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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • 17
    November
    2017

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    Mallorca Gesundheit Schweinefleisch Fleischkonsum Wasser Tierhaltung

    Das alles dürfte doch kein Schwein mehr essen

    Das alles dürfte doch kein Schwein mehr essen

    Man ist, was man isst. Dass wir Menschen so etwas wie eine Zivilisation entwickelt haben, haben wir tatsächlich dem bäuerlichen Erfindungsgeist der menschlichen Frühzeit zu verdanken. Was wir aber aus Ackerbau und Viehzucht gemacht haben, hat bekanntlich nichts mehr mit Bauernhof und lachenden Kühen und glücklichen Schweinen zu tun.  70.000.000 Tiere werden jährlich gezüchtet, die ein Drittel allen angebauten Getreides und die Hälfte aller Antibiotika verbrauchen. In den letzten Jahren breitet sich unter vielen von uns die Überzeugung aus, dass wir damit auf den Supergau hinsteuern.

    Schweine sind tatsächlich Tiere

    Wenn wir ehrlich sind, sollten wir ja auch von Industrieprodukten sprechen, nicht von Tieren. Damit würden wir ihrem “Leben” eher gerecht werden. Wir wissen alle, dass Tierleben in Industriellen Anlagen nichts mehr mit Leben sondern nur noch mit Qual und Krankheit und Tod zu tun haben. Deshalb wollen wir im Supermarkt oder beim Schlachter ja auch keine ganzen Tiere mehr hängen oder liegen sehen, die uns eventuell daran erinnern könnten, dass der Unterschied zwischen ihnen und uns nur  in ein paar Chromosomen besteht.

    Das Fleisch kaufen wir also schön unerkenntlich zerstückelt, ohne Federn und Haut, und ganz besonders ohne Kopf und Füsse oder sogar Augen. (Wir müssten eigentlich vor den “alten” Mallorquinern den Hut ziehen, die es noch wagen, in ihren prallen Fleischtüten ein ganzes Huhn mit nach Hause zu nehmen oder ein halbes Schäfchen zu kaufen. Sie sind wenigstens ehrlich!)

    Sauberes Wasser kommt aus dem Hahn

    Die Umweltschäden, die gerade in Spanien durch die intensive Tierzucht verursacht werden, sind hier heute Thema. Denn die Gülle auf den Feldern, also letztlich  in unserem Wasser und die Gase in der Luft, die inzwischen weite auch von Menschen bewohnte Gegenden durchschwadern, stossen auch hierzulande und nicht nur in Gütersloh auf zunehmenden Protest.

    Es geht gar nicht mehr um Ethik. Schweine, Kühe und Schafe sind keine Menschen, aber fühlende Wesen. Das hat sogar die Gesetzgebung fast aller Herren Länder in mehr oder weniger strengem Masse inzwischen festgelegt. Obwohl es leider doch noch sehr an der Umsetzung hapert.

    Es geht um unser Überleben: Überproduktion an Getreide  für die Tierzucht, Milch und Eier bedeutet Verschwendung von Proteinen und Kalorien, die die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten dringend braucht. Das ist nicht effizient, das ist Hunger jetzt an vielen Orten der Welt, das ist Wahnsinn für die weitere Menschheitsgeschichte.

    Tierproduktionsstätten verursachen fast 15 Prozent der Treibhausgase, mehr als alle Autos, Züge und Flugzeuge zusammen. Um die nötige 50-prozentige Reduzierung dieser Gase zu erreichen, müssen wir endlich schnellstens andere Proteinquellen entwickeln und ausbeuten wie Algen oder Laborfleisch. Da wird kein Weg drum herumführen.

    Und wir brauchen ein rundum erneuertes Modell für die Landwirtschaft! Dann hat das Leben auf diesem Planeten eine Chance. Die Technologie spielt laut Experten eine wichtige Rolle, aber Chemie darf keinen Platz mehr haben. Eine Kuh auf der Weide produziert Milch oder Fleisch. Das Problem ist, dass damit kein Gewinn für die Nahrungsmittelindustrie, die pharmazeutische Industrie, die Agrochemische Industrie und die Industrie der Transgenetik zu machen ist.

    Führende Kämpfer für neue Modelle der Lebensmittelproduktion halten die Nahrungsmittelknappheit für eine glatte Lüge der Verfechter des konventionellen Modells, mit der einzig und allein ihr gewinnbringendes Modell aufrecht erhalten wird. Ganz im Gegenteil leben wir eigentlich in Zeiten absoluten Nahrungsreichtums.

    Aber wenn wir die Tiere nicht umgehend aus den Ställen lassen, wird ihrer Meinung das “Farmageddon” über uns kommen und das Leben auf unserer Erde wird allerdings wieder durch Knappheit bestimmt. Eine grausige Vorstellung; die möglichen Konsequenzen des Kampfes um sauberes Wasser und essbare Lebensmittel sehen wir uns gerne ab und zu mal in diversen alten und neuen Kinofilmen an.

    Bleiben Sie gesund!

    Quelle: Elpais/Salud

     

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