Was passiert eigentlich, wenn man auf Mallorca festgenommen wird?

Wie läuft auf Mallorca eine Festnahme ab? Fragen an einen Strafverteidiger

Passiert im Sommer oft: Eine Person wird an der Playa de Palma festgenommen.

Passiert im Sommer oft: Eine Person wird an der Playa de Palma festgenommen. / Nationalpolizei

Ralf Petzold

Ralf Petzold

Viel zu oft endet der Mallorca-Urlaub nicht mit dem Rückflug, sondern mit einer Fahrt im Polizeiauto – abgeführt in Handschellen. Guter Rat ist dann oft teuer. Der auch deutschsprachige Anwalt Jorge Agüero Lafora von der Kanzlei Fukuro Legal (fukurolegal.com) gibt der MZ einen Einblick, was nach einer Festnahme passiert.

Wie geht es weiter, nachdem die Polizei eine Person abgeführt hat?

Die Beamten bringen den Festgenommenen auf die Polizeiwache und legen ihm eine Liste mit Rechten vor. Wenn sich die Person keinen Anwalt leisten kann, wird ihr ein Pflichtverteidiger gestellt. Für Urlauber ist das eher schlecht, da der in der Regel weder Englisch noch Deutsch kann. Es gibt dafür zwar Übersetzer, aber so kann kein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Anwalt und Klienten aufgebaut werden. Es ist wichtig, sich mit dem Inhaftierten zu treffen, um seine persönliche Situation zu verstehen und die Anhörung vorzubereiten, die am nächsten Tag vor Gericht stattfinden wird. In dieser Anhörung wird über die vorläufige Freilassung des Mandanten für die Dauer des Verfahrens entschieden.

Ist der Pflichtverteidiger kostenlos?

In der Regel schon, man kann ihn aber nur in Anspruch nehmen, wenn man über sehr geringe finanzielle Mittel verfügt. Die Anwaltskammer jeder Provinz hat ihre eigenen Anforderungen dafür. Wenn ein Angeklagter umdenkt und sich später einen privaten Anwalt holt, muss er auch die Kosten des Pflichtverteidigers tragen. Dann geht die Anwaltskammer davon aus, dass er genügend Geld hat.

Rechte derr Festgenommen

Was sind die Rechte der Festgenommenen?

Ich rate in erster Linie dazu, von dem Recht Gebrauch zu machen, die Aussage zu verweigern. Die Polizei gibt nicht alle ihre Kenntnisse preis. Sprich der Festgenommene darf nicht die Akten oder Beweismittel einsehen. So wissen wir als Verteidigung nicht, was überhaupt auf uns zukommt. In so einer Lage sagt man schnell etwas, was später negativ gegen einen selbst ausgelegt wird. Ansonsten kann der Festgenommene unter anderem Wasser, Essen und einen Arzt einfordern. Zudem darf er telefonieren.

Was passiert, wenn man die Telefonnummer nicht auswendig kennt?

Dann darf der Festgenommene unter dem Beisein der Polizei auf sein Handy zurückgreifen, um die Kontakte rauszusuchen. Er kann auch eine WhatsApp-Nachricht schreiben. In der Regel benachrichtigt er die Familie, die dann einen Anwalt für ihn sucht. Der Festgenommene hat auch das Recht, die Botschaft oder das Konsulat seines Landes zu konsultieren. Die hilft mit einer Liste möglicher Anwälte. Unsere Arbeit besteht darin, im Falle einer Festnahme sofortige rechtliche Unterstützung zu leisten und den Beschuldigten sowie seine Familie während des gesamten Verfahrens zu begleiten. Dabei bieten wir die bestmögliche Strafverteidigung an, die auch in ihrer Sprache und Kultur verständlich ist.

Wie lange bleibt man auf der Polizeiwache?

Die Polizei darf eine Person bis zu 72 Stunden in Gewahrsam nehmen. Die Polizisten dürfen den Zeitraum aber nicht beliebig ausreizen. Sie sind dazu angehalten, den Festgenommenen schnellstmöglich vor Gericht zu bringen. Für Straftaten mit einer Strafandrohung von mehr als fünf Jahren kann nur der Richter über die Freiheit entscheiden. Andernfalls darf auch die Polizei den Festgenommenen freilassen, wenn er einen Wohnsitz in Spanien hat. In der Praxis ist es aber meist der Richter. Deshalb ist es so wichtig, von einem auf Strafrecht spezialisierten Anwalt unterstützt zu werden, der während des Verhörs auf der Polizeiwache so viele Informationen und Beweise wie möglich sammelt, um den Richter davon zu überzeugen, die Freiheit des Angeklagten während des gesamten Strafverfahrens zu gewährleisten, das in Spanien oft lange dauert.

Untersuchungshaft oder nicht?

Wovon ist es abhängig, ob der Festgenommene in Untersuchungshaft kommt?

Um Untersuchungshaft anzuordnen, müssen das Fluchtrisiko des Beschuldigten - abhängig von der Verwurzelung und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit -, das Risiko der Zerstörung von Beweismitteln und das Risiko der Wiederholung von Straftaten bewertet werden. Dies alles steht im Zusammenhang mit der Schwere der zu verhängenden Strafe. Es müssen auch ausreichende Gründe und/oder vernünftige Anhaltspunkte vorliegen, die die Anklage rechtfertigen, als grundlegende Voraussetzung für die Untersuchungshaft, was einen zusätzlichen Aspekt gegenüber den Gründen für die Festnahme darstellt. Untersuchungshaft darf nur angeordnet werden, wenn sie objektiv notwendig ist und wenn es keine anderen weniger einschränkenden Maßnahmen gibt, wie beispielsweise Kaution, Entzug des Reisepasses, regelmäßige Meldung beim Gericht alle 15 Tage.

Wie läuft das Schnellverfahren ab?

Es geht mit einem Schuldeingeständnis des Angeklagten und einer außergerichtlichen Einigung einher, die der Ermittlungsrichter annimmt. Oft kommt es bei Alkohol am Steuer oder häuslicher Gewalt zum Einsatz. Der Verurteilte bekommt seine Strafe im Austausch für das Geständnis um ein Drittel reduziert. Kommt es zu keiner Einigung, folgt zwei Wochen später der Prozess, zu dem der Angeklagte aber nicht vor Ort erscheinen muss.

Wie lange darf eine Person in Spanien in Untersuchungshaft verbleiben?

Die Höchstdauer beträgt ein Jahr mit einer möglichen Verlängerung um sechs Monate für Strafen von bis zu drei Jahren und zwei Jahre plus zwei weitere mögliche Jahre Verlängerung bei längeren Strafen. Die Untersuchungshaft muss der Verdächtige in Spanien verbringen. Erst nach einer Verurteilung wäre eine Verlegung in eine Haftanstalt nach Deutschland möglich.

Was unternimmt der Strafverteidiger?

Das hängt ganz von der Verteidigungsstrategie ab, die von Fall zu Fall variiert. Grundsätzlich muss die Verteidigung nicht die Unschuld des Angeklagten beweisen. Die Klägerseite muss die Beweise für die Schuld vorbringen. Die Strategie reicht von Abwarten bis zu aktivem Vorbringen von Beweisen. Während der Untersuchungshaft muss der Verteidiger so oft wie nötig die Freilassung beantragen, wenn neue Tatsachen vorliegen, die die Notwendigkeit der Einschränkung der Grundrechte infrage stellen.

Was passiert, wenn die auf Mallorca gesuchte Person vor der Festnahme nach Deutschland zurückgekehrt ist?

In dem Fall, oder wenn gegen die Auflagen der Freilassung verstoßen wird, stellt das Gericht einen europäischen Haftbefehl aus, um die Person nach Spanien zurückzubringen. Die deutschen Behörden prüfen dann, ob sie den Gesuchten ausliefern.

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