10. April 2019
10.04.2019

So senken Sie auf Mallorca Ihre Stromrechnung

Mehr Flexibilität, neue Tarife: Neue gesetzliche Vorgaben haben frischen Wind in den spanischen Energiemarkt gebracht. Wo sich am meisten sparen lässt

10.04.2019 | 01:00
Wer wirklich Geld in der Stromrechnung sparen will, sollte nicht nur den Energiekonsum senken, sondern auch seinen Tarif anpassen.

Auf mehr als 2.000 Euro im Monat belief sich die Stromrechnung im Sommer für das weitläufige Anwesen eines Mallorca-Deutschen. Mehrere Gebäude, Pool, Klimaanlage, umfangreiche Haustechnik – die Luxusimmobilie im Südwesten Mallorcas hatte auch energietechnisch ihren Preis. Selbst im Winter seien pro Monat rund 1.700 Euro fällig geworden, berichtet Maria Cruz Rodríguez, freiberufliche Energieberaterin. Nach einer Analyse des Stromverbrauchs und einem Tarif- und Anbieterwechsel sei es aber gelungen, die Kosten pro Monat um rund 1.000 Euro zu senken. „Die Ausländer auf den Balearen haben bei den Stromanbietern das Nachsehen, ihnen fehlen die nötigen Informationen", meint Rodríguez.

Das Beispiel mag extrem sein. Doch nicht nur ausländische Kunden zahlen bei der Stromrechnung ordentlich drauf, weil sie aus Bequemlichkeit oder Unwissen im Standardtarif oder beim Standardanbieter bleiben. Ließ der stark regulierte Strommarkt bis vor Kurzem noch wenig Spielraum, kommt der Wettbewerb jetzt richtig in Fahrt, auch in Folge einer Gesetzesreform von Ende 2018. Mit der wichtigste Punkt: Es gibt jetzt mehr Flexibilität bei der Festlegung der vertraglich vereinbarten Stromleistung (potencia contratada). Daneben bieten vor allem Tag-Nacht-Tarife (tarifa con discriminación horaria) das meiste Sparpotenzial. Allein Ex-Monopolist und Platzhirsch Endesa wirbt jetzt mit einem knappen Dutzend unterschiedlicher Tarife.

Wer sich zum ersten Mal mit seiner Stromrechnung beschäftigt, sollte zunächst darauf nachsehen, ob er noch im sogenannten regulierten Markt ist und den Standardtarif PVPC (Precio voluntario al pequeño consumidor) bezieht, der quartalsweise staatlich festgelegt wird. Zu sehen ist das daran, dass auf der Stromrechnung „Endesa Energía XXI" steht und tipo de contrato: PVPC. Zwei Drittel der balearischen Stromkunden dagegen haben inzwischen einen liberalisierten Tarif, wobei der Konzern Endesa sowohl Energieversorger (distribuidora), als auch Vertriebsfirma (comercializadora) ist. Anders gesagt: Wer in den freien Markt wechselt, kann sowohl bei Endesa bleiben – der Anbieter heißt dann offiziell Endesa Energía –, als auch den Anbieter wechseln.

Wie viel Leistung benötige ich?

Vor dem Anbieter- oder Tarifwechsel muss aber erst einmal Klarheit über die benötigte Stromleistung her. Anders als früher kann diese nun stufenlos bis auf die Dezimalstelle festgelegt werden – die bisherigen Sprünge machen mit der Umstellung von analogen auf digitale Stromzähler ohnehin keinen Sinn mehr. Um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, rät Alex Durán, Koordinator der Energie-Kooperative Som Energia, eine Liste der energieintensiven Geräte im Haushalt aufzustellen (vor allem Waschmaschine, Trockner, Ofen, Klimaanlage, Heizung) und zu überlegen, wie viele davon gleichzeitig laufen können sollten, ohne dass die Sicherung herausspringt. „Wir kommen in einem Vier-Personen-Haushalt sogar mit nur 2,5 kW aus", so Durán über seine eigene Rechnung. Er rät zum Ausprobieren – dank ferngesteuerter smarter Stromzähler (ICP) kann der Wert angepasst werden, ohne dass ein Techniker vorbeischauen muss.

Der Anteil der Fixkosten in der spanischen Stromrechnung ist vergleichsweise hoch, deswegen birgt die Leistung auch das meiste Sparpotenzial – zumal die Gebühren noch mit 7 Prozent Stromsteuer (impuesto sobre la electricidad) und 21 Prozent Mehrwertsteuer (IVA) multipliziert werden. Vor allem bei schon länger laufenden Verträgen lohne sich eine Überprüfung der potencia contratada, empfiehlt Rafel Nicolau, Leiter der Abteilung Kundenbetreuung bei Endesa. Denn Haushaltsgeräte seien inzwischen deutlich effizienter, und gerade LED-Lampen benötigten weniger Strom. Sei die Stromleistung im Übrigen bei einem Erstanschluss zu hoch angesetzt worden, dann sei das kein böser Wille des Stromversorgers, sondern Folge der Vorgaben im Bauprojekt.

Nachtstrom nutzen

Das Wissen über die benötigte Leistung erleichtert dann auch den Tarifvergleich. Eine Übersicht ermöglichen Vergleichsrechner beispielsweise der spanischen Energiekommission oder der Verbraucherorganisation OCU (siehe Info-Kasten). Beim Check sollte man neben der benötigten potencia auch Postleitzahl und geschätzten Jahresverbrauch (siehe evolución del consumo) in der Stromrechnung parat halten. Wer auch gleich den Anbieter wechseln möchte, meldet sich mit den dafür nötigen Daten aus der Stromrechnung beim neuen Anbieter auf dessen Website an, dieser übernimmt dann die weitere Abwicklung.

Unterscheiden lassen sich prinzipiell Angebote mit einem 24-Stunden-Pauschaltarif und solche mit vergünstigtem Nachtstrom (discriminación horaria) – dieser fließt im Winter zwischen 22 und 12 Uhr, im Sommer zwischen 23 und 13 Uhr (período valle). Dreiviertel der Kunden könnten mit diesem sparen, meint Durán. „Der Nachtstrom bietet allen Haushalten Sparpotenzial, die mehr als 25 Prozent ihrer Energie im período valle verbrauchen", so der Som-Energia-Koordinator. Rafel Nicolau von Endesa betont zudem, dass sich viele Haushaltsgeräte wie die Waschmaschine oder die Umwälzpumpe für den Pool bewusst nachts nutzen oder auch programmieren ließen.

Auch mit diesem Wissen ist der Vergleich nicht ganz einfach, nicht nur wegen der vielen Tarife, sondern auch deren unterschiedlicher Bewerbung. Bei Endesa werden die Preise in Prozent zum Standardtarif angegeben – was die Kilowattstunde genau kostet, steht erst in dem Pdf-Dokument zum Download. Hinzu kommen kuriose Angebote wie „Tempo Happy", bei dem der Strom wahlweise an einem Wochentag, an zwei Stunden pro Tag oder während 50 Stunden im Monat günstiger ist.

Rat einholen

Angesichts dieses Tarifdschungels bietet Endesa inzwischen einen Tarifvergleich auf Basis des bisherigen Stromverbrauchs an: Kunden können ihre Rechnung per E-Mail senden und erhalten eine Empfehlung, wie Nicolau erklärt: „Wir wollen Kunden schließlich langfristig binden." Dieser Service sei im Übrigen auch auf Deutsch möglich. Beim Anbieter Som Energia erhalten Kunden indes nach den ersten sechs Monaten automatisch eine Analyse ihres Verbrauchs plus Empfehlungen. Aber auch externe Berater können auf diese Daten zugreifen, wie Rodríguez betont. „Wir ziehen die nötigen Daten vom Stromzähler." Die Provision werde dann in Abhängigkeit vom Sparpotenzial berechnet. „Für den Kunden fallen nur Kosten an, wenn er tatsächlich spart."

Wettbewerb herrscht endlich auch bei den erneuerbaren Energien. So arbeitet Rodríguez etwa mit dem Anbieter Holaluz zusammen. Dessen Strom ist – genauso wie bei der Kooperative Som Energia – zu 100 Prozent erneuerbar. Erstmals hat aber auch Endesa Öko-Tarife im Angebot. Der Tarif „Tempo verde supervalle" ist laut Nicolau speziell für Besitzer von Elektroautos interessant, „Tempo Solar" vor allem für Photovoltaik-Anlagen-Besitzer: Der Strom wird nach Sonnenuntergang günstiger.

Endesa

Übersicht Stromtarife:
www.endesaclientes.com/catalogo/luz.html

Tarifberatung (Rechnung mailen):
conveniosendesabaleares@enel.com

Terminvergabe (auch Deutsch):
www.endesaclientes.com/citaprevia

Vergleiche & Beratung

OCU-Vergleichsrechner:
www.ocu.org/vivienda-y
-energia/gas-luz

Rechner der Energiekommission:
comparadorofertasenergia.cnmc.es/comparador

Beraterin Maria Cruz Rodríguez:
energymore2017@gmail.com

Som Energia

www.somenergia.coop
(Kunden müssen vor dem Anbieterwechsel zunächst für einen Beitrag von 100 Euro Teilhaber werden)

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