23. Oktober 2018
23.10.2018

Tarife, Anbieter, Verbrauch: sparen beim Strom auf Mallorca

Angesichts höherer Preise lohnt sich ein genauer Blick auf die monatliche Rechnung

23.10.2018 | 01:00
Blick in die Stromrechnung.

Wenn auf Mallorca die monatliche Stromrechnung in den Briefkasten oder ins E-Mail-Postfach flattert, interessiert die meisten Kunden nur eines – der zu zahlende Endbetrag. Die weiteren technischen Details, Erläuterungen und Diagramme, die in dieser Ausführlichkeit vorgeschrieben sind, laden nicht gerade zum Lesen ein. Die Stromrechnung sei „oft unverständlich", meinte vor Kurzem sogar die spanische Energieministerin Teresa Ribera – wobei die Sozialistin damit weniger sich selbst, als die konservative Vorgängerregierung kritisierte.

Wenn jetzt die Post des Stromversorgers wieder genauer konsultiert wird, liegt dies an den deutlich anziehenden Preisen. Schuld daran ist ein Mix aus höherer Energienachfrage in den heißen Sommermonaten, höheren Rohstoffpreisen, geringerer Produktion erneuerbarer Energien und dem komplexen System zur täglichen Festlegung der Großmarkttarife. Die sozialistische Regierung in Madrid hat deswegen Ende vergangener Woche ein Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht, um kurzfristig für Entlastung vor allem bei sozialschwachen Haushalten zu sorgen und langfristig das System – wieder einmal – zu reformieren. Unter anderem die umstrittene Sonnensteuer, die auf die Einspeisung erhoben wird, soll endlich fallen.

Die höheren Strompreise bekommen derzeit vor allem die Verbraucher zu spüren, die nach wie vor im sogenannten regulierten Markt sind. Dieser Standardtarif heißt PVPC (Precio Voluntario al Pequeño Consumidor, wörtlich: „freiwilliger Preis für den kleinen Verbraucher"). Dass viele Kunden gar nicht wissen, ob sie einen regulierten oder liberalisierten Tarif beziehen, mag auch daran liegen, dass der Konzern Endesa auf den Balearen sowohl als Energieversorger (distribuidora) als auch als Vertriebsfirma (comercializadora) auftritt. Möglich sind deswegen drei Szenarien: der regulierte Tarif von Endesa (PVPC), ein Tarif des liberalisierten Marktes von Endesa (die Tarife heißen „One" und „Tempo") oder der Tarif eines Mitbewerbers. Die Rechnung kommt im letzten Fall zwar von der Konkurrenz, angeliefert wird der Strom aber weiter von Endesa. Inzwischen sind laut einem Sprecher des Konzerns 60 Prozent der Strombezieher auf den Balearen im liberalisierten Markt – sei es bei Endesa oder einem anderen Anbieter.

Tarif oder Anbieterwechsel?

Wer sparen will, hat nun mehrere Möglichkeiten. Da inzwischen ein beträchtlicher Teil des Endpreises auf Fixkosten entfällt, lohnt sich zunächst ein Blick auf die vertraglich vereinbarte Stromleistung (potencia contratada). Kann diese gesenkt werden, ohne dass in der Wohnung die Sicherung bei der gleichzeitigen Nutzung mehrerer Geräte herauszuspringen droht, wird es deutlich günstiger. Weiteres, nach Einschätzung von Verbraucherschützern unterschätztes Sparpotenzial bietet der Wechsel vom Pauschaltarif zu einem mit unterschiedlichen Preisen je nach Tages- und Nachtzeit (tarifa con discriminación horaria). Dies sei auch innerhalb des Tarifes im regulierten Markt möglich, heißt es bei Endesa. In fast allen Haushalten der Insel seien inzwischen Smart Meter (contadores inteligentes) installiert, die den Stromverbrauch in Echtzeit erfassen und auf diese Weise eine exakte Abrechnung ermöglichen.

Und schließlich kann der Anbieter ganz gewechselt werden. Eine erste Übersicht bieten Online-Vergleichsrechner. Einen solchen hat etwa die spanische Energiekommission im Angebot (comparadorofertasenergia.cnmc.es). Angegeben werden müssen unter anderem Postleitzahl, installierte Leistung und geschätzter Jahresverbrauch. Anschließend können die jährlichen Stromkosten verglichen werden – Stichproben der MZ ergeben ein mögliches Sparpotenzial von jährlich rund 100 Euro im Vergleich zum regulierten Tarif. Die Übersicht gibt zudem Auskunft, ob die Energie aus nachhaltigen Quellen stammt wie etwa im Fall der Kooperative Som Energia. Auch andere Anbieter sowie Platzhirsch Endesa haben inzwischen einen grünen Tarif im Angebot („Tempo verde supervalle").

Einen weiteren Online-Vergleichsrechner bietet die spanische Verbraucherorganisa­tion OCU (www.ocu.org/vivienda-y-energia/gas-luz). Die Anbieter selbst haben jeweils unterschiedliche Tarife im Angebot – zu den Kuriositäten des Marktes dürfte „Tempo Happy" von Endesa gehören, bei dem Kunden einen Wochentag oder zwei Stunden pro Tag wählen, in denen der Verbrauch nicht berechnet wird. Der Wechsel ist dann online auf der Website des gewünschten Anbieters möglich. Hierbei sollte die Stromrechnung griffbereit liegen, um nötige Angaben wie die Identifikationsnummer für den Stromanschluss (CUPS, Código Universal del Punto de Suministro) nachzusehen.

Hilfen für Einkommensschwache

Einkommensschwache Haushalte können des Weiteren innerhalb des regulierten Marktes den bono social beantragen – eine Art spanisches Hartz IV für Stromkunden. Er ist gedacht für Geringverdiener, Rentner mit niedrigen Bezügen sowie Großfamilien. Je nach Einkommen wird ein Nachlass von 25 oder 40 Prozent gewährt. Madrid hat angekündigt, die Auflagen für den Bezug zu lockern – unter anderem für alleinerziehende Mütter –, sowie auch eine Direkthilfe für Heizkosten im Winter einzuführen. Beantragt werden kann der bono social bei Endesa (Voraussetzungen und Formulare: www.endesaclientes.com/bono-social.html).

Doch auch wer nichts unternimmt, kommt in Kürze voraussichtlich wieder etwas günstiger davon. So hat die spanische Zentralregierung angekündigt, die Stromsteuer von sieben Prozent für ein halbes Jahr auszusetzen. In dieser Zeit nimmt Madrid dann Anlauf für die nächste Reform des Strommarkts.

Das steht in der Stromrechnung (siehe Foto):

  1. Stromanbieter (comercializadora)
  2. Rechnungsdaten
  3. Kundendaten und Rechnungsadresse
  4. Übersicht der in Rechnung gestellten Leistungen: Potencia contratada (Leistung), Energía consumida (verbrauchte Energie), Impuesto de electricidad (Stromsteuer), Alquiler de equipos de medida y control (Miete Stromzähler), IVA 21% (Mehrwertsteuersatz), Total Importe Factura (Rechnungsbetrag)
  5. statistische Daten zum Verbrauch und zur Art der Zählerlesung
  6. detaillierte Vertragsdaten: Art des Vertrags und des Zählers
  7. Service-Telefonnummern
  8. Daten zur Zahlungsart wie etwa Bankeinzug („domiciliada")
  9. Verwendungszweck für den Rechnungsbetrag: Es wird ausgerechnet, wie viel Euro u. a. für Stromerzeugung, -transport und Steuern bezahlt werden.
  10. Hier wird aufgeschlüsselt, wie der monatliche Grundpreis auf Basis der Stromleistung zustande kommt (potencia contratada), wie der Verbrauchspreis ausgerechnet wird (energía consumida), wie viel Miete für den Stromzähler fällig wird („alquiler equipos") und schließlich welche Steuern aufgeschlagen werden. Auf einer weiteren Seite der Rechnung folgen Diagramme zur Art der Energieerzeugung.
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