaufen will", sagt Jan Bechler.

„Wir haben Kunden auf der ganzen Welt, die wir nur per Videokonferenz sehen", sagt er. Das erlaube es ihnen, bei der Wahl des Arbeitsplatzes flexibel zu sein. „Das fing an, als ein Mitarbeiter aus familiären Gründen zurück nach England musste und von dort aus gearbeitet hat." Ein anderer war für ein paar Wochen in Thailand. Es klappte, die Chefs bauten das Modell aus. „Wir bieten viele Freiheiten und glauben nicht an die Büroarbeit von 9 bis 17 Uhr", sagt Jan Bechler. Wichtig sei, dass die Arbeit gemacht werde und nicht wo und wann.

„Hauptsache, die Ergebnisse stimmen." Außerdem wolle man als Unternehmen attraktiv sein, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. „Es ist ein Kampf um Talente auf dem Arbeitsmarkt", sagt Jan Bechler.

Das sei ein „interessanter Punkt", sagt Philipp Staab. Er ist Professor für „Soziologie der Zukunft der Arbeit" an der Humboldt-Universität in Berlin. „Eigentlich geht der Bereich des Marketings nicht mit einem Mangel an Arbeitskräften einher", sagt er. „Aber mit solchen Aktionen, die früher Vorständen vorbehalten waren, werden Mitarbeiter zu Superstars gemacht. Das schafft Aufmerksamkeit in der Branche und bindet die Leute." Ob so auch eine Steigerung der Arbeitskraft erreicht werde, da sei er sich nicht ganz so sicher.

Die Geschäftsführer jedenfalls glauben, mit ihrer im April für zehn Wochen angemieteten Bleibe in Portocolom alles richtig gemacht zu haben. Es gibt sechs Doppelzimmer, zwölf Betten, einen Pool und eine Feuerstelle. Die Mitarbeiter müssen nur den Flug und das Essen bezahlen. 50 Prozent der Belegschaft hätten bereits gebucht, bis zu drei Wochen am Stück sind möglich, die Familien können mitgebracht werden. Jan Bechler und seine Kompagnons waren selbst über Himmelfahrt da. „Wir haben hier Bilanz über die ersten vier Monate des Jahres gezogen. Es fühlt sich ganz anders an. Du bist raus, wir saßen mit den Füßen im Wasser und haben diskutiert", sagt Jan Bechler. Ihre Familien sind über den Feiertag nachgekommen.

Sorgen darum, dass jemand die gegebenen Freiheiten ausnutzt, macht sich Jan Bechler nicht. „Wir rechnen gegenüber unseren Kunden auf Stundenbasis ab. Von daher merken wir, wie viel wirklich gearbeitet wird." Seine Erfahrung sei, dass mit Freiheiten sehr verantwortungsvoll umgegangen wird. Auch der am Anfang skeptische Tim Nedden zieht eine positive Bilanz. „Wir haben mehr geschafft, als auf der Agenda stand. Das gelingt uns im Alltag nicht immer." Über eine zweite Saison auf Mallorca werde man nachdenken.

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