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14.000 Internetdelikte jährlich auf Mallorca: So gehen die Betrüger vor und so wehrt man sich

Eine Einheit der Guardia Civil in Palma kümmert sich um die digitale Kriminalität und gibt den Opfern Tipps

Sergeant Luis Segade, der Chef der Einheit.

Sergeant Luis Segade, der Chef der Einheit. / DM

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Redaktion DM

Redaktion DM

Jedes Jahr werden auf Mallorca und den Nachbarinseln 14.000 Computer- und Internetdelikte angezeigt, die meisten davon Betrugsfälle. Das bedeutet: rund 40 pro Tag.

Das zeigt, vor welcher Herausforderung das sogenannte Equipo de Investigación Tecnológica (Edite) und das Equipo @ stehen, die beiden auf Cyberkriminalität spezialisierten Einheiten der Guardia Civil. Diese Beamten untersuchten im vergangenen Jahr 2.000 Delikte und konnten rund drei Millionen Euro sicherstellen, die zuvor erbeutet worden waren.

"Seien Sie misstrauisch"

An der Spitze dieser Gruppen steht Sergeant Luis Segade. Er fasst die beste Haltung gegenüber Cyberbetrug in einem einzigen Wort zusammen: „Seien Sie misstrauisch. Und vor allem: Misstrauen Sie angeblicher Dringlichkeit. Ihre Bank wird Sie nicht anrufen, um nach Ihren geheimen Zugangsdaten zu fragen. Und wenn Sie eine Nachricht von einem Sohn oder einer Tochter erhalten, der oder die dringend Geld braucht, dann rufen Sie an und sprechen Sie zuerst mit ihm oder ihr, bevor Sie zahlen. Und wenn Sie bereits Opfer eines Betrugs geworden sind, erstatten Sie so schnell wie möglich Anzeige, denn wir können Konten sperren, bevor sie leergeräumt werden.“

Das Team der Guardia Civil.

Das Team der Guardia Civil. / DM

Zwei Gruppen von Guardia-Civil-Beamten treten Tag für Tag aus ihren Büros im Untergeschoss der Kommandantur von Palma gegen Hunderte organisierter Banden an, die in regelrechten Fabriken arbeiten, an weit entfernten Orten wie Russland oder Nigeria. Sie werfen ihre Köder im weiten Ozean des Internets aus, um weltweit Leichtgläubige zu fangen – das ist Phishing, in vielen Varianten, angepasst an das Profil der Opfer, aber immer mit nur einem Ziel: ihr Geld.

Dies sind einige der häufigsten Betrugsmaschen, die auf den Inseln registriert werden:

Investitionen

Dies ist der häufigste Betrug. Der Nutzer erhält ein Angebot, in ein Geschäft mit enormer Rendite zu investieren. Worum es konkret geht, ist zweitrangig und hängt von Trends ab. Es kann sich um Kryptowährungen handeln oder, jetzt mit dem Krieg im Nahen Osten, um Geschäfte im Zusammenhang mit Erdöl.

In der Regel sieht es zunächst so aus, als hätte sich das investierte Geld vervielfacht. Das ist der Köder, mit dem das Opfer dazu gebracht werden soll, immer größere Summen zu überweisen – stets unter Zeitdruck, damit es nicht nachdenken oder andere um Rat fragen kann.

Sobald das Opfer dann versucht, die angeblichen Gewinne abzuheben, heißt es plötzlich, es müsse zunächst noch mehr Geld zahlen, um an das Guthaben zu kommen. Ziel ist es, das Opfer maximal auszupressen.

Phishing

Hier gibt es verschiedene Varianten. Die Betrüger verfügen über die Daten des potenziellen Opfers und können deshalb eine betrügerische SMS verschicken, die scheinbar von der Bank stammt. Darin warnen sie vor einer verdächtigen Abbuchung und fordern dazu auf, die geheimen Zugangsdaten zu bestätigen. Genau damit räumt man dem Opfer dann das Konto leer. Diese Variante ist als Smishing bekannt.

Es ist aber auch denkbar, dass die Täter direkt anrufen und dabei die Nummer der Bankfiliale vortäuschen. Das ist die Variante Vishing. Das Ziel ist immer dasselbe: das Opfer in Alarm zu versetzen und unter Druck zu setzen, damit es seine geheimen Daten preisgibt. Und es geht nicht immer um große Summen; oft sind es kleinere Beträge von weniger als 1.000 Euro. Die Täter passen sich stets dem Profil des Opfers an.

Kind in Not

Das Opfer erhält eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Der Text könnte etwa lauten: „Mama, ich hatte ein Problem mit meinem Handy und musste es wechseln. Das ist jetzt meine neue Nummer.“

Kurz darauf folgt die nächste Nachricht: „Ich habe ein sehr großes Problem. Bitte schick mir schnell eine Überweisung.“ Das klingt offensichtlich, aber unter den Tausenden identischen Nachrichten, die die Betrüger verschicken, gibt es immer jemanden, der darauf hereinfällt.

Romance Scam

Diese Masche wird auch Liebesbetrug genannt. Die Täter treiben sich in Internetforen herum und suchen dort nach passenden Opfern. Das Profil: eine alleinstehende, verletzliche Person. Sie nehmen Kontakt auf und präsentieren genau das Bild, von dem sie glauben, dass es gesucht wird.

Ist das Opfer eine heterosexuelle Frau, schicken sie etwa das Foto eines attraktiven Mannes. Die Geschichte ist immer die, von der sie annehmen, dass sie am besten ankommt. Vielleicht gibt sich der Täter als Manager, Soldat oder Umweltaktivist aus.

Die Gespräche können sich über Monate hinziehen, bis eine emotionale Bindung entstanden ist. Dann schildern die Betrüger eine Notsituation, etwa einen Unfall, und bitten dringend um eine Überweisung. Immer mit Zeitdruck. Wenn Geld geschickt wird, fordern sie mehr. Und noch mehr.

Man in the Middle

In diesem Fall sind Unternehmen die Opfer. Die Täter klinken sich in den E-Mail-Verkehr zwischen zwei Mitarbeitern ein, die kurz davor stehen, eine Zahlung abzuwickeln, und teilen dem zahlenden Teil mit, dass sich die Kontonummer geändert habe.

Auf diese Weise wurden auf den Balearen bereits große Summen erbeutet, in einem Fall beispielsweise sechs Millionen Euro beim Kauf eines Bootes oder eine Million Euro beim Erwerb einer Wohnung.

Ransomware

Dieser Begriff bedeutet die digitale Blockade eines Unternehmens, um Lösegeld zu erpressen. Die Täter verfügen über sehr leistungsfähige Schadsoftware. Es genügt, dass jemand einen per E-Mail versandten Link öffnet, und schon wird der Computer blockiert.

Von da an erscheint nur noch eine Nachricht, in der die Zahlung eines Betrags verlangt wird, um wieder Zugang zu erhalten. Jedes Jahr werden auf Mallorca rund ein halbes Dutzend solcher Fälle registriert, darunter auch in Rathäusern und großen Unternehmen.

„Zahlen Sie niemals“, betont Sergeant Segade. „Denn wenn Sie zahlen, werden sie noch mehr Geld verlangen, und trotzdem bekommen Sie die Kontrolle über Ihre Computer nicht zurück.“ Der Leiter der Edite unterstreicht, wie wichtig es ist, so schnell wie möglich Anzeige zu erstatten. „Das gibt uns die Möglichkeit, die Konten zu sperren, auf die das ergaunerte Geld überwiesen wurde, bevor sie leergeräumt werden. Jede Stunde zählt.“

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