18. Februar 2019
18.02.2019

Den Durchblick über das spanische Schulsystem auf Mallorca bekommen

Bis zur zehnten Klasse ähnelt das Bildungssystem dem der deutschen Gesamtschule. Doch es gibt auch große Unterschiede – ein Überblick

18.02.2019 | 01:00
Das aktuelle Schul- und Ausbildungssystem auf Mallorca unterscheidet sich in einigen Aspekten von dem in Deutschland.

Das spanische Bildungssystem, das auch auf Mallorca gilt, unterscheidet sich in vielen Punkten von dem in Deutschland. Wir stellen in einem Überblick Laufbahn und Abschlüsse vor.

Die Schulpflicht gilt wie in Deutschland erst ab sechs Jahren, doch die meisten Kinder kommen schon vorher mit einer Bildungseinrichtung in Kontakt. Bis zum dritten Lebensjahr sind das die escoletas, die Kindertagesstätten. Im Behördensprech sind sie der Primer Ciclo der Educación Infantil (siehe Grafik). Egal, ob die escoleta einer Schule angegliedert ist oder nicht: Der Aufenthalt der Kinder ist dort stets kostenpflichtig.

Nach ihrer Zeit in der Krippe wechseln die Drei- bis Sechsjährigen – auch das ist nicht verpflichtend – zur escuela (Vorschule, Educación Infantil, Segundo Ciclo). Die Einschreibungsfrist für die escolarización (Einschulung) läuft im Schuljahr 2019 /2020 vom 25. März bis zum 5. April. Im Gegensatz zu Deutschland werden die Kinder nach dem spanischen System nach ihrem Geburtsjahr eingeschult, das heißt es gibt keine Stichmonate, zu denen individuell entschieden werden kann. Alle Kinder, die im September 2019 die Schule beginnen werden, sind also im Jahr 2013 geboren worden.

Bei Zuteilung und Aufnahme kommt ein Punktesystem zum Tragen, das etwa Wohnort oder Geschwister berücksichtigt (nähere Informationen zur Einschulung unter www.bit.ly/EinschulungMallorca).




Schulischer Pflichtteil

Im Anschluss daran beginnt dann der zehn Schuljahre umfassende Pflichtteil (Enseñanza Básica), der sich in zwei Etappen unterteilt. Zunächst gehen die Kinder von Klasse 1 bis 6 (Educación Primaria) aufs colegio (Grundschule). Die meisten von ihnen beginnen die educación primaria im Alter von sechs Jahren und beenden sie mit zwölf Jahren.
Vier weitere Klassenstufen, entsprechend der 7. bis 10. Klasse (E.S.O., Abkürzung für Educación Secundaria Obligatoria), finden dann auf dem instituto (Mittelschule) statt. Dort bleiben die Schülerinnen und Schüler in der Regel, bis sie etwa 16 Jahre alt sind.

Für die insgesamt zehnjährige schulische Pflichtausbildung stehen Schülern auf Mallorca neben öffentlichen (escuelas / colegios / institutos públicos) und privaten (privados) auch öffentlich bezuschusste Schulen in privater und häufig kirchlicher Trägerschaft (concertados) zur Verfügung. Nur an den öffentlichen Schulen ist der Unterricht weitgehend kostenfrei.

Alternativen

Schüler, die mit dem klassischen Schulunterricht nicht zurechtkommen, können – auch damit sie die vorgeschriebene Schulpflicht erfüllen – von der E.S.O. aus zur Formación profesional básica wechseln. Diese Variante bereitet auf einen Berufsschulabschluss vor (Título de Técnico).

Eine weitere Alternative bietet ein spezieller Zweig für die musikalische Ausbildung, der in Zusammenarbeit mit dem Konservatorium in Palma angeboten wird (Enseñanzas de música y danza). Zudem gibt es auch noch einen zweiten Bildungsweg für Schüler ab 18, die Educación de Personas Adultas.

Weiter zum Abitur

Schüler, die den gängigen Weg über die E.S.O. nehmen, haben nach dem obligatorischen Bildungsabschnitt nach dem Bestehen ihrer Prüfungen ihren ersten offiziellen Abschluss in der Tasche (Título Graduado E.S.O.). Mit diesem können sie, zum einen, am instituto in die Oberstufe (bachillerato) wechseln, die sich in zwei cursos unterteilt (entspricht 11. und 12. Klasse). Sie entscheiden sich dort für einen von drei Schwerpunkten: einen künstlerischen, einen naturwissenschaftlichen oder einen humanwissenschaftlichen. „Größere Schulen bieten eventuell alle drei an, kleinere eher einen oder zwei", erklärt eine Sprecherin des Bildungsministeriums.

Nach zwei Jahren haben die dann meist 18 Jahre alten Schüler im besten Fall den Título de Bachiller, vergleichbar mit dem deutschen Abitur. Er befähigt sie zum einen zur Teilnahme an Kursen, die später zum Abschluss des berufsbildenden técnico superior führen. Wer an einer Universität studieren möchte, macht zum anderen im Anschluss an die Bachillerato-Prüfungen, meist im Juni, noch eine als selectividad bekannte Prüfung (Prueba de bachillerato para el acceso a la universidad). Die Note wird dann mit der des Bachillerato-Abschlusses verrechnet.

Berufsbildender Zweig

Nach der E.S.O. kann statt dem bachillerato auch ein berufsbildender Zweig gewählt werden (Título de Técnico). Das Hauptziel ist in diesem Fall nicht das spätere Studium an einer spanischen Universität, sondern ein Abschluss in einem der gängigen Lehrberufe. „Bei den Ciclos Formativos de Grado Medio de Formación Profesional beispielsweise gibt es Hunderte verschiedene Spezialisierungen, darunter etwa Informatik, Mechanik, Hotellerie oder Pflegeberufe", erklärt die Sprecherin des Bildungsministeriums.

Wer sich etwa nach einer Aufnahmeprüfung für den Grado Medio de Artes Plásticas y Diseño entscheidet, kann sich zum Beispiel als Florist, Grafikdesigner, Juwelier oder Kunsttischler ausbilden lassen. Bei dem Zweig Técnico deportivo de Grado Medio, dem ebenfalls eine Aufnahmeprüfung vorausgeht, können sich die Teilnehmer auf verschiedene Sportarten spezialisieren und sich etwa zum Fußball- oder Basketball-Trainer ausbilden lassen.

Auf den zwei Jahre dauernden Grado Medio, einer Art Basis Berufsausbildung, in die auch Praktika integriert sind, folgt dann jeweils der Grado Superior, die höhere Berufsausbildung.

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