28. Oktober 2010
28.10.2010

Relaxen in der Bucht des Toten

In der Cala dels Homes Mort kann man es gut aushalten – wäre da nicht die ungelöste Frage ihres Namens

22.07.2010 | 03:00
Ausladende Kiefern spenden Schatten: An der Cala dels Homes Mort in Portopetro muss niemand ins Schwitzen kommen.

Die Info-Tafel ist schon zu lange der Sonne ausgesetzt. Cala dels Homes Mort („Bucht des toten Mannes") steht darauf. Der restliche Teil ist von der Sonne ausgeblichen. Ob hier erklärt wurde, woher der Name stammt? Am Empfang des Fünf-Sterne-Hotels nebenan weiß man jedenfalls keine Antwort: „Wir nennen sie Cala de Llevant", sagt der Portier. „Es weht immer eine frische Brise".

Das stimmt. Wer aus dem Wasser steigt und einen Schattenplatz ergattert, dem wird trotz Juli-­Hitze schnell so frisch, dass er sich in sein Handtuch wickeln will. Die Handtücher in der kleinen Bucht haben übrigens alle die gleiche Farbe: Das Dunkelblau identifiziert die Gäste des Fünf-Sterne-Hotels nebenan, zu dem offenbar auch die Strandliegen gehören.

Obwohl mein Handtuch statt des Blaus eine lila Kuh zeigt, nehme ich eine der vielen freien Liegen in Beschlag. Die Aktion bleibt folgenfrei und kostenlos.

Das Eis am Stil schlägt mit 2,50 Euro zu Buche. Es ist an einer Strandbar zu haben, Selbstbedienung aus der Kühltruhe. Die Bar liegt an einem Swimmingpool direkt hinter dem Strand und lädt auch zum Mittagessen ein. Der Kellner weiß leider auch nicht, woher der Name der Bucht kommt. „Cala dels Homes Mort? Wir nennen sie Cala del Pino."

Das passt natürlich auch: Der Sand ist durchmischt mit Kiefernnadeln und Zapfen, eine alte Kiefer oberhalb einer Mauer direkt am Wasser spendet einem Dutzend Badegästen kostenlosen Schatten. Die meisten dösen oder lesen. Das Wellenrauschen und die Brise lassen nur Gesprächsfetzen ans Ohr dringen, zumeist in Französisch und Russisch.

Dass die Bucht ein idealer Familienstrand ist, zeigt sich beim Wassertest: Die Wasserlinie ist mit einem Burgfrieden aus Sand markiert. Während die Jüngsten Türme bauen, cremen Väter und Mütter eifrig Kinderrücken ein. Ein Mädchen testet gerade die Qualitäten seines Schnorchels als Vuvuzela. Der vereinzelte Lärm verliert sich jedoch an dem rund 60 Meter langen und 30 Meter breiten Strand.

Das Wasser wird schnell tief, knapp in Wurfweite liegen Yachten vor Anker. Quallen sind in dem türkisfarbenen, sauberen Wasser keine zu sehen. Dafür fällt mir beim Rückweg zur Strandliege das geforderte Strandgut ins Auge: Die leere Verpackung von Schwimmflügeln mit Nemo-Motiven inklusive Gebrauchsanweisung.

Die Frage nach jenem toten Mann, der der Cala den Namen gab, lässt keine Ruhe. Eine Antwort weiß weder der Bademeister vom Swimmingpool nebenan noch der Mitarbeiter, der gerade ein Volleyballnetz aufbaut. Und auch die Angestellte der Touristeninformation kann keine telefonische Auskunft geben. Doch am Strand scheint die Frage niemandem den Schlaf zu rauben.

In der Printausgabe vom 22. Juli lesen Sie außerdem im Ressort Leben:
- Schrecken der Meere, Teil 3: Das Martyrium Menorcas
- Nachtschwärmer: Besuch im exotischen Cala d'Or
- Kindermenü: Kölnisch Wasser mischen

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