21. Oktober 2010
21.10.2010

Ausgehen in Deià: Unter den Bohemiens

Der Edel-Gebirgsort kann nur mit einem Chiringuito und einer Bar aufwarten. Die aber haben es in sich

15.07.2010 | 03:00
Erzherzoglicher Sonnenuntergang: Der Abend beginnt im Chiringuito Na Foradada hoch über dem gleichnamigen Felsen.

Der Abend muss noch vor 21.21 Uhr beginnen. Dann geht die Sonne unter, und richtig ludwigsalvatorhaft schaut man sich das am besten vom Chiringuito Na Foradada aus an, direkt neben dem Son-Marroig-Landgut des Erzherzogs. An diesem Freitag hat es vor allem Spanier, auch Urlauber unter ihnen, auf das Mäuerchen und an die Tische mit der schönen Aussicht verschlagen. Im letzten Augenblick ist auch noch eine Gruppe hipper Mittzwanziger dazugestoßen, die nicht den Eindruck macht, nur sturzbetrunken zu sein und ihren teuren Geländewagen gerade noch so zwischen den Felsen auf dem Parkplatz hat vorbeischrammen können.

Noch schöner wäre es jetzt ohne die funkig-chillige Musik – einfach mal in aller Stille genießen – aber, wer weiß, vielleicht hat ja auch Ludwig Salvator schon Streichquartette zum Naturschauspiel antreten lassen.

Dann ist die Sonne weg und die Abendgesellschaft löst sich schnell auf. Auch die Mittzwanziger schlingern wieder zurück auf die Panoramastraße. Das (alkoholfreie) Bier gibt´s im Chiringuito Na Foradada für 2,50 Euro, Mojitos und Caipis kosten 4 Euro, und der Gin Tonic macht 7,50 Euro. Das ist jedenfalls der Preis, den die Kasse anzeigt, aber „je nach Nase nehmen wir manchmal auch nur 6,50 Euro", sagt die Bedienung. Mit den Preisen, darauf wird noch einmal zurückzukommen sein, ist das so eine Sache in dieser Gegend. Übrigens gibt es im Chiringuito ab und an auch Chill-out-Sessions mit DJ, früher hätte man wohl Tanzabend dazu gesagt. Auch
diesen Sonntag, ab 18.30 Uhr. Und wer vorher, nachher oder zwischendurch etwas essen mag, kann das in dem zugehörigen Restaurant tun.

Deià ist schwer romantisch, die auf der Straße herumtollenden Kinder sind aufwendig verkleidet und kreischen auf Englisch, und ein kleiner zwischengeschobener Spaziergang endet – es wird kein böses Omen sein – auf dem Friedhof. Zurück auf der Durchgangsstraße ist das Nachtleben schnell ausgemacht: Es gibt in Deià nur eine Bar. Sie heißt Sa Fonda, und früher oder später kehren hier alle ein. Die verkleideten britischen Kids sind schon da, die Mittzwanziger sowieso und auch die schöne Frau, von der man meint, ihr Gesicht schon mal in irgendeiner Modezeitschrift gesehen zu haben, wird bald dazustoßen.

Es ist heiß, die meisten Gäste haben sich unter dem Wein auf der bunt erleuchteten Terrasse niedergelassen, die Stimmung ist familiär, man kennt sich von früheren Gelagen. Gegen 23 Uhr verabschiedet sich, schon leicht benebelt, eine ältere britische Künstlerin: Sie ginge jetzt noch ein Bild malen. Der Kellner erzählt etwas von Alexander-Technik, seine Kollegin stülpt sich einen Pappkarton über den Kopf, und der Besitzer, ein 23-Jähriger, der den Laden von seinem verstorbenen Vater übernommen hat, bemüht sich, die vielen potenziellen Zechpreller im Zaum zu halten.

Ab 0.30 Uhr wird es richtig voll, die Urlauberinnen (und Urlauber) aus der nahen Nobelherberge La Residencia sind eingetroffen und werden von der Stammkundschaft fachmännisch begutachtet. „Bei diesen Frauen gehe ich jetzt noch nicht nach Hause", sagt einer der Mittzwanziger und verschwindet mit zwei Freunden auf der Herrentoilette. Das (alkoholfreie) Bier kostet 2 Euro, der Gin Tonic 5 Euro,
das Wasser 1 Euro – mit gelegentlichen Auf- und Abschlägen von jeweils 50 Cent, je nachdem ob man wohlgelitten ist oder nicht. Und samstag gibt´s auch noch Konzerte.

Draußen auf der Terrasse sitzt Llevelyn Graves, der sich aus naheliegenden Gründen lautmalerisch Luelen nennen lässt und ein Enkel des Schriftstellers Robert Graves ist. Er ist Mitveranstalter von Idea Deià, eines „ökologischen Kulturfestivals", das an diesem Freitag (16.7., ab 18 Uhr) erstmals mit Kunstmarkt, Diskussionsrunden, Filmvorführungen, Konzerten und DJ-Musik in Deià steigt. „Wir wollen damit an die kulturelle Tradition von vor ein paar Jahrzehnten anknüpfen. Zeigen, dass Geld nicht alles ist", sagt Luelen
(http://ideadeia.com).

Chiringuito und Restaurant Na Foradada, Ctra. Valldemossa-Deià km 65,5, täglich vor Sonnenuntergang, Tel.: 971- 63 63 41

Café Sa Fonda, direkt an der Durchgangstraße in Deià, täglich ab 10 Uhr, Tel.: 971-63 93 06.

In der Printausgabe vom 15. Juli lesen Sie außerdem im Ressort Leben:

- Die Strandreporter: Auf den Terrassen von Cala Fornells
- Serie: Schrecken der Meere, Teil 2
- Kindermenu: Auf Tour mit Bernd das Brot

Diese Artikel finden Sie auch hier.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen
Weitere Medien der Gruppe Editorial Prensa Ibérica
Mallorca Zeitung