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Blog Med-in-Mallorca - Javier Moreno

Javier Moreno

Seit 1998 lebe ich, Javier Moreno, auf Mallorca und betreibe eine kardiologisch-/internistische Praxis. In diesen Jahren habe ich in der Arbeit mit unseren Patienten die Erfahrung gemacht, dass “gute Medizin” auch v.a. Problem lösen heisst: ehrliche Information, Empathie und Hilfsbereitschaft in kleinen und grossen Dingen. Medizin ist ein so vielfältiges und interessantes Feld, dass ich seit einigen Jahren versuche, auch anderen Menschen, die nicht als Patienten in meine Praxis kommen, über meinen Praxis-Blog (in Spanisch und Deutsch) mein persönliches Verständnis zu Themen gesundheitlichen und medizinischen Inhalts näherzubringen und mich mit ihnen auszutauschen.

Über diesen Blog | Gesundheit

Neuigkeiten und Meinungen zu Medizin und Gesundheit


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  • 04
    Juni
    2014

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    Die falsche Schönheit

     

    Wir alle wissen ( oder vielleicht besser, wir sollten es wissen, um einen möglichen Schock zu vermeiden ), dass die Fotos der Werbeanzeigen und Titelbilder der Magazine( egal ob Topmodel  oder Star) dank Photoshopbearbeitung  mehr Atraktivität erreichen als von Mutter Natur eigentlich vorgesehen.

    Und wenn ich bearbeitet sage, dann meine ich nicht kleine Veränderungen bei Licht und Schatten oder das retouchieren der roten Kaninchenaugen oder nur das Zurechtschneiden des Fotos, sondern die Veränderung der Hautstruktur, die Augen grösser erscheinen lassen, die Nase kleiner, weg mit dem Doppelkinn, kleines Faltenlifting, Celulitisfreier Po und Oberschenkel...und schnell noch mal Fettabsaugen.

    Also....einige Werbefirmen nutzten Fotos, die in einem solchen Ausmass verändert waren (dazu gehört z.B. eine sehr bekannte Creme mit der dazu gehörigen Julia Roberts), dass in einigen Ländern eine kleine Revolution entfacht wurde, woraufhin eben diese Annoncen als fast betrügerisch vom Markt verschwanden.

    Die italienische Künstlerin  Ana Utopia Giordano ist sogar soweit gegangen und beschloss, genau diese „Schönheitschirugie“ an einigen der bekanntesten Abbildungen der Venus vorzunehmen ( übrigens,  die Bilder lösten einen Skandal bei ihrer ersten Veröffentlichung aus), mit dem Ziel die Schönheitsideale und den damit verbundenen Wahn der heutigen Gesellschaft und der Werbeagenturen. Sie beschloss bei einem grossen Teil der Bilder des  femininen Körpers zu verändern um ein annähernd  perfektes aktuelles Aussehen zu erreichen, der aber gleichzeitig die unerreichbare Wirklichkeit darstellt. Also hat die Künstlerin einfach die jahrhunderte alte Göttin der Liebe genommen, ihre Speckröllchen am Bauch weggeschmolzen  und die nicht perfekten Arme und Beine bemuskelt. Mit dieser Ausstellung, mit der Utopia die Veränderung des Schönheitsideals im Laufe der Geschichte der Menschlichkeit aufzeigen will, hat sie eine heftige Diskussion in den heutien Internetportalen entfacht.

    Wenn ich nun diese Bilder betrachte, stelle ich fest, in den meisten der Fälle, dass das Ergebniss nicht so spektakulär ist wie erwartet.

    Warum? Ganz einfach. Auch wenn die Vorstellung  der Idealmasse sich im Laufe der Geschichte verändert hat, so ist doch auf den ursprünglichen Gemälden die proportionale Harmonie der Damen sehr aktuell. Denn wenn wir einen schönen Körper  sehen, achten wir mehr  auf seine Proportionen, seine Formen oder ein jugendliches Hautbild, als auf das Gewicht als solches.

    Ein Titelbild der Zeitschrift ELLE bestätigt dies. Auf dem Cover ist das spektakuläre Modell Tara Lynn mit ihrer Kleidergrösse 48 abgelichtet. Man muss sich nur einmal den Körper dieser Frau anschauen, seine Proportionen, die schöne Haut ohne irgendeine unschöne Fettablagerung und natürlich ihr schönes Gesicht.

    Aus all diesen Gründen glaube ich, dass Schönheit ( ich beziehe mich auf die Körperliche) ihre Basis in den Proportionen findet, nicht abhängig von einer Konfektions- oder Körbchengrösse . Aber es ist natürlich logisch, dass die fast immer veränderten schönen Abbildungen von Personen  viele Menschen  mit falschen Erwartungen ausstattet, wenn sie sich Operationen unterziehen wollen  oder einfach nur eine meist teure Creme kaufen, obwohl  die Haut der Abbildung die sie sehen so gar nicht existiert, bzw nie existiert hat.

     

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